RRB Nr. 676/2018
Volksschule, Schulversuch Fokus Starke Lernbeziehungen, Verzicht
4 luglio 2018Tedesco4 min
Source zh.ch
Volksschule, Schulversuch Fokus Starke Lernbeziehungen, Verzicht
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 4. Juli 2018
676. Volksschule, Schulversuch Fokus Starke Lernbeziehungen
Erwägungen
1. Ausgangslage Gestützt auf § 11 des Bildungsgesetzes vom 1. Juli 2002 (BiG, LS 410.1) hat der Regierungsrat am 19. Dezember 2012 beschlossen, an der Volks- schule ab Beginn des Schuljahres 2013/2014 bis zum Ende des Schuljah- res 2018/2019 den Schulversuch «Weniger Lehrpersonen pro Klasse» durch- zuführen (RRB Nr. 1380/2012). Der Schulversuch erhielt den Namen «Fokus Starke Lernbeziehungen (FSL)». Der Schulversuch ermöglicht den teilnehmenden Schulen, sich so zu organisieren, dass weniger Lehr- und Fachpersonen an einer Klasse unter- richten. Mittel aus verschiedenen Unterstützungs- und Fördermassnah- men werden zugunsten der Regelklasse eingesetzt. Ein kleineres, aber mit zusätzlichen Mitteln verstärktes Team an Lehrpersonen je Klasse soll damit bessere Voraussetzungen erhalten, um eine Beziehung zu den Kin- dern und Jugendlichen aufzubauen und sie in ihren emotionalen, sozia- len und kognitiven Fähigkeiten zu fördern. Mittels Weiterbildungen und Beratung durch die sonderpädagogischen Fachpersonen der Schule wer- den die Lehrpersonen in der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Bildungsbedarf unterstützt. Durch die Verringerung der Anzahl Lehrpersonen pro Klasse sollen zudem die Schul- und Personal- organisation vereinfacht und die Lehrpersonen von Koordinationsauf- wand entlastet werden. Gemäss § 11 Abs. 2 BiG werden Schulversuche evaluiert. Der Schluss- bericht der externen Evaluation wurde auf Ende 2017 in Auftrag gege- ben. Dieser bildet die Grundlage für den Entscheid, ob Elemente des Schulversuchs umgesetzt werden sollen. Da das Gesetzgebungsverfah- ren zu einer Umsetzung länger als bis zum Ende des Schulversuchs 2018/ 2019 dauern würde, hat der Regierungsrat am 15. Februar 2017 den Ver- such für die beteiligten Schulen bis Ende Schuljahr 2021/2022 verlän- gert (RRB Nr. 156/2017).
2. Ergebnisse der Evaluation Der Schulversuch wurde vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich evaluiert. Die Bildungsdirektion veröffentlichte die- sen Bericht und weitere Ergebnisse am 24. Mai 2018.
Die Resultate zeigen, dass der Schulversuch FSL die Schulorganisa- tion vereinfacht, einen Beitrag zur Weiterentwicklung des integrativen Unterrichts leistet, eine effizientere Zusammenarbeit ermöglicht und einen Gewinn für die Lehrpersonen darstellt. Die Stärkung der Lern- beziehungen konnte hingegen nicht nachgewiesen werden.
3. Stellungnahme des Bildungsrates Die bildungsrätliche Begleitkommission FSL hat die Ergebnisse der Evaluation an ihrer Sitzung vom 13. März 2018 diskutiert und am 3. Ap- ril 2018 eine Stellungnahme zuhanden des Bildungsrates abgegeben. Der Bildungsrat hat die Evaluationsberichte sowie die Stellungnahme der bildungsrätlichen Begleitkommission an seinen Sitzungen vom 14. Mai und 18. Juni 2018 zur Kenntnis genommen. Er hat zu den Ergebnissen des Schulversuchs wie folgt Stellung genommen: «Der Schulversuch ist ein Schulentwicklungsprojekt, das die Schul- organisation vereinfachen, einen Beitrag zur Weiterentwicklung des in- tegrativen Unterrichts und zur Entlastung der Regelklassenlehrpersonen leisten soll. Der Schlussbericht des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich ‹Evaluation des Schulversuchs Fokus Starke Lern- beziehungen (FSL)› zeigt indessen, dass die Annahmen, die dem Schul- versuch zugrunde liegen, nicht in allen Punkten zutreffen. Zwar führt die Reduktion der Anzahl Lehrpersonen pro Klasse häufig zu einer Ent- lastung der Regelklassenlehrpersonen und zwangsläufig zu Veränderun- gen im Unterricht. Die Qualität des Unterrichts und der Lernbeziehun- gen werden allein durch diese Massnahme jedoch nicht gestärkt. Aufgrund dieser Erkenntnisse empfiehlt der Bildungsrat der Bildungs- direktion, von der flächendeckenden Einführung der Eckwerte des Schul- versuchs FSL abzusehen. Er empfiehlt vielmehr, gestützt auf die vorlie- genden Evaluationsergebnisse vertieft abzuklären, welche Elemente des Schulversuchs sich unter welchen Bedingungen günstig auf die Regelklas- senlehrpersonen auswirken und gleichzeitig bessere Leistungen der Schü- lerinnen und Schüler gewährleisten. Der Bildungsrat weist überdies da- rauf hin, dass die Expertise und das Spezialwissen der DaZ- und IF-Lehr- personen in den Unterricht einfliessen sollten. Die im Schulversuch ge- wonnenen Erkenntnisse könnten sodann in geeigneter Form als Impuls für die Schul- und Unterrichtsentwicklung der Volksschulen des Kan- tons Zürich zur Verfügung gestellt werden.»
4. Abschluss des Schulversuchs Mit dem Schlussbericht der Evaluation liegen die Entscheidungsgrund- lagen zum Schulversuch FSL vor. Aufgrund der Resultate des im Schul- versuch erprobten Modells soll auf eine allgemeine Einführung von FSL verzichtet werden. Der Schulversuch endet deshalb gemäss RRB Nr. 156/ 2017 auf Ende Schuljahr 2021/2022. Bis zum formalen Abschluss des Schulversuchs wird die Bildungsdirektion prüfen, welche positiven Ele- mente des Versuchs breiter genutzt werden können, um einen pädago- gischen Nutzen erzielen zu können.
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Auf die flächendeckende Einführung des Modells «Fokus Starke Lernbeziehungen» wird verzichtet.
II. Mitteilung an die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli