Die Eliminierung von Hepatitis gehört in ein nationales Programm zu sexuell und durch Blut übertragbaren Infektionskrankheiten
19.3743 · Motion · 2019-06-20
Departement des Innern
Berichterstattung zum Umsetzungsstand des Vorstosses liegt vor
Wortlaut
Der Bundesrat wird aufgefordert, das Nachfolgeprogramm des Nationalen Programms HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten (NPHS) um virale Hepatitis zu erweitern und somit die Voraussetzung dafür zu schaffen, Hepatitis B und C zusammen mit HIV bis 2030 zu eliminieren.
Begründung
Hepatitis B und C verursachen in der Schweiz eine hohe Krankheitslast. So sterben jedes Jahr insgesamt über 200 Personen an einer viralen Hepatitis. Das entspricht der Zahl der jährlichen Verkehrstoten. Hepatitis B und C sind der wichtigste Grund für Leberkrebs und Lebertransplantationen in der Schweiz.
Die hohe Krankheitslast kann verringert werden: Gegen Hepatitis B schützt eine Impfung. Hepatitis C ist heute heilbar: Die neuesten Therapien erzielen die Heilung in über 98 Prozent der Fälle in nur acht bis zwölf Wochen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will virale Hepatitis auf globaler Ebene bis 2030 eliminieren. Die zivilgesellschaftliche Initiative Schweizer Hepatitis-Strategie verfolgt das gleiche Ziel für die Schweiz und hat mit Expertinnen und Experten entsprechende Eliminationsziele erarbeitet. Um diese Ziele zu erreichen, müssten Versorgungslücken geschlossen werden, insbesondere bei der Aufklärung, beim Testen, Impfen und Behandeln.
Die Elimination von viraler Hepatitis ist eine einmalige Chance, die sich im Bereich der öffentlichen Gesundheit nur sehr selten bietet. Ein wichtiges Instrument dazu ist die Integration von viraler Hepatitis in das Nachfolgeprogramm des Nationalen Programms HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten (NPHS), das 2021 ausläuft. Da die Hauptübertragungswege und Risikogruppen für Hepatitis und HIV sehr ähnlich sind, bietet sich die Integration an. Zudem wird heute nicht nur in Bezug auf Hepatitis, sondern auch für HIV die Elimination angestrebt. Durch ein nationales Programm zu sexuell und durch Blut übertragbaren Krankheiten könnte die Elimination dieser beiden gefährlichen Infektionskrankheiten auf ressourcensparende Art bis 2030 realisiert werden. Da zurzeit das Nachfolgeprogramm mit Expertinnen und Experten erarbeitet wird, ist es der ideale Zeitpunkt, dieses um virale Hepatitis zu erweitern und somit die Voraussetzung dafür zu schaffen, Hepatitis B und C zusammen mit HIV bis 2030 zu eliminieren.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Virale Hepatitiden sind in den nationalen Strategien Sucht sowie Impfungen und im bis 2021 laufenden Nationalen Programm HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (NPHS) erwähnt. Im zurzeit in Erarbeitung stehenden NPHS-Nachfolgeprogramm "Nationales Programm zur Überwachung, Verhütung und Bekämpfung sexuell übertragbarer Infektionen 2022-2030 (Naps)" sollen diese nun verstärkt berücksichtigt werden. Der Fokus soll wie bisher primär bei Risikogruppen liegen, zum Beispiel bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Die Gruppe der MSM macht rund einen Viertel der neuen Hepatitis-C-Infektionen aus. Obwohl Hepatitis C im engeren Sinn nicht zu den sexuell übertragbaren Krankheiten gezählt wird, soll daher künftig im Rahmen des Naps ein grösseres Gewicht auf die Bekämpfung von Hepatitis C bei MSM gelegt werden. Weiterhin im Fokus stehen zudem Massnahmen gegen Hepatitis C im Drogenbereich im Rahmen der Strategie Sucht. Nicht vorgesehen ist jedoch das Testen der Gesamtbevölkerung oder grosser Bevölkerungsgruppen auf Hepatitis C. Dies hätte angesichts der geringen Zahl Betroffener eine grosse Verunsicherung der Bevölkerung zur Folge. Der Bundesrat geht davon aus, dass mithilfe dieses koordinierten Ansatzes das Eliminationsziel der Weltgesundheitsorganisation hinsichtlich viraler Hepatitis erreicht werden kann.
Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.