Aktionsplan Klimawandel 2020-2025. Auswirkungen der Klimakrise auf einzelne Bevölkerungsgruppen, evidenzbasierte Massnahmen ergreifen
21.4221 · Postulat · 2021-09-30
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird gebeten, in einem Bericht darzulegen, ob und welche Bevölkerungsgruppen in der Schweiz stärker von den Folgen der Klimakrise und von Naturkatastrophen betroffen sind. Falls sich für einzelne Gruppen stärkere Betroffenheiten ergeben, zeigt er auf, mit welchen spezifischen Massnahmen die übermässige Betroffenheit gelindert werden kann.
Begründung
Im Bereich der Klimapolitik liegen internationale Untersuchungen vor, die verdeutlichen, dass die Folgen von Naturkatastrophen verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedlich stark belasten. Der Bericht der OECD aus dem Mai 2021 zeigt, dass Frauen auf der ganzen Welt unverhältnismässig stark vom Klimawandel, der Entwaldung, Wüstenbildung, zunehmender Wasserknappheit und unzureichender Abwasserentsorgung betroffen sind. Darüber hinaus gibt es Belege, dass Extremereignisse die Strukturen sozialer Ungleichheit zusätzlich verschärfen.
Dieser unverhältnismässig hohen Betroffenheit von Frauen steht die verhältnismässig kleinere Verantwortung in Bezug auf die Ursachen der globalen Erwärmung gegenüber. Es ist anzunehmen, dass aufgrund des geschlechtsspezifischen Vermögens- und Lohngefälles der CO2-Fussabdruck von Frauen kleiner ausfällt als jener der Männer.
Der Bericht der OECD kommt zu dem Schluss, "(...) dass eine geschlechtsspezifische Berücksichtigung in Bereichen wie Land-, Wasser-, Energie- und Verkehrsmanagement u. a. eine nachhaltigere und inklusivere wirtschaftliche Entwicklung und einen höheren Wohlstand für alle ermöglichen würde. In Anerkennung der vielfältigen Dimensionen und Wechselwirkungen zwischen Geschlechtergleichstellung und Umwelt wird ein integrierter politischer Rahmen vorgeschlagen, der sowohl inklusives Wachstum als auch Umweltbelange auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene berücksichtigt."
Für die Schweiz existiert keine vergleichbare Studie.
Im Sinne einer evidenzbasierten Politik - um effiziente und zielführende Massnahmen gegen die Belastung durch den Klimawandel zu ergreifen -, ist es notwendig, zu wissen, ob und welche Bevölkerungsgruppen wie unterschiedlich stark betroffen sind.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Von den Auswirkungen des Klimawandels sind verschiedene Bevölkerungsgruppen und Gebiete unterschiedlich stark betroffen. Auch die Anpassungsfähigkeit an die Auswirkungen des Klimawandels ist nicht gleich ausgeprägt. Der Bundesrat teilt die Haltung, dass die Umsetzung von Anpassungsmassnahmen diesem Umstand Rechnung tragen muss. Auf der Basis der Strategie "Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz", deren Umsetzung in den Aktionsplänen (aktuell der Aktionsplan für die Jahre 2020-2025) sowie den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen sollen die Anpassungsmassnahmen zukünftig spezifischer auf die vom Klimawandel stärker betroffenen Bevölkerungsgruppen und Gebiete ausgerichtet werden. Die Anliegen des Postulats sollen daher in die laufenden Arbeiten einfliessen und weiterhin mit den Kantonen abgestimmt werden. Sie sollen nicht in einem separaten Bericht behandelt werden.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.