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Resilienz des Schweizer Finanzplatzes gegenüber klima- und umweltbedingten Finanzrisiken stärken

22.4474 · Postulat · 2022-12-15

Finanzdepartement

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht aufzuzeigen, wie Schweizer Banken und Versicherer gegenüber klima- und umweltbedingten Finanzrisiken exponiert sind, wie sie aktuell damit umgehen und mit welchen unternehmerischen Vorkehrungen und regulatorischen Massnahmen (z.B. Liquiditätsanforderungen, Eigenmittelvorschriften) ihre Resilienz gegenüber solchen Risiken gestärkt werden könnte. Dabei ist der Blick sowohl auf die Finanzinstitute im Einzelnen als auch auf das Schweizer Finanzsystem als Ganzes zu richten.

Begründung

Als Folge des fortschreitenden Klimawandels und des zunehmenden Biodiversitätsverlusts nimmt das Bewusstsein für die Bedeutung klima- und umweltbedingter Finanzrisiken als Treiber bekannter Risikoarten (z.B. Kredit-, Markt-, Liquiditätsrisiken) weltweit zu. Wie eine kürzlich von der Europäischen Zentralbank bei EU-Banken durchgeführte Überprüfung ergab, unterschätzen Finanzinstitute allerdings immer noch häufig das Ausmass von klima- und umweltbedingten Finanzrisken und weisen zum Teil erhebliche Schwächen im Management solcher Risiken auf [1].

In der Schweiz hat die FINMA im Mai 2021 ihre Offenlegungsvorschriften zu Klimarisiken für die grössten von ihr beaufsichtigten Banken und Versicherungen konkretisiert. Im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts untersuchten die FINMA und die SNB zudem die klimabezogenen Transitionsrisiken der Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse. Was jedoch fehlt, ist eine systematische Auslegeordnung, wie Schweizer Banken und Versicherungen von klima- und umweltbedingten Finanzrisiken betroffen sind und wie sie gegenwärtig damit umgehen. Auch fehlt eine Analyse, mit welchen Vorkehrungen Schweizer Finanzinstitute ihre Resilienz gegenüber solchen Risiken stärken können, zum Beispiel durch die Integration von Klimarisiken ins Risikomanagement oder die Berücksichtigung von Klimarisiken bei der Kreditvergabe, und welche regulatorischen Massnahmen nötig sein könnten, zum Beispiel die Anpassung der Liquiditätsanforderungen oder der Eigenmittelvorschriften. Mit dem geforderten Bericht soll diese Lücke geschlossen werden.

[1] European Central Bank. Walking the talk: results of the 2022 thematic review on climate-related and environmental risks. November 2022

https://www.bankingsupervision.europa.eu/ecb/pub/pdf/ssm.thematicreviewcerreport112022~2eb322a79c.en.pdf

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat anerkennt, dass sowohl der Klimawandel wie auch der Verlust der Biodiversität relevante Risiken für die Stabilität von Finanzinstituten und das Schweizer Finanzsystem darstellen können. Im Wissen um die Wichtigkeit der Resilienz gegenüber finanziellen Klima- und Biodiversitätsrisiken beschreibt der Bericht des Bundesrates "Sustainable-Finance Schweiz - Handlungsfelder 2022-2025 für einen führenden nachhaltigen Finanzplatz" vom 16. Dezember 2022 die diesbezüglichen Arbeiten der FINMA und SNB.

Sowohl die FINMA als auch die SNB befassen sich im Rahmen ihres Mandates mit klimabezogenen Finanzrisiken. So integriert die FINMA klimabezogene Finanzrisiken in ihre Aufsichtstätigkeit und führt kontinuierlich den Dialog mit den grössten Beaufsichtigten darüber, wie sie die für ihr Institut sowie den Schweizer Finanzsektor relevanten klimabezogenen Finanzrisiken identifizieren, erfassen und verwalten. Bereits im Jahresbericht 2020 publizierte die FINMA eine qualitative Einschätzung zu den klimabezogenen Finanzrisiken für den Schweizer Finanzmarkt, welche auch mit den Instituten vertieft wurde. 2021 konkretisierte die FINMA zudem die Offenlegungspflichten im Bereich der Klimarisiken für grosse Banken und Versicherungsunternehmen, in Anlehnung an die TCFD-Empfehlungen (vgl. dazu auch die FINMA Aufsichtsmitteilung zur Offenlegung über Klimarisiken vom 29.11.22). Aktuell prüft die FINMA, inwiefern die Anforderungen an das Klimarisikomanagement von Beaufsichtigten konkretisiert werden müssten. Des Weiteren wird sich die FINMA entsprechend ihren strategischen Zielen bis 2024 künftig verstärkt mit weiteren Nachhaltigkeitsrisiken befassen, insbesondere auch mit Finanzrisiken in Zusammenhang mit dem Biodiversitätsverlust.

Die Analyse eines von der FINMA und der SNB durchgeführten Pilotprojektes zur Quantifizierung von klimabezogenen Transitionsrisiken bei den Grossbanken ermöglichte eine erste Schätzung der Transitionsrisiken. Die FINMA und die SNB befassen sich weiterhin mit quantitativen Ansätzen zur Messung von Klimarisiken und sind bestrebt, ihre bisherigen Methoden weiterzuentwickeln und zu verbessern (siehe FINMA, 'Jahresbericht 2021' und SNB 'Financial Stability Report 2022'). Ausserdem beschäftigt sich die FINMA auch auf Seite der Versicherer mit der Quantifizierung von Klimarisiken und analysierte im Rahmen von internationalen Arbeiten die Exposure von grösseren Versicherern gegenüber CO2-intensiveren Sektoren. Was die Messung von finanziellen Biodiversitätsrisiken anbelangt, bedarf es allerdings noch weiterer Grundlagenforschung.

Angesichts der Ausführungen im eingangs erwähnten Bericht des Bundesrates sowie der laufenden Arbeiten der FINMA und der SNB, erachtet es der Bundesrat zurzeit als nicht notwendig, einen weiteren Bericht über die Resilienz zu klima- und umweltbedingten Finanzrisiken vorzulegen.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

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