23.4264 · Interpellation · 2023-09-29
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Schlaf ist neben Bewegung und Ernährung eine der drei Säulen unserer Gesundheit. Im Alltäglichen Diskurs ist das Thema «Schlafstörungen» allgegenwärtig. Auch in medizinischen Kreisen wird man sich dessen Bedeutung und weitreichenden Folgen immer mehr bewusst. Im gesundheitspolitischen Umfeld dagegen liegt das Thema noch weit unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle. Dabei ist die Krankheitslast von Schlafstörungen hoch. Sie verursachen physische und psychische Folgekrankheiten, soziale Belastungen für das Umfeld der Betroffenen sowie Beeinträchtigungen im Berufsalltag. Chronische Insomnie bezeichnet häufige und anhaltende Schlafstörungen, welche zu Beeinträchtigungen im Alltag führen. Gemäss der aktuellen internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) wird chronische Insomnie als eigenständige Krankheit klassifiziert (7A00).
Laut eines im Jahr 2023 veröffentlichten Berichts des nicht gewinnorientierten Think Tank RAND leiden in der Schweiz rund 500.000 Personen im erwerbsfähigen Alter an chronischer Insomnie. Die individuellen aber auch gesellschaftlichen gesundheitlichen Folgen sind weitreichender, als gemeinhin angenommen wird. Sie sind in den letzten Jahren wissenschaftlich sehr gut untersucht worden. Langfristig wird Schlaflosigkeit u.a. mit psychiatrischen Störungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht.
In der NCD-Strategie sowie im dazugehörigen Massnahmenplan 2021 – 2024 findet das Thema Schlaf bzw. Schlafstörungen keine Erwähnung; auch nicht in der gesundheitspolitischen Gesamtschau «Gesundheit 2023».
Fragen:
Ist sich der Bundesrat der Bedeutung von chronischen Schlafstörungen und deren weitreichenden gesundheitlichen Folgen bewusst?
Was unternehmen Bundesrat und die entsprechenden Behörden, um dem Thema «Schlafstörungen» die notwendige Beachtung zu verleihen?
Könnte sich der Bundesrat vorstellen, mit öffentlichen Kampagnen die Bedeutung der Schlafqualität und -quantität für die Gesundheit hervorzuheben?
Wie lassen sich die Therapieoptionen für diese Erkrankung verbessern?
Aus welchen Gründen ist das Thema Schlafstörung in dem Massnahmenplan 2021 – 2024 zur NCD nicht berücksichtigt (Bewegung und Ernährung hingegen schon)?
Ist der Bundesrat gewillt, Schlafstörungen wie die chronische Insomnie in dem Massnahmenplan 2025 – 2028 zur NCD zu berücksichtigen?
Stellungnahme des Bundesrates
a. Der Bundesrat verfolgt die wissenschaftliche Diskussion zum Zusammenhang zwischen Schlaf und psychischer sowie physischer Gesundheit laufend. Eine aktuelle, vom Bund beauftragte Literaturübersicht zeigte, dass neben Stress und sozialer Isolation auch Schlafstörungen eine wichtige Rolle spielen bei der Entstehung von nichtübertragbaren Krankheiten (NCD) wie zum Beispiel psychischen Störungen, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen. b./c. Der Bund steht mit Gesundheitsförderung Schweiz und mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft zu diesem Thema im Austausch. Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz baut ihr Engagement in diesem Bereich aus und strebt die Gründung eines Netzwerks Schlaf an. Im Fokus dieses Netzwerks werden der Wissensaustausch sowie möglicherweise die Lancierung von Projekten mit den Partnern stehen. Zudem wird die seit dem Jahr 2018 von der Stiftung unterstützte Kampagne «SantéPsy» zur Förderung der psychischen Gesundheit in der lateinischen Schweiz bis Ende 2024 zusätzliche Massnahmen aufnehmen zum Thema «Schlaf». d. In der Schweiz sind verschiedene Angebote zur Behandlung der chronischen Schlaflosigkeit vorhanden, die auch von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) vergütet werden. Ein evidenzbasierter Ansatz zur Behandlung von Schlafstörungen ist die Psychotherapie. Die vom Bundesrat beschlossene Neuregelung der Vergütung der psychologischen Psychotherapie im Rahmen der OKP per 1. Juli 2022 beabsichtigt den Zugang zu einer qualifizierten psychotherapeutische Behandlung zu verbessern. Für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sind grundsätzlich die Kantone zuständig und die medizinisch-technologische Weiterentwicklung der Leistungsangebote ist Sache der Leistungserbringer. Verschiedene Spitäler bieten bereits heute spezielle Sprechstunden für Schlafstörungen an. e/f. Die Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD) bietet einen Orientierungsrahmen für die Prävention von Krankheiten durch die Beeinflussung von Risikofaktoren und Gesundheitsdeterminanten. Dazu gehören etwa Aktivitäten wie Bewegungsförderung oder Reduktion des Alkoholkonsums, welche effektive Massnahmen für die Verbesserung der Schlafqualität und die Reduktion von Ein- und Durchschlafproblemen darstellen. Im Umgang mit chronischen Erkrankungen wird im Handlungsfeld Prävention in der Gesundheitsversorgung das Selbstmanagement der Betroffenen gestärkt, etwa durch die Plattform SELF. Die NCD-Strategie zielt jedoch nicht darauf ab, Massnahmen zur Behandlung von spezifischen Krankheiten, wie die chronische Insomnie, festzulegen.