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24.3935 · Interpellation · 2024-09-23

Departement des Innern

Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor

Wortlaut

Einsamkeit und soziale Isolation sind für viele Menschen in unserem Land eine traurige Realität. Dieser Umstand wird von der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 reflektiert. Darin ist ein klarer, langfristiger Trend zum Anstieg des Einsamkeitsgefühls über breite Bevölkerungsschichten ersichtlich. Besonders betroffen sind junge und ältere Menschen, Frauen, und Personen mit Migrationshintergrund.

Die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft werden zunehmend sichtbar. Beispielsweise belasten durch Einsamkeit mitverursachte physische und psychische Erkrankungen die Sozialversicherungssysteme. Diese negativen Einwirkungen auf die mentale und körperliche Gesundheit senken aber auch die Arbeitsproduktivität und führen vermehrt zu Arbeitsausfällen und Frühverrentungen.

Die Thematik erregt zunehmend globale Aufmerksamkeit: die WHO hat 2023 eine Kommission für soziale Kontakte ins Leben gerufen, welche die Einrichtung einer zentralen Stelle zur staatlichen Koordination von Prävention und Bekämpfung von Einsamkeit und sozialer Isolation empfiehlt. Deutschland, Japan und das Vereinigte Königreich haben nationale Strategien oder Aktionspläne veröffentlicht und Plattformen zum Austausch der Stakeholder geschaffen.

Angesichts dieser Umstände bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Wie schätzt der Bundesrat die Entwicklung von Einsamkeit und sozialer Isolation in der Schweiz sowie deren Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft ein?

  2. Wie schätzt der Bundesrat den Nutzen der Entwicklung einer gesamtheitlichen Strategie zur Bekämpfung von Einsamkeit und sozialer Isolation ein?

  3. Wie gedenkt der Bundesrat, das öffentliche Bewusstsein für die Thematik zu fördern?

  4. Inwiefern beteiligt sich der Bund an Projekten im Zusammenhang mit der «Commission on Social Connection» der WHO?

  5. Pflegt der Bund einen Erfahrungsaustausch zur Einsamkeit mit aktiven internationalen Partnern wie Deutschland, Japan und dem Vereinigten Königreich?

Stellungnahme des Bundesrates

1. Der Bundesrat ist sich der Zunahme der Einsamkeit und der sozialen Isolation in der Bevölkerung – insbesondere bei jungen Menschen – und deren negativen Auswirkungen auf die Gesundheit bewusst. Im Jahr 2021 hat eine vom Bundesamt für Gesundheit beauftragte Literaturanalyse der Universität Freiburg gezeigt, dass soziale Isolation mit einem signifikanten Anstieg fast aller betrachteten nichtübertragbaren Krankheiten verbunden ist. Der nächste Nationale Gesundheitsbericht (NGB) des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan), der 2025 erscheinen wird, widmet sich der psychischen Gesundheit. Darin soll unter anderem beleuchtet werden, wie sich Einsamkeit längerfristig auf die psychische Gesundheit auswirken kann. Gleichzeitig kann Einsamkeit auch die Folge von psychischen Erkrankungen sein. 2./3. Der Bund trägt in verschiedenen Bereichen zur Förderung der sozialen Integration und der Eingliederung der Bevölkerung oder bestimmter Gruppen bei. So ist beispielsweise die psychische Gesundheit in den Massnahmenplänen der Nationalen Strategien Prävention nicht übertragbarer Krankheiten (NCD) und Sucht integriert (www.bag.admin.ch > Strategie & Politik > Nationale-Gesundheitsstrategien und Programme). Die Aktivitäten im Massnahmenplan dienen auch dazu, psychosozialen Risikofaktoren – wie Einsamkeit – vorzubeugen. Aufgrund der Empfehlungen des NGB 2025 werden weitere Massnahmen zu prüfen sein. Im Weiteren unterstützt der Bund finanziell Organisationen, die im Bereich der Altershilfe tätig sind und trägt damit zur Förderung der Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben bei. Ebenso fördert er die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben. Er unterstützt auch die ausserschulische Jugendarbeit und die Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Schliesslich fördert die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz mehrere Projekte zum Thema Einsamkeit im Rahmen des Aktionsplans «Gesundheitsförderung Jugendliche und junge Erwachsene» und der kantonalen Aktionsprogramme. 4./5. Die Schweiz ist nicht Mitglied der « Commission on Social Connection » der WHO, verfolgt aber als Mitgliedstaat deren Arbeiten. Was den bilateralen Austausch anbelangt, so tauscht sich die Schweiz regelmässig mit den in der Interpellation genannten Ländern über Themen der öffentlichen Gesundheit aus; doch hat sich bisher noch kein Austausch spezifisch mit dem Thema Einsamkeit befasst.