24.3997 · Interpellation · 2024-09-25
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Angesichts dieser Situation bitte ich den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:
Wo steht die Umsetzung des nationalen Krebsplans? Was sind die nächsten Schritte? Wann wird der neue Krebsplan verabschiedet?
Mit welchen konkreten Zahlen (Inzidenz und Prävalenz welcher Quelle) und Zielen wird in diesem Zusammenhang gearbeitet?
Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass die aktuellen kantonalen Krebs-Screening-Programme angesichts der Entwicklung der Prävalenz und Mortalität von Krebs in der Schweiz unzureichend sind?
Welche Rolle wird der Früherkennung durch organisierte Screeningprogramme im neuen nationalen Krebsplan zugerechnet?
Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass ein flächendeckendes, nationales Krebs-Screening-Programm, welches sich auf die meistverbreiteten Krebsarten fokussiert, ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung von Krebserkrankungen in der Schweiz darstellt? Wenn nicht, wie will er Krebserkrankungen besser vorbeugen?
Begründung
Die Schweiz verfügt seit dem Auslaufen der Nationalen Strategie gegen Krebs (NSK) 2020 über keinen von Bund und Kantonen gemeinsam getragenen Krebsplan mehr. Erst dieses Jahr haben beide Parlamentskammern mit der Annahme der Kommissionsmotion 23.3014 der Erarbeitung eines neuen nationalen Krebsplans zugestimmt.
Jedes Jahr sterben gemäss dem schweizerischen Krebsbericht 2021 mehr als 17'000 Personen an Krebs und es werden jährlich über 40'000 Neuerkrankungen diagnostiziert – Tendenz steigend. Präventive Massnahmen wie Screening-Programme sind ein einfaches und effizientes Mittel, um mögliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, die Heilungschancen zu erhöhen und das Gesundheitssystem zu entlasten.
Trotz der hohen Zahl von Krebserkrankungen existieren in der Schweiz zurzeit nur unterschiedliche kantonale Angebote, die sich auf zwei Krebsarten (Brust- und Darmkrebs) beschränken. Ein flächendeckendes, ganzheitliches nationales Krebs-Screening-Programm fehlt. Dies steht im Widerspruch zur Dringlichkeit des Themas und den Empfehlungen des nationalen Expertengremiums für Krebsfrüherkennung, welche seit 2021 bzw. 2022 ein Gebärmutterhals- und Lungenkrebs-Screening vorsehen. Auch die Europäische Union hat ihre Screening-Empfehlungen bereits auf Lungen-, Prostata- und Magenkrebs ausgeweitet.
Stellungnahme des Bundesrates
1. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Arbeiten am Nationalen Krebsplan gemeinsam mit Oncosuisse – der Dachorganisation der acht grossen Schweizer Krebsorganisationen – aufgenommen. Die Kantone und die weiteren betroffenen Akteure werden in die anstehenden Arbeiten ebenfalls einbezogen werden. Der Bundesrat wird den Nationalen Krebsplan voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 verabschieden. 2. Als Grundlage für die Daten zur Inzidenz und Prävalenz von Krebserkrankungen in der Schweiz dienen die vom Bundesamt für Statistik veröffentlichten Ergebnisse der Krebsregistrierung (www.bfs.admin.ch > Statistiken > Gesundheit > Gesundheitszustand > Krankheiten > Krebs). Die Ziele werden gemeinsam mit Oncosuisse auf der Basis ihrer in den letzten zwei Jahren erarbeiteten Grundlagen definiert.3./4. Die Thematik der Stärkung der Früherkennung von Krebserkrankungen wird eine der Fragen sein, die im Rahmen der Erarbeitung des Nationalen Krebsplans zu bearbeiten sind. Der Bundesrat kann die Ergebnisse der Arbeiten zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorwegnehmen. Die Qualitätssicherung der bestehenden Krebsfrüherkennungsprogramme in der Schweiz obliegt den Programmleitungen und deren Auftraggebern, den Kantonen. 5. Obschon Unterschiede zwischen den Kantonen bestehen können, verfügt der Bund über keine gesetzliche Grundlage, die den Aufbau und die Durchführung eines Nationalen Krebs-Screening-Programms ermöglichen würde. Zuständig für die Lancierung und die Durchführung von Krebs-Screening-Programmen sind somit die Kantone. Zudem muss für jede Krebsfrüherkennungsmassnahme sorgfältig geprüft werden, ob ein bevölkerungsbezogenes Screening-Programm ausreichend Nutzen bei gleichzeitig wenig Schaden, z.B. durch falsch-positive Befunde, generiert.