Werden die Mengen an PFAS, die durch Pestizide in die Umwelt geraten, systematisch unterschätzt? Schaffen wir Ordnung im Zahlensalat!
24.4142 · Interpellation · 2024-09-26
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
In der Antwort auf meine IP 24.3348 schreibt der Bundesrat, dass in der Schweiz 18 Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe, die in einer durchschnittlichen Gesamtsumme von jährlich ca. 28 Tonnen auf Feldern ausgebracht werden, PFAS enthalten sind. Zwischen 2020 und 2022 sei ein Anstieg der ausgebrachten Mengen an PFAS-haltigen Wirkstoffen um 16 Tonnen zu verzeichnen. Weiter antwortet er auf meine Frage 24.7730, dass in der Schweiz aktuell 108 Pflanzenschutzmittel (PSM) und 121 Parallelimportprodukte zugelassen sind, die mindestens einer dieser 18 PSM-Wirkstoffe enthalten.
Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:
1. Wie viele Kilogramm PFAS-haltige Pestizide werden von Privaten in der Schweiz jährlich eingesetzt? Wie viele Kilogramm PFAS-haltige Pestizide werden von beruflichen Anwenderinnen und Anwendern in der Schweiz jährlich eingesetzt?
2. Auf die Frage 24.7664 bezüglich den für die Privatanwendung zugelassenen PFAS-haltigen Pestiziden, antwortet der Bundesrat mit den Mengen an verkauften Produkten, während er auf meine IP 24.3348 mit den Mengen an verkauften Wirkstoffen antwortet. Sind diese Mengen vergleichbar? Wenn nein, bitte ich den Bundesrat, vergleichbare Zahlen nennen.
3. Wie hat sich die Verkaufsmenge von PFAS-haltigen PSM-Wirkstoffen in der Schweiz verändert, zwischen 2015 und 2020 bzw. zwischen 2020 und 2023 (absolut und relativ)? Was sind die Gründe dafür und wo stehen wir heute?
4. Der Bundesrat antwortet auf meine Frage 24.7730, in der Pflanzenschutzmittel-Verordnung werde «der Begriff Beistoffe für Stoffe verwendet, die den Pflanzenschutzmitteln hinzugefügt werden, aber nicht als Wirkstoffe gelten. Die Informationen über diese in Pflanzenschutzmitteln enthaltenen Zusatzstoffe könnten nur über eine aufwendige Recherche eruiert werden. Daher ist es nicht möglich, vorliegend die Anzahl der Pflanzenschutzmittel anzugeben, die als PFAS geltende Zusatzstoffe enthalten.» Es ist verständlich, dass im eine solche Recherche nicht kurzfristig für die Fragestunde erfolgen kann. Ich bitte entsprechend darum, diese Informationen hier im Rahmen der Interpellationsantwort zu geben.
5. Sind die tatsächlichen Mengen an "forever chemicals", die durch Pflanzenschutzmittel in die Umwelt ausgebracht werden, systematisch unterschätzt worden - oder sind sie sogar unbekannt?
Stellungnahme des Bundesrates
1. und 2. Anwendungsdaten von Pflanzenschutzmitteln werden weder für berufliche noch für nichtberufliche Anwender erfasst. Seit 2008 werden jedoch jährlich die Verkaufsmengen der Pflanzenschutzmittel erfasst und basierend auf den Wirkstoffgehalten die Menge der darin enthaltenen Wirkstoffe berechnet und publiziert. Wie in der mündlichen Antwort auf die Frage 24.7664 ausgeführt, wurden 2023 33,2 Tonnen Pflanzenschutzmittel, welche einen PFAS-haltigen Wirkstoff enthalten, für die nichtberufliche Verwendung verkauft. Basierend auf den Wirkstoffgehalten in diesen Produkten beträgt die berechnete Gesamtmenge an PFAS-haltigen Wirkstoffen rund 2 Kilogramm. Im Vergleich dazu wurden 2023 rund 170 Tonnen an PFAS-haltigen Pflanzenschutzmitteln für die berufliche Verwendung verkauft. Dies entspricht 35 Tonnen PFAS-haltiger Wirkstoffe. Produkte für die berufliche Verwendung werden in der Regel als Konzentrate mit deutlich höheren Gehalten an Wirkstoff verkauft als anwendungsfertige Produkte für die nichtberufliche Verwendung. 3. Zwischen 2015 und 2020 hat sich die verkaufte Menge von PFAS-haltigen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen um 10 Tonnen, resp. 30% verringert. Zwischen 2020 und 2023 hat die Menge von PFAS haltigen Pflanzenschutzmitteln um 9 Tonnen, resp. 34% zugenommen. 2023 wurden 35 Tonnen PFAS haltige PSM-Wirkstoffe verkauft. Die jährlichen Schwankungen können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. ein unterschiedlicher Bedarf an spezifischen Wirkstoffen aufgrund des Schädlingsdrucks oder bestimmter Witterungsbedingungen. 4. Derzeit sind neun Pflanzenschutzmittel zugelassen, die einen Beistoff enthalten, der als PFAS gilt. 5. Die mögliche Höchstmenge der durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in die Umwelt eingetragenen PFAS-Chemikalien lässt sich anhand der Verkaufszahlen seit 2008 berechnen. Da keine Anwendungszahlen vorliegen, können die tatsächlich ausgebrachten Mengen tiefer sein.