Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · 2010-09-27
Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2010-09-27
Wortprotokoll
Im Gegensatz zu meinem Vorredner unterstütze ich als Mutter von musizierenden Jungs die Initiative voll und ganz.
Seit vielen Jahren wird in diesem Land bemängelt, unsere Jugend sei schlecht, alle seien schlecht erzogen, gewalttätig usw. Unser Rat antwortet dann jeweils mit einer Verschärfung des Strafrechts. Kaum wird ein Delikt publik, hagelt es hier Vorstösse, die eine Erhöhung des Strafrahmens vorsehen. Doch das bringt unsere Gesellschaft nicht weiter. Was uns aber sehr wohl weiterbringt, das ist die vorliegende Initiative.
Die Musik ist tatsächlich und wahrhaftig von unschätzbarem Wert, auch für die Entwicklung von Kindern in einer Klasse beispielsweise. Man weiss - das ist wissenschaftlich belegt -, dass Klassen, die mehr Musikunterricht haben, automatisch besser funktionieren und dass die Kinder unter sich einen besseren Zusammenhalt haben. Das ist etwas, das effektiv wirkt. Als Sprachwissenschaftlerin weiss ich, dass Musik tatsächlich auch die Sprachkompetenz fördert. Die Liste der positiven Aspekte der Musik ist endlos. Dass nur 19 Prozent unserer Bevölkerung ein Instrument spielen und 16 Prozent regelmässig singen, ist ein katastrophales Resultat. Es beweist, dass Handlungsbedarf besteht. [PAGE 1506]
Wenn Sie die Vorgeschichte dieser Initiative etwas beleuchten, stellen Sie fest, dass aus unserem Rat schon seit Jahren Forderungen gestellt werden, die in die Richtung der Initiative gehen. In seinem Bericht vom Juni 2005 stellt der Bundesrat fest, dass Mängel im Musikbereich da seien. Doch was hat sich seither bewegt? Eigentlich nichts. Die Initiative ist nun die kritische Stimme unzähliger Menschen dieses Landes - mehr als 150 000 haben sie unterschrieben -, welche Handlungsbedarf anmelden. Sie tun dies auch deshalb, weil es mit Harmos bekanntlich etwas langsam und schleppend vorwärtsgeht.
Kritiker der vorliegenden Initiative sprechen von Kosten, die anfallen. Doch kaum jemand belegt den Nutzen der Musik, den sie auch aus wirtschaftlicher Sicht hat. Nicht nur Musiklehrer und Musiklehrerinnen oder Sänger und Sängerinnen gehören zur Musikwirtschaft, sondern auch der Tonträgerhandel, das Radio, Aufführungsbetriebe - es gibt eine endlose Liste -, alle gehören dazu. Diese Initiative wird auch die Musikwirtschaft fördern.
Musikschulen haben mancherorts mit grossen Problemen zu kämpfen, da sie bislang nur in den Kantonen Baselland und Luzern in die kantonale Bildungsgesetzgebung eingebunden sind. Wenn wir nichts unternehmen, dann wird das auch so bleiben. Deshalb ist es sehr wohl angebracht, dass der Bund ein entsprechendes Rahmengesetz für alle zur Verfügung stellt.
Ich anerkenne, dass es gewisse Bedenken bezüglich Ansiedlung der Forderung in der Verfassung gibt - aber dort hat es schon einen Sport- und auch einen Filmartikel! Und gerade weil dieser Sportartikel viel gebracht hat, bin ich überzeugt, dass ein Verfassungsartikel auch bei der Musik sehr viel bringen wird. Gerade weil der Sportartikel so viel gebracht hat, setzen wir uns an dieser Stelle voll und ganz für den Musikartikel ein; wir tun es, weil es für die Gesellschaft so viel bringt.
Der Gegenvorschlag, für den ich gewisse Sympathien habe, scheint mir doch die Sache sehr zu komplizieren. Ich plädiere dafür, dass man einfach die Initiative unterstützt und der Mehrheit zustimmt.