Riklin Kathy · Nationalrat · 2010-12-14
Riklin Kathy · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2010-12-14
Wortprotokoll
Die WBK beantragt Ihnen, der Teilnahme der Schweiz an der internationalen Forschungsinfrastrukturanlage European XFEL zuzustimmen. XFEL steht für "X-Ray Free-Electron Laser". Die europäische Freie-Elektronen-Röntgenlaseranlage ermöglicht Untersuchungen von naturwissenschaftlichen Phänomenen im Nano- bis Picometerbereich, d. h. in Bereichen von 10 hoch minus 9 bis 10 hoch minus 12 Metern. Mit dieser Forschungsinfrastruktur sollen Materialeigenschaften im atomaren Bereich, aber auch Aufbau und Abläufe im biochemischen Bereich beobachtet und analysiert werden. Wie der Staatssekretär für Bildung und Forschung, Mauro Dell'Ambrogio, uns erklärte, werden Wissenschaftsbereiche der Physik, der Chemie, der Biochemie, der Medizin, der Pharmakologie, der Material- und der Geowissenschaften, aber auch der Archäologie und der Kunstgeschichte diese Infrastruktur nutzen können.
Das Projekt European XFEL basiert auf einer internationalen Zusammenarbeit. Mit dem Bau dieser Anlage in Hamburg wurde bereits 2009 begonnen. Mit der Teilnahme an diesem Projekt führt die Schweiz ihre internationalen Forschungskooperationen im Hinblick auf eine Festigung und Stärkung des hiesigen Forschungs- und Innovationsstandorts fort.
Die europäische Anlage XFEL ist keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu Swiss FEL, der am Paul-Scherrer-Institut (PSI) geplanten Anlage. Zu Ihrer Information: Die Schweizer Anlage Swiss FEL soll 280 Millionen Franken kosten, wovon 100 Millionen Franken bereits zugesagt sind, und zwar 60 Millionen vom PSI, 10 Millionen von den ETH und 30 Millionen vom Kanton Aargau. Die Forschenden, auch die medizinische und pharmazeutische Industrie, werden hier einen grossen Teil ihrer Versuche durchführen können, denn die Forschungszeit am XFEL in Hamburg wird sehr beschränkt sein. Ausserdem wird die Schweiz durch ihre Beteiligung an European XFEL viel für den Bau von Swiss FEL profitieren können.
Der Ständerat hat dem Vorhaben bereits einstimmig zugestimmt. Der Beitrag der Schweiz in der Höhe von 15 Millionen Euro oder rund 26 Millionen Franken verpflichtet uns vorerst zu einer Teilnahme an der Phase 1. Beinahe die Hälfte des Projekts finanziert Deutschland, ein Viertel Russland. Neben der Schweiz werden auch China, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Schweden, die Slowakei, Spanien und Ungarn beteiligt sein. Über eine Teilnahme am Betrieb in Hamburg und damit an der wissenschaftlichen Nutzung der Anlage soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Die finanziellen Mittel zur Schweizer Teilnahme an European XFEL wurden mit der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2008-2011 bereits bewilligt.
Die WBK-NR genehmigte die Vorlage mit 21 Stimmen bei 1 Enthaltung und bittet Sie, der Schweizer Teilnahme an der internationalen Forschungsinfrastrukturanlage European XFEL zuzustimmen.