Jenny This · Ständerat · 2001-03-20
Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2001-03-20
Wortprotokoll
Als Gewerbler und Unternehmer bin ich mit der Kommission nicht einverstanden. Ich möchte Sie bitten, die Motion zu überweisen, wie das auch der Nationalrat mit gutem Grund - mit 133 zu 8 Stimmen - gemacht hat.
Die KMU brauchen nicht nur rein wissenschaftliche Mitarbeiter, sondern Techniker mit gutem wirtschaftlichem und betriebswirtschaftlichem Hintergrund, die die Probleme angehen und auch lösen - womit ich nicht gesagt haben will, dass diejenigen von der Hochschule das nicht machen. Dazu haben wir letztlich die Fachhochschulen geschaffen, und darin liegt auch deren Stärke. Nur die Berufslehre schafft die Voraussetzung dafür, dass diese praktischen Begabungen gefördert werden können. Um in die Fachhochschule eintreten zu können, müssen die Kandidaten mit abgeschlossener Berufslehre - ob sie nun drei oder vier Jahre lang eine Lehre gemacht haben - eine Aufnahmeprüfung bestehen, im Gegensatz zu Leuten mit Maturitätsabschluss. Deren Eintritt erfolgt, wenn sie ein Praktikum von nur einem Jahr nachweisen können, ohne technische Prüfung. Eine Schnupperlehre, das wissen Sie selber, kann niemals eine Lehre von drei oder vier Jahren ersetzen.
Wenn wir die Fachhochschulen für Gymnasiasten einfach öffnen, dann wird die Berufslehre abgewertet, und davor möchte ich warnen. Die Qualität der schweizerischen Fachhochschulen besteht im Unterschied zu jener von Fachhochschulen in Deutschland oder anderen Ländern gerade darin, dass die Leute ihren Beruf von der Pike auf gelernt haben und eine berufspraktische Ausbildung mitbringen. Das ist die hohe Qualität der schweizerischen Fachhochschulingenieure. Um richtig verstanden zu werden: Ich bin nicht dafür, dass die Maturanden nicht an die Fachhochschulen gehen können, aber sie sollen einer fachtechnischen Prüfung unterzogen werden, wie das auch bei den Lehrabgängern der Fall ist. Da wird ein Jahr Schnupperlehre - das wird man an der Prüfung feststellen müssen - nicht genügen.
Der Bundesrat gibt dem Motionär Recht, indem er in seiner Antwort schreibt, er teile die Auffassung des Motionärs, wonach der Wert des Fachhochschulabschlusses wesentlich von soliden beruflichen Kenntnissen abhänge. Der Praxisbezug ist gerade eines der wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale der Fachhochschulen gegenüber den universitären Hochschulen. Darum kann ich nicht verstehen, dass die Motion nicht überwiesen werden soll; der Schweizerische Gewerbeverband unterstützt diese Motion denn auch ausdrücklich und mit guten Gründen.
Natürlich gibt es zurzeit Fachhochschulen, welchen die Lehrabgänger fehlen. Ich kann Frau Beerli verstehen, dass sie den Zugang aufweichen und zusätzlich Leute in die Fachhochschulen bringen will. Weil man während den letzten Jahren in der Berufslehre zu wenig getan hat, will man nun die Leute aus den Gymnasien holen. Das ist und kann nicht der Sinne unseres Lehrstellenbeschlusses II sein, und es ist ebenfalls nicht im Sinn unserer KMU. Gleich lange Spiesse und keine Zweiklassengesellschaft werden gefordert, und dazu sind ein einjähriges Praktikum und eine Aufnahmeprüfung eben notwendig. Besser wäre sogar ein zweijähriges Praktikum.
Darum ist die Motion des Nationalrates zu überweisen; die Fachhochschule darf nicht zum Überlaufmodell der Hochschulen werden. Wenn wir die Motion überweisen, machen wir sicher nichts Falsches.
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