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Gutzwiller Felix · Ständerat · 2010-12-08

Gutzwiller Felix · Ständerat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2010-12-08

Wortprotokoll

Ich möchte hier noch diese Fixierung auf die Stundenzahl etwas infrage stellen und damit vielleicht auch die Diskussion etwas entkrampfen. Wir haben vorhin bei Artikel 1 Buchstabe b explizit gesagt, dass es um Sport- und Bewegungsförderung an den Schulen geht. Die Sportstunden sind selbstverständlich ein Teil eines ganzen Bewegungsmusters, aber eben nur ein Teil. Und die quantitative Frage ist ebenfalls nur ein Teil dessen, was eine "bewegte" Schule ausmacht.

Ich möchte anführen, dass das Harmos-Konkordat, das in Kraft getreten ist, Bewegung und Gesundheit zur Grundbildung an der obligatorischen Schule zählt. Ich zitiere die entsprechende Bestimmung: "Bewegung und Gesundheit: eine Bewegungs- und Gesundheitserziehung ausgerichtet auf die Entwicklung von motorischen Fähigkeiten und körperlicher Leistungsfähigkeit sowie auf die Förderung des physischen und psychischen Wohlbefindens."

Wie setzt das heute eine moderne Schule um? Das ist ja die Frage. Da möchte ich ein bisschen davor warnen, dass man sich nur an diesen drei Stunden festklammert, obwohl selbstverständlich die Quantität auch wichtig ist. Aber beispielsweise ist auch die Regelmässigkeit wichtig. Wenn Kollege Berberat sagt, man könne das annualisieren und das Kontingent mit ein paar Sporttagen erfüllen, so ist das nicht der richtige Ansatz, denn die Regelmässigkeit der Bewegung ist genauso wichtig.

Dann ist auch die Qualität ein Kriterium. Ich möchte darauf hinweisen: Eine Schule, die - neben den Freizeitaktivitäten - in einem modernen Sinne wirklich bewegt, und das aufgrund der Tatsachen, die der Kommissionspräsident schon geschildert hat, beginnt auf dem Schulweg. Dort haben selbstverständlich die Eltern die Kompetenz. Aber die Frage, wie mein Kind zur Schule geht, ist integraler Teil eines gesamten Konzeptes. Dann kommt die Schule. Das sind nicht nur die drei Stunden Sport, sondern das ist der schulische Alltag, das sind die Pausenaktivitäten, die schulischen Veranstaltungen, Sporttage, aber auch der freiwillige Schulsport, Schulreisen. All das kann unter der Optik Bewegungsmuster gesehen werden. Das sind selbstverständlich Aktivitäten, die zusätzlich zu den eigentlichen, klassischen Sport- und Turnstunden stattfinden. Auch in der Klasse gibt es beispielsweise den bewegten Unterricht. Auch dieser zählt nicht zu den klassischen Turnstunden. Es geht um die Aufnahme von Themen aus den Bereichen Bewegung, Ernährung usw. Dann kommt der Sportunterricht. Schliesslich gibt es noch die Nachwuchsförderung. Da sind auch die Rahmenbedingungen der Schule für beispielsweise Sportklassen oder Individuallösungen für besonders Begabte usw. fixiert. Das ist ein modernes Konzept, und das versuchen die EDK, die entsprechenden Sportbeauftragten und das Harmos-Konkordat umzusetzen.

Ich will Ihnen damit nur sagen, dass die absolute Fixierung auf die drei Stunden nur einen Teil des Ganzen trifft, denn die Grundfrage ist: Wie stellt sich heute eine bewegte Schule auf? Darum geht es eigentlich. Deshalb, so meine ich, muss man sich nicht an diesem Thema alleine festkrallen.

Ich darf nun zum Schluss noch unterstreichen, dass die Kommissionsmehrheit bei Absatz 3 ja einen neuen Satz hinzugefügt hat: "Bund und Kantone erheben die Daten zur Umsetzung periodisch gemeinsam." Dies heisst, man möchte, dass ein modernes Sport- und Bewegungskonzept in jedem Fall umgesetzt wird; man möchte aber in keinem Fall, dass beispielsweise unter dem Druck der Einführung neuer Fächer - Informatik oder andere - ein Abbau stattfindet. Das heisst, dass die Stundenzahl, vor allem aber die Qualität gemäss Konzept EDK umgesetzt werden soll. Es gibt dann ein Monitoring über Zahl und Qualität, welches sicherstellt, dass, sollte je eine Negativentwicklung stattfinden, Bund und Kantone dann reagieren können.

Unter diesen Vorgaben würde auch ich meinen, dass wir hier bei der Mehrheit bleiben können. Das Obligatorium ist dann in Verfassung und Gesetz. Hinsichtlich Ausgestaltung betone ich nochmals, dass es nicht nur eine quantitative Frage bzw. einzig und alleine eine Frage der Anzahl Stunden ist, sondern dass es auch eine qualitative Frage ist, und zwar hinsichtlich des gesamten Bewegungsmusters einer Schule, das weit über diese Stunden hinausgeht.

Aufgrund dieser Optik können wir der Mehrheit zustimmen.