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Bieri Peter · Ständerat · 2010-12-01

Bieri Peter · Ständerat · Zug · Christlichdemokratische Fraktion · 2010-12-01

Wortprotokoll

Ich habe meine Motion natürlich über das Wochenende vorbereitet, und die Begründung zur Ablehnung des Ordnungsantrages war dann eine Nachtübung von gestern auf heute. Ich könnte es eigentlich kurz machen. Am besten begegnet man dem politischen Kontrahenten, indem man ihn zitiert. Wenn ich im Internet die Seite des Bundes zum Nationalgestüt anklicke, kommt folgender Titel: "Das Schweizerische Nationalgestüt, ein in der Schweiz einzigartiges Kulturgut und Wissenspool!" Damit hätte ich eigentlich schon fast alles gesagt. Der Bund ist selbst davon überzeugt, dass das Nationalgestüt etwas Einzigartiges, ein Kulturgut und ein Wissenspool ist. Und mit dem Begriff "Nationalgestüt" ist auch gesagt, dass es der Nation gehören soll. So weit zur Ausgangslage.

Ich habe im Internet dann auch nachgelesen, was das Gestüt alles macht: Kompetenzzentrum für das Pferd, Unterstützung und Förderung der Freibergerrasse, Aus- und Weiterbildung sowie Forschung, dies in Zusammenarbeit mit den universitären Instituten, insbesondere der veterinärmedizinischen Klinik der Universität Bern. Dass das Gestüt ein Kulturgut ist, hat bereits mein Kollege Schwaller gesagt - auch bezüglich der historischen Aufgabe, die es in der Vergangenheit hatte, und der Bedeutung, welche es auch heute noch hat. Das Gestüt besitzt heute rund 60 vorzüglich selektionierte Zuchthengste, die im Verlaufe der Decksaison, das ist insbesondere im Spätwinter und im Frühjahr, landesweit verteilt werden, damit die entsprechenden Züchter für ihre zu deckenden Zuchtstuten Hengste von hoher Qualität zur Verfügung haben.

Ich habe mich ja in der Vorbereitung auch etwas als Tierzüchter betätigt. Nun hat der Präsident gebeten, ich möge mich kurzhalten. So will ich darauf verzichten, Ihnen eine Lektion über Tierzucht und Nutztiergenetik zu erteilen. Ich kann darauf hinweisen, dass es für die Erhaltung einer Rasse eine gewisse Populationsbreite braucht, damit eine Selektion stattfinden kann. Wird die Zuchtbasis zu gering, läuft man Gefahr, dass es zu Inzucht kommt. Das führt zu Inzuchtdepressionen und zu Leistungsreduktionen. Man läuft dann auch Gefahr, dass eine Rasse ausstirbt. Es gibt in der Schweiz ein klassisches Beispiel für eine ausgestorbene Nutztierrasse: Das Freiburger Schwarzfleckvieh ist ausgestorben, weil eine zu geringe Selektionsbasis bestand und es zu Inzucht kam. Mit der Zeit ging das genetische Material, wie man in der Tierzucht sagt, vollends verloren. Dieses genetische Material kann nicht mehr zurückgeholt werden.

Wir sind ja im Jahr der Biodiversität. Biodiversität heisst Artenvielfalt und eine ökologische Umgebung, die es der Fauna und Flora erlaubt, sich zu regenerieren und sich fortzupflanzen. Wenn wir nun gerade im Jahr der Biodiversität hingehen und die einzige Pferderasse, die typisch schweizerisch ist, von der bisherigen Unterstützung ausnehmen, dann ist das, denke ich, kein gutes Zeichen. Es widerspricht den Absichten, die wir landesweit und auch international bekunden.

Das Argument bezüglich der Angestellten, die in diesem Betrieb arbeiten, habe ich erwähnt. Ich möchte zusätzlich erwähnen, dass dort auch rund zehn Lehrlinge arbeiten, die dann allenfalls ihre Stelle verlieren würden. Es handelt sich dabei um Lehrstellenplätze für eher seltene Berufe wie Hufschmied, Sattler oder Wagner.

Ich habe davon gesprochen, dass der Bundesrat respektive die Verwaltung erfreulicherweise daran ist, eine neue Lösung zu finden, die einen Nettofinanzierungsbedarf von unter 5 Millionen Franken verursachen wird. Damit ist auch der Wille bekundet, Einsparungen zu erzielen und es nicht einfach in der bestehenden Form weiterlaufen zu lassen.

In dem Sinne habe ich mit dieser Motion formell vorgeschlagen, dass man in das Landwirtschaftsgesetz "Der Bund betreibt ein Gestüt" schreibt statt "Der Bund kann ein Gestüt betreiben". Damit wäre schon einmal - ich hoffe für lange Zeit - ein Pflock eingeschlagen, sodass wir nicht bei jeder Sparrunde eine solche "Gestütsdiskussion" führen müssen. Das schafft bei den Angestellten des Eidgenössischen Gestüts Zuversicht, und es gibt der Freiberger Pferdezucht eine Zukunftsperspektive. Diese weiss, dass sie auf ein verlässliches Hengstdepot zurückgreifen kann, bei welchem die männliche Selektionslinie weitergeführt werden kann.

In diesem Sinne möchte ich Sie bitten, meine Motion anzunehmen.

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