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Lang Josef · Nationalrat · 2011-02-28

Lang Josef · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2011-02-28

Wortprotokoll

Vor einer halben Stunde habe ich über Somalia gesprochen; jetzt geht es um Haiti. Somalia und Haiti gehören zu den am schwersten heimgesuchten Ländern unseres Planeten. Wir sind den Menschen dieser Hiobsnationen zu besonderer Solidarität verpflichtet. Das Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 bzw. die Folgen dieser Naturkatastrophe werfen ein Schlaglicht auf das schwere Erbe der Sklaverei, und sie illustrieren, wie verheerend die Folgen des unter militärischer Drohung zustandegekommenen Knebelvertrags mit Frankreich aus dem frühen 19. Jahrhundert bis heute sind. Die 90 Millionen Louisdor, die Haiti Frankreich bis vor wenigen Jahrzehnten entrichten musste, führten zur gänzlichen finanziellen Ausblutung dieses ohnehin armen Landes. Damit zahlt Haiti für den Mut, als erstes Land die Sklaverei abgeschafft zu haben, bis heute einen hohen Preis - unter anderem den Preis, die Folgen einer Naturkatastrophe nicht bewältigen zu können.

Auch die Schweiz hat einen historischen Anteil am haitianischen Elend, der im internationalen Vergleich allerdings eher bescheiden ist: Schweizer Truppenkontingente standen zur Aufrechterhaltung der Sklaverei im Einsatz, Schweizer Unternehmer besassen Plantagen und Sklaven auf Haiti, finanzierten Sklavenhandelexpeditionen nach Haiti mit, betrieben Handel mit Sklavereiprodukten und profitierten auch davon. Weil die Schweiz nicht unbeteiligt war, aber gleichzeitig ein eher marginaler Akteur war, ist sie besonders geeignet, die Initiative zur Wiedergutmachung des historischen und bis heute folgenschweren Unrechts zu ergreifen. Es kommt dazu, dass unser Land sowohl mit Haiti als auch mit den damaligen Kolonialherren und Sklavereinationen - zusätzlich zu Frankreich auch Grossbritannien, Spanien und Portugal - gute Beziehungen unterhält. Haiti hat nur dann eine Zukunft, hat nur dann die Kraft, die Folgen der Katastrophe zu überwinden, wenn die Anstrengungen zum Wiederaufbau mit einer Verarbeitung der Vergangenheit, einer gerechten Entschädigung und einer fairen Wiedergutmachung verbunden werden.

Stimmen Sie dieser Motion zu - aus Solidarität mit Haiti und aus Fairness in Anbetracht der Geschichte.