Gilli Yvonne · Nationalrat · 2011-03-03
Gilli Yvonne · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2011-03-03
Wortprotokoll
Eben gerade wegen des im Votum von Frau Huber Gesagten empfehlen Ihnen die Grünen, am nationalrätlichen Konzept festzuhalten. Es wäre uns auch lieber, wir müssten nicht in die föderalistischen Strukturen eingreifen, aber gerade im Bereich der Bewegungsförderung hat die Vergangenheit gezeigt, wie gross der Druck auf Turnstunden im Lektionenplan der Schulen ist, und zwar sowohl bereits in der Primarschule wie auch auf den Sekundarschulstufen I und II. Es ist wichtig, dass wir diesem Druck eben nicht nachgeben. Es darf nur schon deshalb nicht geschehen, weil unsere Kinder zunehmend an Bewegungsmangel leiden, dessen gesundheitliche Folgen Jahrzehnte später ihre Lebensqualität einschränken und uns beträchtliche volkswirtschaftliche Kosten verursachen werden. Es gilt auch für den Sport: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Für sich allein lösen drei Schulstunden Sport das Problem einer immer bewegungsärmeren Gesellschaft nicht, aber sie leisten einen wichtigen Beitrag in einer sensiblen Lebensphase. Die Kantone haben anerkannt, dass Sie drei Sportstunden wünschen. Und doch ist genau in denjenigen Kantonen, in denen der finanzielle Druck gross ist - dazu gehört auch mein Kanton, der Kanton St. Gallen -, in den letzten Jahren die Pflicht, drei Schulstunden zu gewährleisten, bzw. das Recht auf drei Turnstunden eben bereits wieder verwässert worden. Auf der Sekundarschulstufe II hat man sie beispielsweise verwässert, indem man die Jugendlichen nicht drei Stunden lang betreut, sondern erlaubt, dass sie eine Stunde im Fitnesscenter oder im Kraftraum verbringen. Wenn Sie wissen wollen, wie Jugendliche diese Möglichkeit nutzen, brauchen Sie nur mit ihnen zu sprechen. Auf der Sekundarschulstufe I hat man die Pflicht verwässert, indem man den Schulen die Freiheit gegeben hat, die Zahl der Turnstunden zu reduzieren und die dadurch wegfallende Bewegung in einer anderen, qualitativ absolut nicht festgelegten Form zu kompensieren, beispielsweise mit einem Sportlager, an dem dann nicht einmal alle Schülerinnen und Schüler teilnehmen.
Gerade heute schnürt der Kanton St. Gallen ein neues Sparpaket, unter dem auch das Bildungswesen leiden wird. Frau Huber hat nicht zufällig genau jene Fächer zuerst genannt, die zuerst leiden. Es sind nicht die eigentlichen Lernfächer, es sind die Sportfächer, die handwerklichen Fächer, die Musikfächer, die gestalterischen Fächer. Genau diese Fächer, das weiss heute auch die Wissenschaft, tragen bei Kindern und Jugendlichen wesentlich zur hirnorganischen Entwicklung und somit zur Steigerung der kognitiven Leistungen bei.
Ich empfehle Ihnen deshalb, an Ihrem Konzept festzuhalten.