Vischer Daniel · Nationalrat · 2011-03-17
Vischer Daniel · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2011-03-17
Wortprotokoll
Ich ersuche Sie, diese Initiative zu unterstützen. Es wurde bereits gesagt: Der tägliche Stress am Arbeitsplatz hat fraglos zugenommen. Ich kenne zum Beispiel die Situation bei flugverwandten Betrieben in Zürich. Durch die an sich sinnvolle Jahresarbeitzeit, durch [PAGE 488] andere Flexibilisierungsmassnahmen hat sich der Stress während der Arbeitszeit um einiges erhöht; das ist unbestritten. Damit einher ging in den letzten Jahren ohnehin eine recht weitgehende Deregulierung. Die Arbeitsverhältnisse haben sich heute im Vergleich zu - sagen wir - 1990 derart gewandelt, dass der Stressfaktor zu einem wesentlichen Element geworden ist.
Ferien sind neben der Arbeitszeitverkürzung und Pensionierung eine Errungenschaft, die allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gleichermassen zukommt und wahrscheinlich bei allen Alterskategorien am meisten favorisiert würde, müssten sie sich zwischen diesen drei Eckpfeilern der Arbeitswelt entscheiden. Ferien sind als Ergänzung zur Arbeit, die ja nicht für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den gleichen Grad von Selbstverwirklichung bietet - das sei doch trotz allem unterstrichen -, nicht nur eine Frage der Erholung, sondern ein wesentliches Element des Zusammenseins in der Familie. Der Ausbau der Ferienzeit ist immer auch Familienförderung. Der Ausbau der Ferienzeit ist aber auch ein Beitrag zur persönlichen Weiterbildung in kultureller Hinsicht oder in Sachen Wissenserwerb. Ist es nicht so, dass die Zukunftsgesellschaft, die wir anstreben müssten, eine Erfindergesellschaft ist? Ist es nicht so, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausserhalb der Ferien gar nicht die Möglichkeit haben, sich persönlich weiterzubilden, sich kulturell zu engagieren, Neues zu erforschen?
Es wird immer gesagt, eine Regelung im Gesetz sei falsch. Nur, diese Leier kennen wir. Ob es nun um eine Arbeitszeitverkürzung oder um die vorzeitige Pensionierung geht: Es geht um eine einheitliche Regelung. Es ist zudem nicht so, Herr Hany, dass die Betriebe, die am meisten Umsatz erzielen, die am produktivsten sind oder die meisten Überschüsse erzielen, unbedingt zu den Branchen mit den meisten Ferien gehören. Oft ist das Gegenteil wahr. In der Schweiz gibt es zudem ein Problem: Die Gleichen, die immer sagen, man solle alles über Gesamtarbeitsverträge regeln, sind die, die am meisten verhindern wollen, dass sich Gesamtarbeitsverträge flächendeckend ausbreiten. Ich bin durchaus der Meinung, dass man Arbeitsfragen über Gesamtarbeitsverträge lösen kann; aber dann müssen Sie zuerst einmal dafür sorgen, dass sich Gesamtarbeitsverträge tatsächlich in allen Branchen durchsetzen. Denn genau dies ist ja nicht der Fall; vor allem im Dienstleistungssektor und in der neuen IT-Branche ist das zum Beispiel nicht der Fall.
In diesem Sinn schafft erst eine gesetzliche Regelung überhaupt die Voraussetzung dafür, dass alle einheitlich und in einem vertretbaren Masse mehr Ferien erhalten.