Cavalli Franco · Nationalrat · 2001-05-09
Cavalli Franco · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-05-09
Wortprotokoll
Ich bin mit dem Wortlaut des Postulates nicht unbedingt ganz zufrieden, weil ich glaube, dass sich die Planung der Spitzenmedizin in der Schweiz nicht nur spezifisch auf die Universitäten beschränken kann. Trotzdem möchte ich aber alle Anwesenden dazu einladen, dieses Postulat zu überweisen, weil die Stossrichtung stimmt. Die Stossrichtung ist äusserst wichtig.
Ich möchte zuerst einmal daran erinnern, dass dieser Rat bereits eine Motion in diesem Sinne überwiesen hat: Wir haben die Motion Gysin Remo (96.3494) überwiesen, die den Bundesrat beauftragt, für die Spitzenmedizin in der Schweiz eine Planung zu erstellen. Diesbezüglich ist bis jetzt nichts passiert. Damals haben wir klar erkannt, dass die Zukunft der Spitzenmedizin sowohl bezüglich Effizienz wie auch bezüglich Kosten nur gesichert werden kann, wenn der Bund die Angelegenheit in die Hand nimmt.
Ich nehme noch einmal das Beispiel, das Kollege Guisan vorher erwähnt hat, als er richtigerweise von den Lebertransplantationszentren gesprochen hat: Das ist bezeichnend für das Durcheinander, das heutzutage in der Spitzenmedizin unseres Landes herrscht. Gerade der Direktor des Universitätsspitals, das heute bestreikt wird, hat mir bei einer Podiumsdiskussion gesagt, dass er sich weigern und es nicht zulassen würde, dass in seinem Universitätsspital Lebern entnommen würden, die in Genf oder in Zürich transplantiert werden, wenn nur noch dort Lebern transplantiert werden dürften. In jedem vernünftigen Land würde man das aber so machen. Das ist die Mentalität, die heute in den Spitzenzentren der Schweiz vorherrscht, und einer der Hauptgründe, warum wir die Gesundheitskosten nicht unter Kontrolle halten können.
In diesem Sinne glaube ich, dass das Postulat in die richtige Richtung geht. Wie damals, als wir die Motion Gysin Remo (96.3494) überwiesen haben, müssen wir auch hier sehen, dass wir heute mit dem Kantönligeist nicht weiterkommen. Wir kommen nicht weiter wegen der Kosten, und wir kommen nicht weiter wegen der Effizienz; das gilt für die Spitzenmedizin wie auch für die Universitäten im Allgemeinen. Es ist eine fromme Illusion zu glauben, dass die "Hochschule Schweiz" möglich sein wird, indem wir die [PAGE 491] Unabhängigkeit der Kantone noch erweitern. Unsere Universitäten werden international nicht mehr mithalten können, wenn wir weiterhin mit diesem dummen Kantönligeist weitermachen. Also: Wenn wir die Kosten im Gesundheitswesen unter Kontrolle halten können und in diesem Sektor eine erhöhte Effizienz haben wollen, müssen wir, wie der Postulant es verlangt, in diese Richtung gehen.
In diesem Sinne bin auch ich von der Stellungnahme des Bundesrates ziemlich enttäuscht.