Rytz Regula · Nationalrat · 2012-11-28
Rytz Regula · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2012-11-28
Wortprotokoll
Vor rund zwei Wochen hat hier im Nationalratssaal die Jugendsession stattgefunden. Zweihundert Jugendliche haben über die Zukunft der AHV, eine Welt ohne Atomkraftwerke und die bessere Kontrolle von multinationalen Unternehmungen bezüglich der Arbeits- und Menschenrechte diskutiert. Die Jugendlichen haben gezeigt, dass sie für unsere Gesellschaft Verantwortung übernehmen wollen. Sie machen das nicht nur von unseren weich gepolsterten Parlamentssesseln aus, sondern tagtäglich in den Schülerräten, in den Studierendenorganisationen, in der Pfadibewegung, im Jugend- und Kulturaustausch, in der Landjugendvereinigung, im WWF, bei der Gewerkschaftsjugend oder in einer kirchlichen Gruppe.
Jugendarbeit ist heute vor allem Freiwilligenarbeit, sehr qualifizierende Freiwilligenarbeit. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Politik haben an Samstagnachmittagen in der Pfadi erste Praxiserfahrungen in Bereichen wie Planung, Strategie, Mittelbeschaffung oder Kommunikation machen können. Allerdings brauchen auch die besten Freiwilligenstrukturen eine professionelle Koordination und die nötigen Betriebsmittel für ein Clubhaus, ein Zeitungsprojekt oder ein Sommerlager. Eine breite Allianz aus Kinder- und Jugendorganisationen fordert deshalb eine Aufstockung der Beiträge für die Kinder- und Jugendförderung.
Die Grünen unterstützen dieses Anliegen. Die Aufstockung um 2,3 Millionen Franken ist eine gute Investition und bildet eine materielle Basis zur Umsetzung des neuen Kinder- und Jugendförderungsgesetzes. Dieses tritt am 1. Januar 2013 in Kraft und soll noch mehr Kinder- und Jugendaktivitäten umfassen als bisher. Das ist natürlich sehr erfreulich, hat aber auch eine Kehrseite. Denn gerade weil die Kinder- und Jugendförderung so stark boomt, sind die eingesetzten Mittel ungenügend. Erfolgreiche nationale Anlässe wie die Jugendsession oder die Kinderkonferenz müssen heute professionell organisiert und beworben werden. Wer Kindern und Jugendlichen eine Alternative zu TV und Facebook bieten und ihre Eigeninitiative fördern will, muss einiges bieten können.
Die Aufstockung des Budgets um 2,3 Millionen Franken ist gemessen an einem Haushalt von 64 Milliarden Franken bescheiden. Die grüne Fraktion bittet den Rat, den Antrag der Minderheit Gysi zu unterstützen und diese wichtige Investition in die Zukunft unserer Demokratie hier vorwärtszubringen.