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Müller-Hemmi Vreni · Nationalrat · 2001-06-19

Müller-Hemmi Vreni · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-06-19

Wortprotokoll

Am 12. Juli findet in Zürich auf dem Bürkliplatz ein Benefizkonzert zugunsten eines Friedensprojektes in der Gemeinde Vushtrri in Kosovo statt. Veranstalter sind junge, politisch aktive Leute, die sich in einem Verein organisiert haben, die sich für die Anliegen von Minderheiten, für eine solidarische Asyl- und Flüchtlingspolitik einsetzen. Dazu gehört auch das Friedensjugendprojekt in Vushtrri unter dem Kürzel "Kids". Vushtrri liegt zwischen der Hauptstadt Prishtina und der geteilten Stadt Mitrovica. Die Kleinstadt zählt gemäss internationalen Untersuchungen zu den Orten mit den schlimmsten Kriegsschäden. Zerstört wurden nicht nur Häuser, sondern vor allem gesellschaftliche Zusammenhänge, Familien, Menschen.

Seit Mitte April dieses Jahres läuft in Vushtrri das Freiwilligenprojekt von Service Civil International und der GSoA. Ziel ist, der kriegsversehrten Bevölkerung in Vushtrri zu helfen, einen Weg aus der Traumatisierung in die gesellschaftliche Normalität zu finden. Im Rahmen der Projektarbeit wird ein Begegnungsort für Kinder und Jugendliche geschaffen, um so auch allein erziehende Mütter zu entlasten. Bis heute gibt es in Vushtrri nichts dergleichen. Dieses Projekt gibt Schweizerinnen und Schweizern die Möglichkeit, mit ihrem freiwilligen und zivilen Engagement einen konkreten Beitrag zu gesellschaftlichem Wiederaufbau und Frieden zu leisten. Aktuell haben sich drei Freiwillige für vier Monate verpflichtet; das nächste Team steht bereit.

Service Civil International ist als internationale Friedensorganisation für die Realisierung verantwortlich, die GSoA beteiligt sich, verschiedene Hilfswerke und Organisationen der Interessengemeinschaft Ziviler Friedensdienst unterstützen das Projekt finanziell. Auch die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände ist mit einem Projektbeitrag dabei.

Ich kenne aus meinem Balkan-Engagement inzwischen viele junge und ältere Schweizerinnen und Schweizer, die freiwillig einen professionellen zivilen Einsatz im Rahmen eines Friedenswiederaufbau-Projektes leisten oder leisteten. "Kids", das Projekt in Vushtrri, ist ein Beispiel dafür. Dass nächstens via Benefizkonzert an bester Lage in Zürich dafür sensibilisiert und Geld gesammelt wird, beweist: In unserem Land ist dafür speziell ein Potenzial bei jüngeren Leuten vorhanden.

Deswegen frage ich: Was kann der Schweiz, die sich unter dem Titel "Aktiv sein und Flagge zeigen" für eine profilierte Friedenspolitik stark macht, Besseres passieren, als junge Menschen parat zu haben, die diesen Slogan konkret in die Tat umsetzen wollen? Was gibt es Besseres für die Schweiz, als dieses Potenzial durch Förderung und Aufbau eines zivilen Friedensdienstes gezielter zu nutzen und zu erweitern? Was gibt es für einen besseren initiativen Schritt für die humanitäre Schweiz, als sich mit einem institutionalisierten zivilen Friedensdienst in das entstehende europäische Netzwerk einzuklinken?

Sowohl auf Länderebene wie in der EU-Kommission und im Europarat wird das Projekt ziviler Friedensdienst heute als ein konkretes Instrument von Konfliktprävention und zivilen Massnahmen ernsthaft angegangen, so zum Beispiel in Deutschland, wo dieser zivile Friedensdienst heute Teil des Regierungsprogramms ist, wo Landeskirchen und Hilfswerke zur Ausgestaltung und Umsetzung wesentlich beigetragen haben und wo in den letzten beiden Jahren gegen 300 Friedensfachkräfte für internationale Einsätze ausgebildet worden sind.

Herr Bundesrat Schmid: Schweizerische Friedensarbeit, schweizerisches Aktivsein und Flagge-Zeigen stützen sich auf verschiedene Säulen. Gerade deshalb, weil ich am 10. Juni überzeugt Ja zur Beteiligung bewaffneter Schweizer Truppen an friedensunterstützenden Einsätzen gesagt habe, und gerade auch, weil ich mich stark für ein Ja zum Uno-Beitritt engagieren werde, will ich, dass die eigenen zivilen, schweizerischen Friedensinstrumente durch einen staatlich geförderten zivilen Friedensdienst ergänzt werden.

Deshalb sage ich jetzt auch überzeugt Ja zur Initiative "Solidarität schafft Sicherheit: für einen freiwilligen zivilen Friedensdienst".

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