Walter Hansjörg · Nationalrat · 2012-02-27
Walter Hansjörg · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2012-02-27
Wortprotokoll
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich begrüsse Sie zur Frühjahrssession und erkläre die Session als eröffnet. Leider müssen wir sie mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Nationalratspräsidenten Hans Wyer, der am 30. Januar im Alter von 85 Jahren verstorben ist.
Hans Wyer wurde 1967 auf der Liste der Christlichsozialen Volkspartei Oberwallis in den Nationalrat gewählt, dem er während zehn Jahren angehörte. Seine politische Karriere begann er in Visp, wo der Jurist und Anwalt von 1961 bis 1976 als Gemeindepräsident wirkte. In dieser Zeit war er auch Mitglied des Walliser Grossen Rates. Von 1973 bis 1984 präsidierte Hans Wyer die CVP Schweiz.
In seiner Zeit als Nationalrat engagierte sich Hans Wyer in über fünfzig ständigen und Ad-hoc-Kommissionen, darunter die Finanzkommission, die PTT-Kommission und die Kommission zur Beratung der 8. AHV-Revision.
In der Wintersession 1976 wurde er zum Nationalratspräsidenten gewählt. Während zweier Sessionen übte er dieses Amt souverän und umsichtig aus. Im Frühling 1977 wählten ihn die Walliserinnen und Walliser in die Kantonsregierung, weshalb er wegen der streng ausgelegten kantonalen Unvereinbarkeitsregelung ohne Verzug auf das Nationalratsmandat und -präsidium verzichten musste. Seine Nachfolgerin für den Rest des Jahres 1977 als Nationalratspräsidentin war Frau Elisabeth Blunschy. Sie war die erste Frau in diesem Amt.
Hans Wyer betonte in seiner Eröffnungsrede als Nationalratspräsident die wichtige Rolle der Bundesversammlung als oberster Behörde in unserem politischen System. Gerade in wirtschaftlich schwierigen und hektischen Zeiten sei die Versuchung gross, zum Dringlichkeits- und Vollmachtenrecht zu greifen. Dies führe zu einem Exekutivstaat und verschiebe die Gewichte zwischen den Gewalten. Das Parlament müsse jedoch die Aufgabe einer sorgfältigen Gesetzgebung und der Kontrolle von Regierung und Verwaltung wahrnehmen. Seine Kolleginnen und Kollegen ermahnte er: "Mit disziplinierter Arbeit in den Kommissionen und im Plenum, mit gegenseitigem Zuhören und Verstehen, in Einfachheit und Bescheidenheit - Grundtugenden unserer demokratischen Lebensart - wollen wir unsere Pflicht erfüllen." Hans Wyer wird von Weggefährten als aussergewöhnliche und starke Persönlichkeit beschrieben. Er galt durchaus als machtbewusst, wobei Macht für ihn nicht Selbstzweck war, sondern eine Möglichkeit zur Gestaltung. Hans Wyer war dem christlichsozialen Gedankengut verpflichtet. Er setzte sich für einen finanziell gesunden und starken Staat ein, der in der Lage ist, seine Aufgaben zu erfüllen. Im Nationalrat wurde Hans Wyer geschätzt für seine Kollegialität, für seine Tüchtigkeit und seine vermittelnde Art. Er war ein solider Schaffer mit einem Gespür für das politisch Machbare.
Hans Wyer blieb auch nach seiner 16-jährigen Amtstätigkeit als Walliser Staatsrat aktiv, körperlich als Wanderer und Bergsteiger und geistig, indem er sich zum Fachmann für Wasserkraft weiterbildete. Nach mehrjähriger beharrlicher Arbeit legte er im Jahre 2000 als 73-Jähriger seine juristische Doktorarbeit zum Thema Wasserkraftnutzung vor und verfasste zwei Jahre später das Standardwerk "Die Nutzung der Wasserkraft im Alpenraum".
Wir werden Hans Wyer als integren und hochgeachteten Menschen und Politiker in Erinnerung behalten. Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie von Herzen mein tiefstes Beileid aussprechen.
Ich bitte die Ratsmitglieder und die Besucher auf den Tribünen, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.
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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen
L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt
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