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preparatory:AB 130802

Gmür Alois · Nationalrat · Schwyz · Fraktion CVP-EVP · 2013-04-17

Wortprotokoll

Wenn Sie jetzt, nachdem der Schnee geschmolzen ist, auf dem Land, entlang von Wiesen, oder in der Stadt, entlang von Rabatten, spazieren, sehen Sie neben viel Unrat vor allem auch Aluminium-Getränkedosen, PET-Flaschen und Glasflaschen herumliegen. Wenn Sie am Abend durch die Stadt Bern gehen, sehen Sie solche Getränkebehältnisse unter den Lauben, in Hausecken, auf Simsen, auf dem Bahnhofplatz, in Pärken - einfach überall! Es gibt sogar Leute, die Getränkebüchsen und -flaschen zum Autofenster hinauswerfen. Diese Unordnung ist widerlich [PAGE 692] und regt mich auf. Littering ist in der Stadt und auf dem Land ein Problem.

Es kommt dazu, dass die auf Wiesen herumliegenden Aluminiumdosen, PET- und Glasflaschen beim Grasen oder Heuen zerschnitten und zerbrochen werden und über das Futter in die Mägen der Tiere gelangen und diese innerlich verletzen. Bei Aluminiumdosen und Glasscherben nützen auch Magnete, die Bauern den Kühen eingeben, nichts. Sehr oft führen solche Fremdkörper zur Verendung von Tieren oder zu hohen Kosten für die Operation und dementsprechenden Schmerzen für das betroffene Tier.

Ich bin aber nicht Bauer, sondern Brauer. In unserer Familienbrauerei füllen wir Bier in PET-Flaschen ab; wir verkaufen auch Dosen und neben Mehrwegflaschen mit Pfand auch Einwegflaschen ohne Pfand. Der Verkauf von Wegwerf- respektive Einweggebinden hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Wurden vor zehn Jahren in der Schweiz Getränke in 2600 Tonnen Aludosen verkauft, hat sich der Verbrauch bis heute mit 8800 Tonnen Aludosen mehr als verdreifacht. Bei den PET-Flaschen ist die Entwicklung ähnlich: Vor zehn Jahren waren es 32 000 Tonnen PET, 2011 hingegen 47 000 Tonnen.

Die Nutzung dieses Einweggebindes nimmt laufend zu. Es ist für die Konsumenten wertlos und wird deshalb von vielen einfach überall weggeworfen, liegengelassen oder irgendwo hingestellt. 110 000 Aludosen und 700 000 PET-Flaschen werden in der Schweiz pro Tag irgendwo liegengelassen.

Verpackungsindustrie, Abfüller und Grossverteiler kommt es natürlich günstiger, wenn das Leergebinde nicht wieder zurückgenommen werden muss, sondern dies von der Öffentlichkeit erledigt wird. In der heutigen Zeit sollte vor allem Abfall vermieden werden. Die Getränkebranche wäre wie keine andere Branche prädestiniert dazu, indem sie Glas- und PET-Flaschen zurücknimmt, diese wäscht und wiederverwendet.

Eine Flasche - ob es jetzt um ein Einweg- oder um ein Mehrweggebinde geht - kann gemäss einer Studie 42-mal wiederverwendet werden. Die vorhandenen Strukturen für das Wiederverwenden der Flaschen werden aber je länger, je mehr abgebaut. Verpackungsindustrie, Abfüller, Grossverteiler und Recycler machen das Geschäft mit immer mehr Abfall. Die Wegwerfmentalität wird von dieser Industrie regelrecht gefördert. Dass sich diese Kreise so stark gegen das Pflichtpfand wehren - das haben Sie alle wahrscheinlich selber mitbekommen -, hat seine Gründe.

Ich bin überzeugt, dass mit der Einführung des Pflichtpfands die Mehrwegflasche an Bedeutung gewinnt. Damit wird Abfall vermieden und werden Ressourcen geschont. Ich bin weiter überzeugt, dass mit der Einführung des Pflichtpfands weniger Dosen, PET- und Glasflaschen weggeworfen werden. Falls dies doch gemacht wird, wird es Leute geben, die diese Gebinde aufnehmen, zurückgeben und mit der Rückgabe des Pfands belohnt werden.

In Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland ist das Pflichtpfand erfolgreich eingeführt worden. An grossen Anlässen funktioniert dieses System problemlos und wirkt sich positiv auf den Abfall aus. Natürlich sind wir Schweizer Weltmeister im Abfalltrennen und -sammeln. Trotzdem nimmt die Vermüllung der Natur immer mehr zu. Mit der Einführung des Pflichtpfands kann effizient und kostengünstig etwas dagegen unternommen werden. Es kann mit dem bisherigen Sammelsystem koexistieren. Dieses wird nicht infrage gestellt. Das Pflichtpfand ist keine neue Gebühr, ist keine neue Steuer, sondern es ist eine Belohnung für diejenigen, denen Ordnung und Sauberkeit in unserem Land etwas wert sind.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.