Lexipedia

Ritter Markus · Nationalrat · 2012-03-13

Ritter Markus · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion CVP-EVP · 2012-03-13

Wortprotokoll

Im Namen der Minderheit bitte ich Sie, die Motion Büttiker 11.3066, "Nachhaltige Milchproduktion", abzulehnen. Ich begründe dies wie folgt: In dieser Motion werden verschiedene Anliegen vermischt, die es gesondert zu betrachten gilt.

Der Ständerat geht davon aus, dass heute sehr viel Kraftfutter für die Milchproduktion verfüttert wird. Diese Annahme hält einer näheren Betrachtung in keiner Weise stand. Während in der Schweiz heute je Kuh und Jahr etwa 640 bis 710 Kilo Kraftfutter eingesetzt werden, sind es in Ländern der EU, wie beispielsweise in Holland, 2000 bis 2500 Kilo Kraftfutter je Kuh und Jahr. Von einer "Hollandisierung" der Fütterung der Schweizer Milchkühe zu sprechen, wie dies im Ständerat geschehen ist, ist sachlich falsch. Die Fütterung der Milchkühe in der Schweiz ist heute sehr stark raufutterorientiert. Aus diesem Blickwinkel rennt die angestrengte neue, zusätzliche Förderung offene Türen ein.

Um das Bedürfnis der Konsumenten nach Produkten aus einer noch stärker raufutterorientierten Fütterung zu befriedigen, sind bereits bei Milch und Fleisch entsprechende Markenprogramme lanciert worden. Die entsprechenden Produkte wurden bislang vom Markt mit einer entsprechenden Prämie für den Produzenten gut aufgenommen. Die Lancierung eines zusätzlichen staatlichen Programms würde die [PAGE 388] Höhe der Marktprämie gefährden. Deshalb ist die Motion auch aus diesem Blickwinkel nicht zielführend. Für die Produzenten kann sie sogar kontraproduktiv sein und zu tieferen Gesamterlösen führen.

Die importierte Menge an Kraftfutter hat in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren tatsächlich deutlich zugenommen. Es wird aber beim Milchvieh nicht mehr Kraftfutter verfüttert, es ist sogar eine Abnahme festzustellen. Ein Grund liegt im Verbot der Verfütterung tierischer Nebenprodukte. Das somit wegfallende Eiweiss wird mit Soja kompensiert. Neu ist auch die Verfütterung von Speiseresten verboten. Ebenfalls hat die Ausdehnung der Ökoflächen zu einer etwas tieferen Gesamtproduktion geführt. Zudem gehen jährlich über 2000 Hektaren bestes Kulturland durch die Bautätigkeit verloren. Mit der deutlichen Ausdehnung der Kunstwiesenflächen zulasten der Futtergetreideproduktion kam eine zusätzliche Verschiebung zugunsten des Importes von Kraftfutter dazu. Gesamthaft kann festgehalten werden, dass die Fläche, auf der Raufutter produziert wird, in den letzten Jahren sogar zugenommen hat. Auch aus diesem Grund macht die Motion keinen Sinn.

Mit der neuen Direktzahlung für graslandbasierte Fütterung ist auf den Betrieben, die diese Beiträge auslösen wollen, ein zusätzlicher administrativer Aufwand notwendig. Ebenfalls muss die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert und dokumentiert werden. Der Aufwand an Bürokratie nimmt nochmals auf allen Stufen zu. Es ist ein Anliegen dieses Parlamentes, dass der Aufwand an Bürokratie nicht zunimmt, sondern gesenkt wird. Mit dieser Motion passiert aber genau das Gegenteil. Lassen wir deshalb in der Förderung der graslandbasierten Fütterung den Wettbewerb spielen. Programme für Milch und Fleisch sind bereits erfolgreich lanciert worden. Die Motion des Ständerates für eine nachhaltige Milchproduktion ist deshalb unnötig und bringt nur zusätzlichen administrativen Aufwand auf allen Stufen.

Ich bitte Sie daher, die Minderheit zu unterstützen und die Motion "Nachhaltige Milchproduktion" abzulehnen.