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Estermann Yvette · Nationalrat · 2009-09-25

Estermann Yvette · Nationalrat · Luzern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2009-09-25

Wortprotokoll

Normalerweise stehen wir hier am Pult und kämpfen, meistens links gegen rechts, für ein politisches Anliegen. Heute stehe ich hier und kämpfe darum, dass wir viermal im Jahr hier im Saal zusammen unsere wunderschöne Landeshymne singen. Viele fragen sich: Ist das angebracht, ist das richtig? Ich sage: Die Landeshymne ist ein nationales Symbol, wie die Fahnen, die überall über unseren Städten wehen und die auch hier im Saal vorhanden sind.

Die Idee der Motion ist, dass am Anfang der Session, jeweils am ersten Montag, die Hymne erklingt und dass diejenigen, die mitsingen wollen, sich erheben und mitsingen, jeweils in einer Landessprache. Wir haben vier Landessprachen in der Schweiz, und es ist super, wenn wir diese Sprachenvielfalt auch hier leben können. Die Idee ist nicht ganz so neu, wie Sie möglicherweise denken. Schon 2003 hat der damalige Nationalratspräsident Max Binder die Hymne erklingen lassen. Es wäre eine Supersache, wenn wir das fortsetzen würden.

Ziemlich betrübt war ich wegen der Antwort des Büros, das muss ich sagen. Viele besorgte Bürgerinnen und Bürger haben mich angerufen und haben gezeigt, dass mit dieser Antwort auch ihre Gefühle - so, wie leider auch meine - verletzt worden sind. Man hat verzweifelt nach Argumenten gesucht, warum man dieses Anliegen nicht unterstützen könne. Kosten entstehen keine. Es braucht nur unser Engagement und unsere Stimme, und vielleicht müssen wir halt am Anfang einen Zettel in der Hand halten und ablesen, vor allem wenn die Sprache nicht die Muttersprache ist.

Ich möchte Ihnen noch einmal darlegen, warum Sie mir heute zustimmen sollten. Wenn ich mit jungen Leuten spreche, dann ist das ganz anders, dann ist die Begeisterung für die Landeshymne viel grösser, und sie sagen immer: "Weisst du, ihr Politikerinnen und Politiker seid auch unsere Vorbilder, ob ihr das wollt oder nicht. Es ist nur schön, wenn ihr uns auch vorlebt, was richtig ist, was anständig ist, was die Gemeinsamkeiten auch hier im Saal und überhaupt im Land sind." Wir haben vier Sprachen, wir haben eine Landeshymne. Leben wir doch dieses kraftvolle Symbol! Warum nicht? Ich habe bis jetzt keine Argumente gehört, die stark genug sind, dieses Anliegen mit Kraft zu bekämpfen. Es waren Argumente wie: "Wir müssen dann singen, weisst du, ich kann das nicht so gut." Nein, niemand muss etwas tun. Aber es wäre ein Supersignal, nicht nur im Inland, sondern auch für das Ausland.

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Ich möchte Ihnen noch sagen, warum ich mich so ins Zeug lege: Als ich vor sechzehn Jahren in die Schweiz gekommen bin, haben englische Pfadiführerinnen verzweifelt jemanden gesucht, der die Nationalhymne singen konnte. Sie haben eine halbe Stunde lang mehrere Dutzend Leute gefragt und keine einzige Person gefunden. Sie haben auch mich gefragt - ich war bereits ein Jahr im Land. Ich habe mich geschämt, dass ich ein Jahr in diesem Land lebte und die Nationalhymne nicht singen konnte. Dann habe ich mich gleich ins nächste Musikgeschäft aufgemacht und mir Unterlagen zur Landeshymne besorgt. Mit Klaviernoten und mit Unterstützung einer CD habe ich die Landeshymne erlernt.

Ich hoffe, dass ich Sie für mein Anliegen ein bisschen begeistern konnte, dass wir etwas wagen, was auch andere schon gemacht haben, und ich hoffe, dass wir dieses kraftvolle Signal heute hier aussenden können. Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung.