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Heim Bea · Nationalrat · 2010-06-17

Heim Bea · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2010-06-17

Wortprotokoll

Ich meine, es sei Zeit zum Abrüsten. Trotz verschärftem Waffengesetz strotzt die Schweiz vor Schusswaffen. Mehr als 2,3 Millionen sollen es sein, aber auch die Zahl der Familiendramen und der Suizide ist enorm hoch. Warum? Gelegenheit macht Täter. Es ist höchste Zeit, Pistolen, Gewehre und andere Waffen an einem sicheren Ort abzugeben. Weniger Waffen heisst weniger Tote.

Nur bei wenigen anderen Themen sind die Zusammenhänge derart unbestritten und die Präventionsmöglichkeiten so offensichtlich wie bei Schusswaffensuiziden. Sie haben es gehört: In den letzten zehn Jahren haben sich 3410 Menschen mit Schusswaffen das Leben genommen. Die Schweiz hält damit einen Rekord, und ich sage Ihnen: einen traurigen Rekord. In keinem anderen europäischen Land werden so viele Suizide mit Schusswaffen begangen wie in der Schweiz. Sie wissen auch: Suizid ist meist eine Kurzschlusshandlung. Viele dieser Verzweiflungstaten würden nicht realisiert, wäre der schnelle Griff zur Schusswaffe als vermeintliche Befreiung von Problemen schwieriger. Vergessen Sie dabei nicht die Folgen misslungener Versuche: Sie sind fatal. 95 Prozent aller Schusswaffensuizide werden durch Männer verübt, die meisten von ihnen mit der Armeewaffe. Entscheidend dabei, das zeigen die Studien, ist die Verfügbarkeit. Diese Verfügbarkeit ist in der Schweiz viel zu hoch, oder, so schrecklich es tönt, man muss sagen: Bei uns wird der Selbstmord zu leicht gemacht.

Eine der effektivsten Präventionsmassnahmen ist es, die Hürde für den Griff zur Waffe zu erhöhen. Sie haben es auch gehört: Norwegen, Kanada und Australien haben den Tatbeweis längst erbracht; mit einer gesetzlichen Erschwerung der Verfügbarkeit sind die Schusswaffensuizide dort markant zurückgegangen. Natürlich bin ich mir bewusst, dass präventive Massnahmen nicht sämtliche Suizide verhindern, aber doch eine grosse Zahl. Ergänzend - Sie kennen vielleicht auch meinen Vorstoss dazu - meine ich, dass die Schweiz eine nationale Strategie zur Senkung der hohen Suizidrate in unserem Land bei den Jungen und den Älteren über 60 braucht.

Und ich meine: Jedes Menschenleben ist es wert, dass wir Vernunft walten lassen und die Waffen im Zeughaus lagern. Griffige Schutzmassnahmen sind überfällig. Die Waffe im falschen Moment in falschen Händen hat schon viel zu viel Unheil angerichtet, auch was die häusliche Gewalt betrifft. Immer häufiger kommt es vor, dass Frauen und Kinder mit Waffen bedroht oder gar zum Opfer werden. Auch hier weist die Schweiz einen traurigen Spitzenrang auf. Ich appelliere an alle Schützenherzen: Die Folgen eines solch traumatischen Erlebnisses für die kindliche Entwicklung sind lebenslänglich und lösen, materiell gesagt, auch Gesundheits- und Sozialkosten aus.

Das scheinbare Sicherheitsgefühl der Selbstbewaffnung geht auf ein überholtes Denken aus vergangenen Jahrhunderten zurück. Wir zahlen dafür als Gesellschaft von heute einen viel zu hohen Preis.

Ich bin mir bewusst, dass Waffenfreunden die Forderung nach einem Waffenregister keine Freude macht. Wenn aber jedes Schaf und jedes Auto registriert wird, warum dann ausgerechnet die Waffen nicht? Eigentlich müssten die Sportschützen, die Jäger, die Militärs, die Polizei, ja selbst die Sammler der Initiative überzeugt zustimmen. Die Initiative schränkt sie nämlich in ihren Aktivitäten nicht ein, im Gegenteil: Der Eignungsnachweis zeichnet sie als kompetente und verantwortungsbewusste Waffenträger aus. Der Fähigkeitsausweis nimmt alle Waffenfreunde, die heute keine Lizenz haben, und damit auch den Schiesssport aus der Schusslinie der Kritik.

Wer seine Begeisterung für Waffen und den Spass damit, wie ich heute gehört habe, höher gewichtet als die dringende Aufgabe, Suizide, Morde und tragische Familienschicksale zu vermeiden, muss sich die Frage nach der politischen Verantwortung gefallen lassen. Er darf sich dann nicht wundern, wenn er damit letztlich dem Image der verantwortungsbewussten Waffenbesitzer schadet.

Mit der Initiative machen Sie aber einen entscheidenden Schritt, einen Schritt für mehr Sicherheit, mehr Sicherheit für Familien und Kinder: Sie retten Menschenleben. Das ist doch einen Gang ins Zeughaus wert.

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