Plattner Gian-Reto · Ständerat · 2001-06-06
Plattner Gian-Reto · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-06-06
Wortprotokoll
Ich antworte sehr gerne und muss jetzt aufpassen, dass ich nicht in eine Vorlesung über Universitätsreform verfalle. Denn ich könnte über diese Fragen ohne weiteres zwei Stunden lang aus dem Stegreif reden. Ich bitte aber doch zu beachten, dass es in dieser Motion gemäss der Einheit der Materie eben um einen Punkt geht; denn hätte ich alle Punkte aufgegriffen, die zum guten Teil im kantonalen Kompetenzbereich liegen, hätte man mir mit Recht vorwerfen können, das sei nicht motionswürdig, verletze die Einheit der Materie und liege übrigens in der Zuständigkeit der Kantone.
Aber zu all denen, die gesagt haben, die Qualität der Universitäten müsse verbessert werden: Glauben Sie mir, ich rede jetzt einmal nur für die Universität meines Kantons - sie ist weder die berühmteste noch die beste, aber wir sind dabei. Ich kann Ihnen Beispiele aufzählen: Wir haben in Basel in den letzten zwei Jahren, seit ich mich damit beschäftige, die ganze Abteilung Kern- und Teilchenphysik geschlossen, weil wir sagten, das solle jetzt Genf machen. Wir sind dabei, die Chemie zu restrukturieren, genau in dem Sinne, die Häuser zusammenzulegen, mit der ETH zusammenzuarbeiten und die Zusammenarbeit in der Grundausbildung mit der ETH zu machen. Ich bin dabei, mit ETH-Präsident Professor Olaf Kübler die Pflanzenphysiologie - also unser Botanisches Institut - zu einem Kompetenzzentrum Pflanzenwissenschaften Zürich-Basel zusammenzuführen. Wir haben dasselbe bei den pharmazeutischen Wissenschaften schon getan; es gibt ein gemeinsames Pharmazentrum ETH/Universität Basel. So arbeiten wir, wo immer wir können und es die Emeritierungen erlauben, wo der schwerfällige "Tanker" sich bewegen lässt, mit hohem Druck an genau diesen Verbesserungen.
Das waren nun alles strukturelle Veränderungen. Wir haben aber gleichzeitig in allen Fakultäten die Bologna-Studienordnungen zur Pflicht gemacht: Bachelor, Master, Doktor, mit genauen Eckwerten: wie viele Kreditpunkte, wie muss das modulare Studiensystem aufgebaut werden, welche Prüfungen kann man abschaffen, weil sie durch das Kreditpunktesystem gedeckt sind? Die Geisteswissenschafter haben letzte Woche als letzte Fakultät bei uns beschlossen, grundsätzlich darauf einzutreten; dazu bedurfte es harter Überzeugungsarbeit. Wir tun das wirklich, so gut wir können, aber die Universitäten sind nicht wie die eidgenössischen Hochschulen von oben her dirigierte Universitäten, sondern haben zum Teil eine jahrhundertealte Tradition der akademischen Selbstbestimmung. Sogar in einer autonomen Universität wie jener von Basel, die juristisch vollkommen autonom ist, also nur noch dem Universitätsrat und nicht mehr der Kantonsregierung gehorchen muss, ist immer zu beachten, dass man im demokratischen Gespräch mit den Studierenden, den Angehörigen des Mittelbaus, den Aussenprofessoren und den Inhabern voller Professuren und den Fakultäten, der Regenz usw. die Sache durchbringen muss. Es ist ein bisschen wie in der Politik: Es sind immer viele Köche, und wir müssen dafür sorgen, dass sie den Brei nicht verderben.
Aber ich bin sicher: Was ich jetzt über meine Universität erzählt habe, gilt genau so für alle anderen. Im Raum "Benefri" (Universitäten von Bern, Neuenburg, Freiburg) besteht eine enge Zusammenarbeit, ebenfalls zwischen der Universität Zürich und der ETH Zürich. Im Arc lémanique arbeiten die Universitäten von Lausanne und Genf und die ETH Lausanne eng zusammen. Hier passieren grosse Dinge, die der Bund - zu Recht - mit bemerkenswert viel Geld unterstützt. Ich denke, die Universitäten haben das Problem erkannt, sie sind daran. Es wird weitere Punkte brauchen, wie sie Herr Stadler heute Morgen schon aufgezählt hat. Gott sei Dank hat dieser Rat in seiner Weisheit vor einigen Jahren beschlossen, dass ein neuer Verfassungsartikel her muss. Wenn dieser einmal da ist, kann man erst so richtig mit Beschleunigung durchstarten. Heute sind die Kompetenzen noch sehr schwierig verteilt.
Entschuldigung für die lange Vorlesung, sie dauerte aber doch nur einige Minuten und nicht 45 wie sonst üblich.