Lexipedia

Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2011-03-09

Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2011-03-09

Wortprotokoll

Eine gute Ausbildung ist sehr wichtig, sowohl für die Patienten und Patientinnen als auch für die Berufsleute. Eine gute Ausbildung gibt beiden Seiten Sicherheit. Dazu braucht es selbstverständlich Vorgaben, einerseits für die Psychologie, anderseits für die Psychotherapie. Aber, wir haben es zuvor ausgeführt, einen Zugang zur Psychotherapie gibt es nicht nur via Psychologie. Ein so beschränkter Zugang ist fachlich nicht zu begründen; es gibt auch Untersuchungen, die dem widersprechen. Klar ist für alle: Psychologie ist eine wichtige Basis, aber eben nicht die alleinige. Es gibt verschiedene Zugänge zur Psychotherapie. Es gibt verschiedene wissenschaftliche Hintergründe, die zur Psychotherapie führen können - unter anderem die Sozialwissenschaften und die Humanwissenschaften -, weil die Psychotherapie eine interdisziplinäre Wissenschaft ist. Wir haben hier einen Wissenschaftsstreit: Die einen gehen davon aus, dass es nur einen Weg gibt, die anderen gehen davon aus, dass es verschiedene Wege gibt.

Bei der Forschung ist es eigentlich klar: Für eine effektive Psychotherapie sind verschiedene Zugänge nötig, weil die Psychologie quasi eine Betrachtung vom Individuum her vornimmt, eine persönliche psychische Krise aber oft durch das Umfeld ausgelöst wird. In solchen Fällen ist es wichtig, den Menschen als Individuum zu verstehen, aber auch die gesellschaftliche Situation, die Arbeitswelt, die Kultur, die Religion usw. mit einzubeziehen. Damit wird klar: Es braucht verschiedene wissenschaftliche Zugänge, um Patienten und Patientinnen adäquat behandeln zu können.

Wenn nun Studierende von einer anderen Wissenschaft als der Psychologie herkommen, braucht es Unterstützung und Weiterbildung, damit sie ebenso gut ausgebildet sind, eine ebenso gute Basis haben und ein Psychotherapiestudium beginnen können. Ein Teil wird da die Psychologie sein. Das Studium soll so aufgebaut sein, dass je nach dem Hintergrund der Studierenden die nötigen Grundlagen gelegt werden, um es den Studierenden zu ermöglichen, das postgraduale Studium und den Master in Psychotherapie zu machen.

Im Minderheitsantrag ist detailliert ausgeführt, wie diese Kriterien lauten sollen, damit am Schluss die Qualität stimmt. Unter Umständen braucht es nicht mehr ein volles Studium in Psychologie, um eine gute Basis zu haben, sondern nur noch Teile davon. In verschiedenen Bereichen wird bereits so vorgegangen. Es gibt beispielsweise die Charta für Psychotherapie; diese sieht verschiedenste Ausbildungsgänge vor, die anerkannt sind und für dieselbe Basis sorgen wie beispielsweise die Psychologie. Einer der Gründe der ganzen Bologna-Diskussion war ja der, dass man gesagt hat, es müsse möglich sein, eine Ausbildung vor verschiedenen Hintergründen zu machen. Nur muss man dann eben auch schauen, dass es mit der Zulassung stimmt.

Zudem ist heute eine Psychotherapiewissenschaft in Entwicklung. Würden wir dieses Gesetz so verabschieden, wie wir es jetzt vor uns haben, wäre das wider die ganzen europaweiten Entwicklungen. Übrigens dient in praktisch keinem europäischen Land nur ein Abschluss in Psychologie als Zulassung, sondern man sagt, dass es verschiedene Zugänge braucht. Selbstverständlich muss am Schluss die Qualität stimmen. Heute gibt es sehr viele Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen, die eine jahrelange Therapieausbildung gemacht haben und in ihrem Beruf arbeiten, aber nicht von einem Grundstudium in Psychologie herkommen. Ein solches breites Spektrum soll bei der Ausbildung und bei der Akkreditierung möglich sein. Dies ist im Minderheitsantrag vorgesehen.

Wir bitten Sie, den Antrag der Minderheit zu unterstützen.