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preparatory:AB 138592

Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2013-03-11

Wortprotokoll

Der Bundesrat nimmt das Bienensterben ernst und unterstützt verschiedene Massnahmen in der landwirtschaftlichen Produktion, welche die Problematik nicht zusätzlich verschärft. So zielt die heutige Bewilligungspraxis für Pflanzenschutzmittel mit sehr strengen Anwendungsbedingungen darauf ab, die Exposition von Nutzinsekten gegenüber Pflanzenschutzmitteln möglichst zu verhindern. Gleichzeitig ist es dem Bundesrat ein Anliegen, insbesondere vor dem Hintergrund des andauernden Rückgangs der landwirtschaftlichen Nutzfläche und der stetig steigenden Bevölkerungszahl, den Selbstversorgungsgrad nicht unter 55 Prozent fallen zu lassen. Internationale Schätzungen zeigen, dass der Ertragsrückgang bei ausbleibendem Pflanzenschutz im Durchschnitt zwischen 30 und 40 Prozent liegen dürfte.

In welchem Ausmass Ernteverluste in der Schweiz mit Pflanzenschutzmitteln vermieden werden können, hängt stark von der jeweiligen Kultur, dem Schädlingsdruck und den Wetterverhältnissen ab. Neonicotinoide werden in den Feldbaukulturen von Mais, Raps und Zuckerrüben vor allem als Beizmittel, im Gemüse- und Obstbau als Beiz- und Spritzmittel angewendet. 5 Prozent des Maissaatgutes ist gebeizt, zum Schutz vor dem Drahtwurm. Derzeit gibt es für die Bekämpfung des Drahtwurms keine zugelassene vergleichbare Alternative. Eine Rückkehr zu aus toxikologischen Gründen kritischeren alten Wirkstoffen erachtet der Bundesrat als nicht zielführend. Rapssaatgut ist zu 100 Prozent gebeizt. Ein Verzicht auf die Beizung wäre theoretisch möglich, da entsprechende Alternativprodukte zur Schädlingsbekämpfung vorhanden sind. Die Alternativmittel müssen allerdings mit höher dosierten Spritzanwendungen auf die Kulturen gebracht werden. Spritzanwendungen führen im Vergleich zur zielgerichteten Saatgutbeizung durch die unvermeidbare Abdrift zu einer höheren Beeinträchtigung von Nichtzielorganismen. Die Saatgutbeizung erlaubt, mit einem Wirkstoff bei niedrigen Aufwandmengen sehr hohe Wirkungsgrade zu erzielen.

Neonicotinoide werden in der Schweiz seit über zehn Jahren eingesetzt. In der Praxis und in wissenschaftlich begleiteten Feldversuchen konnten bisher keine negativen Effekte auf Bienen durch gebeiztes Saatgut festgestellt werden.

Die Ursachen für das Bienensterben sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Es scheint jedoch klar, dass die grossen Verluste, die im Winter 2011/12 beobachtet wurden, in einem Zusammenhang mit der Varroa-Milbe stehen. Die Verluste sind im Berggebiet nicht kleiner als im Tal, wo Pflanzenschutzmittel zum Schutz der Kulturen eingesetzt werden.

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat im Januar 2013 eine neue Bewertung von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam vorgelegt. Die Beurteilung beschränkt sich auf Produkte, die neben der Spritzung auch zur Saatbeizung und als Granulate zur Anwendung kommen. Die Efsa kommt zum Schluss, dass der Einsatz von Saatbeizungen bei für Bienen attraktiven Kulturen wie Mais und Raps kritisch ist. Die Evaluation erfolgte unter Annahme von Worst-Case-Szenarien. Der Prüfbericht der Efsa weist auch Mängel auf; z. B. werden nationale agronomische Verhältnisse sowie Daten aus Freilandstudien und nationalen Monitoringprogrammen bei der Beurteilung nicht berücksichtigt. Auf der Basis des Berichtes schlägt die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten ein Moratorium für die Anwendung der drei Neonicotinoide auf für Bienen attraktiven Kulturen vor. Die Anwendung der Wirkstoffe als Beizmittel auf Zuckerrüben und Getreide ist nicht infrage gestellt.

Die drei Neonicotinoide werden derzeit durch die Zulassungsstelle im BLW auf der Grundlage des Efsa-Berichtes und des EU-Entscheides überprüft. Die Experten stehen in informellem fachlichem Kontakt mit den EU-Behörden. Vorläufige Resultate zeigen, dass bei einem Verzicht auf die erwähnten Wirkstoffe als Saatbeizmittel der landwirtschaftlichen Produktion keine vergleichbaren Alternativen zur Verfügung stehen. Für den Einsatz als Spritzmittel, insbesondere im Obstbau, stehen hingegen Alternativen zur Verfügung. Im Moment ist allerdings nicht abschätzbar, welche Folgen der kontinuierliche Rückgang der Anzahl Wirkstoffe, welche dem Schutz des Ernteertrags zur Verfügung stehen, für die Bildung von Resistenzen und generell für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft hat.