Haller Vannini Ursula · Nationalrat · 2011-09-29
Haller Vannini Ursula · Nationalrat · Bern · Fraktion BD · 2011-09-29
Wortprotokoll
Ich muss nicht nur eine Frage stellen, ich kann sogar noch ein bisschen ausholen und versuchen, eine Replik auf das zu geben, was wir jetzt von Herrn Mörgeli gehört haben. Das mache ich, obschon ich mir einmal sagen liess, man solle sich in der Politik nicht provozieren lassen. Denn gegen ihn als genialen Redner anzutreten ist in der Tat schwierig, vor allem, wenn er die Dinge mit einem Lächeln auf den Lippen erzählt, obschon es eigentlich um eine Thematik geht, die ernst ist.
Herr Mörgeli, wenn Sie einfach behaupten, es sei sinnlos und nutzlos, dass wir uns irgendwo auf der Welt engagieren, weil die Leute trotzdem kämen, ob wir ihnen helfen oder nicht, dann ist das natürlich eine riesengrosse Beleidigung all jener Institutionen, ob sie nun öffentlich oder privat sind, die sich seit vielen Jahrzehnten, allenfalls seit Hunderten von Jahren engagieren, damit wir den Reichtum, den wir haben, auch ein bisschen teilen können. Finden Sie tatsächlich, dass es nutzlos ist, wenn sich die Stadt Thun in Togo engagiert und dort Stromaggregate installiert, Wasserleitungen baut? Glauben Sie tatsächlich, dass die Leute, wenn sie dort die Möglichkeit haben, sich dadurch selbst zu ernähren, dann trotzdem in die Schweiz kommen? Finden Sie es nutzlos, wenn sich eine Stiftung - ich präsidiere eine solche Stiftung - im Obang, im tiefsten Urwald von Kamerun, engagiert und dort 35 Schulen leitet, um den Schülern mindestens das ABC beizubringen, damit sie sich vor Ort selber durch das Leben schlagen können?
Ich habe da grosse Mühe, ich glaube, Sie beleidigen hier ganz viele Schweizer, die eben nicht nur die humanitäre Tradition hier im Land kennen, sondern auch wissen, dass es gilt, sich auch in solchen Ländern vor Ort zu engagieren. Es betrübt mich - ich würde das auch zehn Minuten nach den Wahlen sagen -, wenn Sie das am Mikrofon für die Fraktion einer Partei sagen, die tagtäglich und omnipräsent zeigt, dass sie die Masseneinwanderung stoppen will. Wenn wir diese Masseneinwanderung nicht wollen, müssen wir uns vor Ort engagieren - und dann sind Themen wie Sicherheit vor Ort, Massnahmen zur Friedensförderung und humanitäre Hilfe ganz, ganz wichtig.
Ich will es auf den Punkt bringen und Botschafter Wild zitieren. Er ist hier im Ratssaal und hat einmal gesagt: "Das Gewicht eines Landes auf der internationalen Bühne hängt nicht nur von den herkömmlichen Macht- und Einflussfaktoren wie der wirtschaftlichen oder militärischen Schlagkraft ab. Heute spielt die Fähigkeit, globale Probleme zu lösen, eine entscheidende Rolle. Im Rahmen ihrer Politik der menschlichen Sicherheit und ihrer verschiedenen thematischen Aktivitäten trägt die Schweiz dazu bei, Antworten auf die grossen aktuellen Herausforderungen zu finden und die internationale Stabilität zu verbessern. Sie konnte ihr Ansehen und ihre Position in der internationalen Politik stärken, was es ihr erlaubt, ihre nationalen Interessen besser zu wahren."
Friedenspolitik ist Aussenpolitik, und Aussenpolitik ist auch Interessenpolitik. Und wenn es uns gelingt, uns in all diesen Ländern richtig zu positionieren, dann bin ich sicher, dass wir alle hier in der Schweiz in hohem Masse profitieren.
Deshalb bitte ich Sie, diesem Kredit zuzustimmen und den Minderheitsantrag Mörgeli abzulehnen.