Decurtins Walter · Nationalrat · 2001-09-17
Decurtins Walter · Nationalrat · Graubünden · Christlichdemokratische Fraktion · 2001-09-17
Wortprotokoll
Ich stelle eigentlich mit Befriedigung fest, dass alle grundsätzlich für die Berg- und Randregionen sind. Nur wenn es darauf ankommt, wenn es dann konkret wird, sieht die Sache wieder etwas anders aus.
Die Parlamentarische Initiative Hämmerle verdient unsere volle Unterstützung. Die Fraktion der CVP steht mehrheitlich hinter dieser Parlamentarischen Initiative.
Das längerfristige Ziel dieser Initiative ist es, eine Stärkung der Randregionen und des Berggebietes zu erreichen. Das kurzfristige Ziel wird sein, die Schwächung und den Substanzverlust ebendieser Regionen, wie sie im Moment erfolgen, zu stoppen. Es sind durchaus legitime Wünsche und Forderungen, die mit dieser Initiative erfüllt werden sollen. So sollen die Arbeits- und Ausbildungsplätze von Post, SBB und Swisscom flächendeckend in der ganzen Schweiz angeboten werden. Was ist schon dabei, wenn auch die Jugend der entfernteren Regionen die Möglichkeit haben soll, in ebendiesen Regionen Arbeits- und Ausbildungsplätze vornehmlich für technische und kaufmännische Berufe offeriert zu bekommen? Das Geld, das für die Ausbildung der ländlichen Jugend in ihren angestammten Regionen ausgegeben wird, ist auf die Länge gesehen gut investiertes Kapital. Es werden zuverlässige und arbeitswillige Arbeitskräfte ausgebildet, Arbeitskräfte, die eine seriöse und einwandfreie Ausführung der Dienstleistungen der öffentlichen Betriebe sicherstellen.
Weiter verlangt die Initiative, dass ein allfälliger Abbau von Arbeits- und Ausbildungsplätzen nicht einseitig in den Rand- und Berggebieten erfolgen darf. Auch das ist eine Forderung, die als legitim und berechtigt beurteilt werden kann. Die Schweiz besteht nicht nur aus den bevölkerungsreichen und wirtschaftlich starken Regionen des Mittellandes. Die dezentrale Besiedlung des Landes ist ein Ziel, das in der Bundesverfassung verankert ist. Es ist eine Frage der Solidarität, dass bei der Verteilung der Arbeits- und Ausbildungsplätze, die der Bund vergeben kann, auch die peripheren und Bergregionen profitieren können. Darum müssen und dürfen Arbeits- und Ausbildungsplätze dieser Gebiete nicht überproportional zur Neustrukturierung und zur Personalkosteneinsparung herangezogen werden.
Schliesslich sollen neue Arbeits- und Ausbildungsplätze auch im Rand- und Berggebiet angeboten werden. Es geht nicht an, dass neue Arbeits- und Ausbildungsplätze nur in den Zentren geschaffen werden. Wie vorher ausgeführt, können in diesen Regionen arbeitswillige und zuverlässige Arbeitskräfte ausgebildet werden. Eine Ausbildung in der näheren Umgebung ist für diese Personen wesentlich leichter, als wenn diese Ausbildung in den Wirtschaftszentren und in den Städten erfolgen würde. Die staatlichen oder teilstaatlichen Betriebe haben durch die Vorkommnisse der letzten Zeit - ich denke da an die Swissair, die Löhne des Kaders bei Post, Swisscom und zum Teil bei den SBB - arge Risse in der vorher glänzenden Fassade abbekommen. Die so genannten hoch spezialisierten, selbst ernannten hoch qualifizierten Manager standen hie und da neben den Schuhen. Das Ansehen dieser Betriebe und das Vertrauen des Volkes in diese Betriebe wurden nicht gerade gefördert.
Mit der Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen in den Rand- und Bergregionen und mit einem ausgeglichenen, nicht berg- und randgebietslastigen allfällig nötigen Abbau von Arbeitsstellen kann wieder Vertrauen hergestellt werden. In den Rand- und Bergregionen werden die nötigen und wichtigen Rahmenbedingungen geschaffen, damit die Menschen dort ihr Leben eigenständig gestalten können. Sie werden dann die Chancen ergreifen und nutzen.