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Tschümperlin Andy · Nationalrat · 2013-03-13

Tschümperlin Andy · Nationalrat · Schwyz · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-03-13

Wortprotokoll

Ich bitte Sie, meine Minderheit bei Artikel 9 Absatz 2 zu unterstützen und damit Absatz 2 nicht zu streichen.

Jede fünfte Person der rund 1,7 Millionen Ausländerinnen und Ausländer ist im Jugendalter. Die Statistik zeigt, dass die Einbürgerungsquote bei Personen zwischen dem fünfzehnten und dem zwanzigsten Lebensjahr am höchsten ist. Bei der Lehrstellensuche und der ersten Anstellung spielt der rote Pass eine wichtige Rolle. Der rote Pass spielt aber auch eine wichtige Rolle beim Sport. In der schweizerischen Fussballnationalmannschaft spielen viele Migranten, die in jungen Jahren eingebürgert wurden. Auch unser erster Weltmeister im Langlaufsport, Dario Cologna, wurde in jungen Jahren eingebürgert; sonst wäre er in der italienischen Nationalmannschaft gestartet. Soll diesen jungen Menschen der Zugang wirklich erschwert werden? Haben wir nicht ein Interesse daran, gerade Kinder und Jugendliche, welche einen grossen Teil ihrer Schulzeit oder die ganze Schulzeit in der Schweiz verbracht haben, möglichst früh einzugliedern?

Ich bin ganz klar der Meinung, dass wir ein grosses Interesse daran haben, dass junge Menschen, die mit unseren Kindern die Schulen besuchen, die mit unseren Kindern in den Vereinen aktiv sind, die die Freundinnen und Freunde unserer Kinder sind, möglichst früh einen wichtigen Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens bilden. Sie sollen am gesellschaftlichen und auch am politischen Leben teilhaben können. Sie sollen sich bereits in jungen Jahren engagieren können. Unsere Demokratie braucht junge, engagierte Menschen.

Die Regelung, dass die Jahre zwischen dem zehnten und dem zwanzigsten Lebensjahr doppelt gezählt werden, wurde vor sechzig Jahren, 1952, bei der letzten Totalrevision der Bürgerrechtsgesetzgebung aufgenommen. Begründet wurde diese Doppelzählung damit, dass die Volksschule bei der Integrationsarbeit eine äusserst wichtige Rolle spielt. Diese Integrationsarbeit hat sich in den vergangenen sechzig Jahren deutlich verbessert. Im Staatenbericht vom Juli 2012 zur Kinderrechtskonvention wurde aufgezeigt, dass sich die Integrationsarbeit an den Volksschulen seit dem letzten Bericht - er erschien vor über zehn Jahren - deutlich verbessert hat. Es wurde festgestellt, dass viele Kantone gute Integrationsprojekte umgesetzt haben. Was macht die Mehrheit der Kommission? Sie zerstört diese Arbeit mit der Streichung von Absatz 2.

Wollen Sie, dass die gute Arbeit an den Volksschulen weiterhin anerkannt wird? Dann unterstützen Sie meinen Minderheitsantrag und den Entwurf des Bundesrates. Lassen Sie die Finger von einer Verschärfung des Bürgerrechtsgesetzes, die uns keinen Schritt weiter bringt.