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AB 144454

Lustenberger Ruedi · Nationalrat · Luzern · Fraktion CVP-EVP · 2013-11-25

Wortprotokoll

Für das Vertrauen, welches Sie mir mit der Wahl zum Präsidenten Ihres Rates und der Vereinigten Bundesversammlung entgegenbringen, danke ich Ihnen von Herzen.

Vi ringrazio di cuore per la fiducia che mi accordate con l'elezione a presidente della vostra Camera e dell'Assemblea federale plenaria.

Je vous remercie de tout coeur pour la confiance que vous me témoignez en m'élisant à la présidence de votre conseil et de l'Assemblée fédérale.

Ihnen, sehr geschätzte Präsidentin Maya Graf, danke ich für das sehr bürgernah gestaltete Präsidentinnenjahr und die gute Ratsführung. Sie waren eine vorbildliche "première citoyenne". Diese Bezeichnung haben Sie in Ihrer Antrittsrede für sich gebraucht, und ich übernehme sie in der Form des "premier citoyen" gern von Ihnen. (Beifall; Herr Hodgers überreicht Frau Graf einen Blumenstrauss)

Bevor man auf dem Präsidentenstuhl Platz nehmen darf, absolviert man als Vizepräsident sozusagen eine zweijährige Berufslehre zum Ratspräsidenten. Ich hatte das Glück, eine gute Lehrmeisterin und einen guten Lehrmeister zu haben.

In den letzten zwei Jahren habe ich mich oft fünfundvierzig Jahre zurückerinnert, an meine Lehrzeit als Schreiner, und ich habe Parallelen zu damals entdeckt. Hansjörg Walter und Maya Graf haben eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem damaligen Lehrmeister und meiner Lehrmeisterin: Er, mein damaliger Lehrmeister, war ein besonnener, grosszügiger Unternehmer und liberaler Gemeindepräsident von Entlebuch; sie, die Lehrmeisterin, seine Frau, war eine intelligente, engagierte Geschäftsfrau und Mutter, die stets den Überblick wahrte. Und daneben war der Lehrling Lustenberger, ein wissbegieriger Junge, der am Mittagstisch mit dem Chef lieber über die Weltpolitik und mit der Chefin lieber über Sport als über das Schreinerhandwerk diskutiert hat.

Ja, auch das gehörte damals und gehört auch heute noch zu unserem dualen Berufsbildungssystem: Man bekommt während der Berufslehre eben nicht nur praktische Ausbildung und Berufskenntnisse vermittelt, die Lehrzeit ist auch eine Lebensschule par excellence. Also haben wir allen Grund, in Zukunft Sorge zu tragen zu diesem einzigartigen System, das unseren jungen Leuten so viele gute Möglichkeiten eröffnet, heute mehr als je zuvor. Die Berufslehre führt nicht in eine Sackgasse, sondern ist ein Wegabschnitt. Es ist kein Zufall, dass Europa und viele Länder der Welt grosses Interesse an unserer dualen Berufsbildung zeigen und sich speziell für die Berufslehre interessieren. Ich freue mich jedes Mal, wenn unsere jungen Leute an den Berufsweltmeisterschaften so gut abschneiden.

Ich habe von meinem Lehrmeister, dem damaligen Gemeindepräsidenten von Entlebuch, gesprochen. In diesem Saal finden Sie das Wappen des Amtes Entlebuch - es hängt hier vorne, oberhalb der Stauffacherin, zwischen den Wappen von Luzern und Sempach. Es bekam dort seinen Platz, weil im Einweihungsjahr 1902 der erste konservative Bundesrat, Josef Zemp, auch Bundespräsident war. Dieser stammte bekanntlich aus der Gemeinde Entlebuch. Zwei seiner Ururenkelinnen sitzen im Saal: meine Fraktionskolleginnen Ida Glanzmann und Barbara Schmid-Federer.

Die Eidgenossenschaft feiert im Jahr 2013 ein besonderes Jubiläum, das aufgrund seiner historischen Bedeutung durchaus eine kurze Erwähnung verdient. Der Zusammenschluss der dreizehn Alten Orte jährt sich am 17. Dezember zum 500. Mal. In der Zeit vor 1513 herrschte unter den einzelnen Ständen nicht nur Friede und Eintracht, im Gegenteil: Weil die Städte Luzern, Bern und Zürich eine andere Politik verfolgten als die ländlichen Urkantone, stand man am Rand [PAGE 1790] eines Bürgerkrieges. Dem weisen Rat von Niklaus von Flüe im Ranft folgend, stimmte die Tagsatzung am 22. Dezember 1481 dem sogenannten Stanser Verkommnis zu. In der Folge konnten der Reihe nach Freiburg, Solothurn, Schaffhausen, Basel und 1513 schliesslich Appenzell der Alten Eidgenossenschaft beitreten.

Die unterschiedliche Interessenlage von Stadt und Land ist für die Eidgenossenschaft also keineswegs neu. In jüngster Zeit ist in unserem Land zunehmend eine Tendenz dahin feststellbar. Wir sind gut beraten, uns dafür einzusetzen, dass dieser Trend nicht weiter zunimmt, denn die Geschichte lehrt uns, dass es wichtig ist, miteinander zu reden und zu verhandeln, Lösungen zu suchen und auch bereit zu sein, von der eigenen Position etwas abzurücken, einen Schritt auf das Gegenüber zuzugehen. Dieses Rezept hat sich über Jahrhunderte bewährt, und 1848, beim Übergang vom Staatenbund zum heutigen Bundesstaat, bestand es die Nagelprobe auf eindrückliche Art und Weise. An aktuellen Beispielen mangelt es nicht; spontan denke ich an die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur. Sie kommt der ganzen Schweiz, Stadt und Land, zugute. Dazu passt die folgende Passage aus der Präambel der Bundesverfassung: "... gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen ..."

La Diète fédérale a engendré le système de concordance. Il fut appliqué pour la première fois lors de l'élection de Josef Zemp en 1891. La concordance garantit une politique équilibrée au sein de notre Etat, basée sur la démocratie directe. Si l'on pense aux négociations difficiles en vue d'une coalition gouvernementale en Allemagne voisine, nous pouvons être fiers de notre système et lui décerner sans réserve le label Swissness.

La sagesse populaire dit que la gratitude est la mémoire du coeur ("Dankbarkeit ist die Erinnerung des Herzens"). Je suis heureux d'exprimer ma reconnaissance à mon groupe parlementaire, à mon parti, à mon canton, à ma commune de Romoos et à ma famille, car personne ne se suffit à lui-même; nous avons tous besoin de la communauté de nos proches pour avancer.

Dankbar bin ich meiner Partei, der CVP; den politischen Behörden meiner Gemeinde Romoos, auf der Tribüne vertreten durch den Gemeindepräsidenten Franz Koch und Gemeinderätin Marion Röösli; sowie den Behörden des Kantons Luzern, anwesend sind unter anderen Kantonsratspräsident Urs Dickerhof, Regierungspräsident Guido Graf, Regierungsrat Robert Küng und Staatsschreiber Lukas Gresch. Auf diesen Ebenen habe ich das politische Handwerk gelernt: Ich habe vielen Personen, Kolleginnen und Kollegen zugehört, bei ihnen abgeschaut und dazugelernt.

Bismarck soll einmal gesagt haben: "Politik ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst." Man kann gute Politik auch betreiben, ohne sich als Künstler zu fühlen, etwa nach dem Motto: "Lieber ein guter Handwerker sein als ein schlechter Künstler." Ein erfahrener, guter Handwerker macht es in der Politik so wie im Beruf: sich zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bemühen, die aufgetragene Arbeit gut, korrekt und zur Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden auszuführen. Unsere Kundinnen und Kunden sind die Bürgerinnen und Bürger der Eidgenossenschaft. Für sie wollen wir gute Arbeit leisten.

Als Politiker bauen wir die Schweiz von morgen. Die Menschen in unserem Land haben grosse Erwartungen an uns. Sie möchten moderne Ausbildungs- und sichere Arbeitsplätze, intakte Landschaften, gute Infrastrukturen, ein zahlbares Gesundheitssystem, eine Altersvorsorge, welche dem Generationenvertrag gerecht wird, weniger Kriminalität und ein sicheres Zuhause. Dafür werde ich mich einsetzen, nun als "premier citoyen de la Suisse".

Damit wir unsere Aufgabe als Milizpolitiker auch recht machen können, brauchen wir ein gutes Umfeld. Darin nimmt für mich meine Familie die wichtigste Funktion ein. Ich freue mich, dass meine Mutter Anna, meine Frau Marie-Theres und unsere fünf Kinder auf der Tribüne den heutigen Tag miterleben können. Sie verdienen ein grosses Dankeschön für die Unterstützung, die ich bis anhin erfahren durfte und und hoffentlich auch in Zukunft erfahren darf. Dieser Dank - das sage ich sehr gerne - geht pauschal auch an die Adresse aller Mütter und Väter, Partnerinnen und Partner, Töchter und Söhne, Kolleginnen und Kollegen, welche uns Politikern und Politikerinnen auf allen drei Ebenen unseres föderalen Staates in unserer Arbeit immer beistehen und uns gut begleiten.

Ich freue mich auf das Präsidialjahr und danke Ihnen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, nochmals herzlich für Ihr Vertrauen und Ihre kollegiale Mitarbeit. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. (Beifall)

Nun bitte ich um Aufmerksamkeit für eine musikalische Einlage.

[VS]