Aebi Andreas · Nationalrat · 2012-09-19
Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2012-09-19
Wortprotokoll
Mit den Landschaftsqualitätsbeiträgen will der Bundesrat die Leistungen der Landwirtschaft nicht mehr nur an ökologischen Leistungen, an der Kalorienproduktion oder am Tierwohl messen; künftig sollen auch Beiträge für das Optische fliessen. In Pilotprojekten wurden erste Erfahrungen gesammelt. Geld gibt es beispielsweise für schöne, farbige Kulturen, für schöne Bäume, für ein schönes Hofareal mit Kopfsteinpflaster und Blumenkisten oder sogar für das Errichten einer Brätelstelle. Ich glaube, dass wir auf diese Art von Beiträgen verzichten können, und zwar ohne negative Folgen für die Landwirtschaft. Ich sage Ihnen gerne wieso:
1. Wir haben ja die Biodiversitätsbeiträge und können mit diesen Hecken, Hochstammbäume, Blumenwiesen oder meinetwegen auch Blumenschmuck abgelten, wenn es einen ökologischen Nutzen bringt. Dafür brauchen wir nicht eine separate Kategorie.
2. Wer sagt denn, was schön ist und was nicht? Landschaftsqualität ist etwas sehr Subjektives. Wir sind gerade daran, einen riesigen Bürokratieballon aufzublasen. In den Kantonen sind Planungsbüros, Landschaftsplaner und Heerscharen von Experten längst in Stellung und warten darauf, ihre Projekte einreichen zu können. Sie sind es auch, die einen schönen Teil des Geldes, so glaube ich, abkassieren werden. Und der Landwirt? Er wird vor allem noch mehr Bürokratie zu bewältigen haben, um das zu erfüllen, was andere schön finden.
3. Die innovativen Bauern haben längst festgestellt, dass die Landschaftsqualität über den Markt abgegolten wird. Wenn eine Bauernfamilie z. B. Ferien auf dem Bauernhof oder Hochzeitsapéros anbietet, dann braucht es einen schönen Bauernhof. Wenn sie einen Hofladen führt, dann ist sie doch auf ein einladendes, schönes Hofareal angewiesen, sonst kommen doch die Kunden nicht. Anders gesagt: Die Bauern vermarkten ihre Blumenkisten, ihr Kopfsteinpflaster und ihren schönen Kastanienbaum schon lange. Wie bitte, Herr Bundesrat, erklären Sie dem Hotelier neben dem Bauernhof, wieso der Bund dem Bauern diese Beiträge zahlt und ihm nicht? Vielleicht hat er auch ein Kopfsteinpflaster, und vielleicht ist sein Kastanienbaum noch schöner als derjenige des Bauern. Diese Beiträge sind gegenüber den gewerblichen Anbietern von Tourismus und Hotellerie ungerecht und marktverzerrend.
Ich bitte Sie deshalb: Stimmen Sie der Minderheit Walter zu, und lehnen Sie die Landschaftsqualitätsbeiträge ab. Wir haben genügend andere, gute und erprobte Instrumente, um ökologisch sinnvolle Massnahmen zu fördern.