Gilli Yvonne · Nationalrat · 2012-03-08
Gilli Yvonne · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2012-03-08
Wortprotokoll
Vorwärtsmachen mit Elternzeit und Elterngeld, das ist die Forderung der grünen Fraktion. Sie haben gestern über einen Verfassungsartikel zur Unterstützung der Familienpolitik debattiert, welcher die Veränderungen in den Familienkonstellationen der aktuellen Neuzeit aufnimmt. Die Möglichkeit eines Elternurlaubs, die Möglichkeit einer geteilten Verantwortung sowohl im Beruf als auch zu Hause, nimmt genau dieses Anliegen auf und respektiert die Familienzusammensetzungen der heutigen Zeit.
Was fordern die Grünen? Sie fordern, dass das Modell der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen in der Schweiz jetzt konkretisiert und umgesetzt wird. Dieses Modell sieht für die Elternzeit eine maximale Dauer von 24 Wochen vor. Sie kann individuell in Anspruch genommen werden; entweder die Mutter oder der Vater bezieht diese Elternzeit. Sie muss bis spätestens zur Einschulung des Kindes bezogen werden und orientiert sich natürlich an jenen Elternteilen, die für das Kind das Sorgerecht haben. Es ist eine öffentliche Aufgabe, die Familien in der Schweiz zeitgemäss zu fördern, auch wenn wir diese Elternzeit und diesen Elternurlaub nur umsetzen können, wenn das Einkommen auch während der Zeit des Bezugs der Elternzeit garantiert ist. Wir fordern eine Entschädigung, wie sie bei der Mutterschaftsentschädigung vorgesehen ist, die bei 80 Prozent des Einkommens festgesetzt ist und selbstverständlich nach oben plafoniert wird. Das ist eine öffentliche familienpolitische Aufgabe.
Diejenigen unter Ihnen, die heute sagen, dass wir uns das nicht leisten können, denken eben nur und zusammenhangslos an die direkten Kosten, die öffentlich finanziert werden müssen. In ihrem Denken lassen sie eine integrierte wirtschaftspolitische Strategie vermissen. Eine solche Strategie bedeutet nicht nur, dass die Verantwortung innerhalb der Familie mit neuen Modellen zwischen den Eltern geteilt werden kann, sondern ist auch ein weiterer Schritt zur Gleichstellung beider Elternteile und zur Erwerbstätigkeit der Frau - inklusive der qualifizierten Erwerbstätigkeit und der Garantie auf Karrieremöglichkeiten beider Elternteile.
Kinder, welche die geteilte Verantwortung der Eltern selbst erlebt haben, sind zudem eine gute Zukunftsinvestition, denn sie werden in Zukunft diesem Rollenmodell folgen und dazu beitragen, dass es attraktiv ist, Kinder zu haben, dass das nicht mit einem Bruch der beruflichen Karriere verbunden sein muss. Das ist durchaus im Interesse unserer Gesellschaft. Dieses Rollenmodell wird für die Schweiz zukunftsweisend sein.
Ich danke Ihnen für die Unterstützung unserer parlamentarischen Initiative. Im Verlauf der Konkretisierung werden Sie ja aktiv mitgestalten können, wie weit Sie in der Umsetzung gehen möchten.