AB 149302
Egerszegi-Obrist Christine · Nationalrat · Aargau · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2007-03-23
Wortprotokoll
Sie haben gesehen, dass die Generalsekretärin neben mir für den stellvertretenden Generalsekretär John Clerc Platz gemacht hat. Wir haben ihn hier im Rat schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen; wir müssen ihn heute verabschieden.
John Clerc ist jemand, der es wie kein Zweiter verstanden hat, Verabschiedungen zu schreiben. Er hat so viele glänzende, ja brillante Verabschiedungen verfasst, dass es eigentlich unmöglich ist, ihm mit seiner eigenen Verabschiedung auch nur annähernd gerecht zu werden. Ob jemand links oder rechts stand, deutsch-, französisch-, italienisch- oder gar romanischsprechend war - John Clerc hat immer die passenden Worte gefunden. Seine kulturelle Vielfalt vermag nicht zu erstaunen, nein, sie wurde ihm mit den Vornamen John Blakiston Charles Jean-Louis wohl bereits in die Wiege gelegt. John Clerc war nicht nur bekannt als Verfasser glanzvoller Reden; er war es auch, der die Würdigungen für zurücktretende oder Nachrufe auf verstorbene Parlamentarierinnen und Parlamentarier schrieb und es dabei trefflich verstand, die richtigen Akzente zu setzen und in würdiger Weise die charakteristischen Merkmale und besonderen Verdienste jedes Einzelnen in Erinnerung zu rufen. So kam es sogar so weit, dass sich unser früherer Kollege Claude Frey im Hinblick auf John Clercs näherrückende Pensionierung besorgt bei ihm erkundigte, ob er nicht schon jetzt einen Nachruf in Auftrag geben könne - in der düsteren Ahnung, dass sich schwerlich ein Nachfolger finden lasse, der [PAGE 600] diese Kunst auf so hohem Niveau wie sein Vorgänger zu halten wisse. Dieses Ansinnen wies John Clerc mit dem Hinweis zurück, dass er Nachrufe grundsätzlich erst bei Eintritt des tatsächlichen Bedarfsfalles verfasse. (Heiterkeit)
Reden und Würdigungen waren nur ein kleiner Teil seiner vielfältigen Aufgaben. Der stellvertretende Generalsekretär besuchte mit offiziellen Delegationen insgesamt 47 Länder und brachte zahlreichen Gästen aus aller Welt das Parlament und das Parlamentsgebäude in seiner unnachahmlichen Art näher: mit unglaublicher Präzision, aber immer auch mit einem leisen Augenzwinkern.
Die eigentlichen Höhepunkte in der vielfältigen Tätigkeit John Clercs waren die Bundesratswahlen. Er gestaltete die Wahlen als Drehbuchautor, als Zählmeister und als eigentlicher Master of Ceremonies.
Mit John Clerc verliere das Parlament sein Gedächtnis, hat "L'Hebdo" geschrieben. In der Tat verlieren die Parlamentsdienste einen Kollegen mit einem praktisch lückenlosen Erinnerungsvermögen. Wenn John ausnahmsweise einmal etwas nicht im Gedächtnis hatte, dann wusste er innert Sekundenbruchteilen, in welchem Stapel in seinem übervollen Büro die entsprechenden Unterlagen zu finden waren.
Gleichzeitig müssen die Parlamentsdienste in Zukunft auf einen hervorragenden Strategen verzichten, der stets auch nach vorne schaut und Entwicklungen äusserst präzise antizipiert. Dabei hat er nicht nur Parlamentsgeschichten geschrieben, sondern gelegentlich auch Parlamentsgeschichte. Wenn er jemanden oder sogar ein paar von uns von einer Idee überzeugen wollte, hat er seinen Schalk durchaus mit viel Hartnäckigkeit kombiniert.
Zum Abschluss möchte ich aus einer seiner vielbeachteten Reden zitieren: "Le Parlement dans les vignes, Féchy, 22 septembre 1993, baptême de la récolte vaudoise 1993 par Monsieur Paul Schmidhalter, président du Conseil national: Lully 85, Aubonne 82, Luins 73, Bursinel 77, Begnins 81, Vinzel 84, Perroy 79, Mont-sur-Rolle 83, Tartegnin 72, Féchy 75. Que signifient ces chiffres, vous demanderez-vous? Ce pourrait être la teneur en degrés Oechslé, mais ce n'est pas cela; ce n'est pas le pourcentage du Parti radical aux dernières élections fédérales - faut pas rêver!; (Hilarité) ce n'est pas encore le prix d'une bouteille de La Côte au Café fédéral à Berne, même si on s'en approche; ce ne sont pas non plus les meilleurs millésimes des vingt dernières années: c'est - vous l'aurez deviné - la proportion de oui à l'Espace économique européen le jour de la Saint-Nicolas 1992 dans ces beaux villages vignerons de La Côte!" (Hilarité, applaudissements)
Lieber John, wir danken Dir für Deinen grossen Einsatz für das Parlament ganz herzlich. Wir wünschen Dir für die Zukunft alles, alles Gute; mögest Du Zeit und Musse finden, einen edlen Tropfen zu geniessen, ohne bei den Öchslegraden immer gleich an die Politik denken zu müssen. Vielen herzlichen Dank! (Stehende Ovation)
Ich habe John Clerc angeboten, Ihnen am Mikrofon direkt Danke zu sagen, und er hat mir geantwortet: "Non, non, c'est contre le règlement!"Auch das ist John Clerc. (Heiterkeit, Beifall)
Wir haben drei intensive, arbeitsreiche Wochen hinter uns. Wir hatten zwei offizielle Abendsitzungen; zweimal haben wir länger getagt als vorgesehen. Wir haben dadurch viele Geschäfte erledigen können. So haben wir die Agrarpolitik, das Waffengesetz, das Stromversorgungsgesetz, die Unternehmenssteuerreform, das KVG, das Finanzmarktaufsichtsgesetz behandelt. Sie haben wirklich mitgeholfen, viel abzutragen.
Wir hatten uns ja vorgenommen, hier einmal den Versuch zu starten, persönliche Vorstösse ernst zu nehmen und sie zu behandeln. Es ist uns in diesen drei Wochen gelungen, 272 Vorstösse abzutragen. Jetzt fragen Sie sich sicher, wie viele neue Vorstösse denn eingereicht worden sind. Es sind weniger als in der letzten Session: Mit 280 Neueingängen ist der Stand ungefähr gleich geblieben. Aber das heisst doch, dass sich das Parlament bezüglich seiner Geschäfte erneuert, dass es sich bemüht, seine Aufgabe wahrzunehmen. Ich bin mit Ihnen sehr zufrieden. (Heiterkeit)
Ich weiss auch, dass es etliche Kolleginnen und Kollegen gibt, denen diese Arbeitslast zu viel war, zum Teil, weil sie zu Hause einen Betrieb haben, zum Teil, weil sie daneben noch Wahlkampf betreiben müssen. Wir werden in der Arbeitsgruppe des Büros sehen, wie wir mit den persönlichen Vorstössen weiter verfahren. Aber wenn Parlamentarierinnen und Parlamentarier Vorstösse einreichen, muss es doch das Ziel sein, dass man sie ernst nimmt und auch behandelt. Das haben wir versucht; wir werden in diese Richtung weitergehen.
Ich möchte daran erinnern, dass wir im Moment zwei Ratsmitglieder haben, denen es nicht so gut geht und die sich in Spitalpflege befinden. Es sind dies Hansjörg Walter und Josy Gyr-Steiner: Ich wünsche ihnen an dieser Stelle von Herzen alles Gute und gute Besserung; wir denken an sie. (Beifall)
Wenn das Parlament beschliesst, länger zu tagen - zum Teil auch ganz spontan, wie bei der Beratung der Agrarreform -, heisst das immer auch, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Parlamentsdienste länger arbeiten müssen. Ich danke hier ganz herzlich der Generalsekretärin, Mariangela Wallimann, Herrn Anliker, Monsieur Freléchoz, aber auch all jenen, die im Amtlichen Bulletin, beim Sicherheitsdienst oder bei der Technik ihren Dienst versehen. (Beifall)
Nun haben Sie eine Pause verdient. Ich entlasse Sie gerne in den Frühling; es sieht draussen zwar nicht danach aus. Geniessen Sie ein paar schöne Ostertage. Ich freue mich, Sie im Sommer wiederzusehen.
[VS]
[VS]
[VS]
Schluss der Sitzung und der Session um 09.50 Uhr
Fin de la séance et de la session à 09 h 50
[PAGE 601]
[VS]
[VS]
[VS]