Hess Hans · Ständerat · 2014-03-13
Hess Hans · Ständerat · Obwalden · FDP-Liberale Fraktion · 2014-03-13
Wortprotokoll
In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der noch langen Rednerliste beschränke ich mich auf einen Punkt. Anlässlich der Anhörungen hat uns der verantwortliche Spezialist für Verkehrslenkung über die Erfahrungen im Zusammenhang mit der Sanierung des Cityrings Luzern, d. h. der Sanierung des Luzerner Sonnenbergtunnels, orientiert. Er hielt dazu zusammenfassend fest: "Fazit nach Abschluss der Arbeiten auf dem Cityring Luzern: Das Konzept der Nacht- und Wochenendsperrungen hat sich vollumfänglich bewährt, wie sowohl seitens der betroffenen Gemeinden als auch von der Projektleitung sowie den ausführenden Unternehmungen bestätigt worden ist. Die Vorgaben bezüglich der Qualität der ausgeführten Arbeiten sind meines Wissens vollumfänglich erfüllt worden. Die Wiedereröffnung der Tunnels nach deren Sperrung erfolgte jeweils plangemäss, es gab wenige Verspätungen und höchstens solche von bis zu einer Viertelstunde; damit wurde eine grosse Herausforderung gemeistert."
Das war jetzt ausschliesslich die Sicht eines Technikers. Er blendete bei dieser Beurteilung vollständig aus, was sich auf den Verkehrsrouten in der Region abspielte, die an die Verkehrsachse des Sonnenbergtunnels angeschlossen sind. Wir haben in der Innerschweiz während der Sanierung des Sonnenbergtunnels erlebt, was es heisst, wenn der Rückreiseverkehr aus den Tourismusorten - Brünig/Hasliberg, Frutt, Engelberg, Andermatt und weiteren - besonders am Wochenende infolge der Sperrung vollständig zusammenbrach. Es herrschten während dieser Zeit für die Besucher unseres Gebietes unzumutbare Zustände. Ich darf hier sagen: Das Astra, insbesondere Herr Röthlisberger, hat sich intensiv bemüht, den Schaden klein zu halten. Trotzdem war der Schaden für uns gewaltig.
Wenn wir nun diese Situation auf die Sperrung des Gotthardtunnels übertragen, ist festzuhalten, dass wir uns gar nicht vorstellen können, was das für die Betroffenen auf der einen oder der anderen Seite des Tunnels bedeutet. In Bezug auf den Gotthardtunnel meinte der Experte im Vergleich zum Sonnenbergtunnel: "Bei der Erneuerung des Gotthard-Strassentunnels werden sich zudem einige besondere Herausforderungen stellen" - ich verzichte jetzt auf die Wiedergabe der erwähnten Herausforderungen; das können Sie im Protokoll nachlesen. Zum Schluss hielt er fest, die Erneuerung des Tunnels mit Nacht- und Kurzsperrungen werde insgesamt viel länger dauern und dann auch noch höhere Baukosten verursachen.
Aus diesen Erkenntnissen solcher Spezialisten ergibt sich für mich, dass es technisch wohl möglich sein wird, den Gotthard-Strassentunnel problemlos in Nacht- und Wochenendschichten zu sanieren, dass dies aber für die Betroffenen zu einer über Jahre dauernden, untragbaren Situation führen wird. Auch hier muss doch meiner Meinung nach gelten, dass wir als Politiker aufgefordert sind, Probleme wenn immer möglich zu lösen und nicht die Lösung der Probleme zu vertagen. Und wenn wir jetzt diese Sanierung so ins Auge fassen, wie es die Gegner der zweiten Röhre vorschlagen, vertagen wir das Problem auf später, und in dreissig Jahren wird die nächste Generation wieder gleich weit sein.
Ich beantrage Ihnen, auf die Vorlage einzutreten und dem Entwurf des Bundesrates bzw. dem Antrag der Mehrheit der Kommission zu folgen.