Vollmer Peter · Nationalrat · 2001-10-04
Vollmer Peter · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-10-04
Wortprotokoll
Verschiedene Sprecher haben den Tourismus beschworen und aufgrund dieser tourismuspolitischen Überlegungen der Idee der autofreien Sonntage eine radikale Absage erteilt. Ich gehe jetzt davon aus, dass wir real eigentlich nur noch über den Gegenvorschlag zu diskutieren haben, über den einen autofreien Sonntag. Wir haben gehört, dass die Initianten bereit sind, ihre Initiative zurückzuziehen, sofern dieser Gegenvorschlag in der Form dieser Gesetzesanpassung möglich wird. Ich muss Ihnen auch gestehen, nicht zuletzt in meiner Funktion als Direktor von Seilbahnen Schweiz, dass ich erstaunt bin, wie locker man auch vonseiten der Initianten mit dem Argument der touristischen Probleme umgeht. Der Tourismus ist eine Branche, in der wir aus verschiedenen anderen Gründen mit grossen Problemen konfrontiert sind. Ich würde davor warnen, allzu locker zu sagen: Da kann man jetzt noch einiges wegstecken, dafür haben einige Spass - machen wir ein paar Erlebnistage. Trotzdem meine ich, dass wir auch diesen einen Sonntag durchaus als Chance einer neuen touristischen Profilierung verstehen können.
Wenn wir uns nämlich Rechenschaft darüber ablegen, was denn eigentlich die Chance und das Besondere des schweizerischen Tourismus darstellen, stellen wir immer wieder fest, dass es nicht nur einfach die schönen Berge und die schöne Landschaft sind. Schöne Berge und schöne Landschaften gibt es auch anderswo auf unserem Erdball. Vielmehr besteht eine der ganz besonderen Eigenschaften und spezifischen Qualitäten unseres Tourismus darin, dass wir in unserem Land die Chance haben, diese Landschaft auch zu begehen, zu befahren und zu erleben. Wir können das in einer Kulturlandschaft tun, die intakt ist und die wir so geniessen können. Zu dieser intakten Kulturlandschaft gehört gerade auch - das ist eines der spezifischen Merkmale des Ergebnisses von Befragungen, weshalb vor allem unser Tourismus derart attraktiv ist -, dass dort wegen der intakten Kulturlandschaft eben auch die Ruhe als Kontrast zu unserem immer hektischer werdenden Alltag zu finden ist.
Ich meine, dass es unter diesem Aspekt durchaus eine Chance wäre, an einem derartigen Tag von mehr Ruhe und auch von mehr Zuwendung zu den Schönheiten unseres Landes - nach dem Beispiel des Antrages Föhn beispielsweise am Bettag - auch eine Aktion der gesamten touristischen Branche zu lancieren. Wir könnten dann auch eine Aktion für den öffentlichen Verkehr und die Bergbahnen lancieren, damit die Leute an diesem Tag diese Möglichkeit neu erleben, sie quasi mit diesen Möglichkeiten konfrontiert werden. Wir hätten damit durchaus auch eine Chance, hier unseren Tourismus und damit auch dessen Wertschöpfung durchaus positiv zu beeinflussen. Verstehen wir diese Möglichkeit als Chance, und sehen wir nicht überall nur immer die Gefahren und die Probleme. Probleme haben wir genug. Wir brauchen neue Felder, in denen wir Chancen entwickeln können. Ich meine, ein solcher Sonntag könnte eine Chance sein, wenn wir ihn positiv und richtig angehen, gerade auch für den Tourismus. Es könnte eine Chance sein, an einem solchen Tag einen derartigen Versuch zu starten - und ein Versuch ist es ja.
Wir müssen dann auch frei sein, die Resultate völlig ohne Scheuklappen zu beurteilen, die notwendigen Schlüsse [PAGE 1390] daraus zu ziehen und dann vielleicht diesen Tag auch wieder abzuschaffen oder anders zu konzipieren. Unter diesen Voraussetzungen, meine ich, ist es nicht ganz fair und nicht ganz korrekt, wenn man jetzt einfach nur mit dem Argument der Randregionen und des Tourismus eine Möglichkeit, eine solche Chance, eine neue Situierung eines solchen Tourismustages - ich würde ihn dann als Tourismustag deklarieren, als Tag der Bergbahnen und des öffentlichen Verkehrs - abwürgen will.
In diesem Sinn bitte ich Sie, dem Gegenentwurf zuzustimmen.