Jenny This · Ständerat · 2013-06-20
Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2013-06-20
Wortprotokoll
"Frauen an den Herd" gehört nicht unbedingt zu meinen Kernthemen. Aber das Treppenwitzchen von Frau Kollegin Fetz treibt mich doch ein wenig um. Frau Kollegin Fetz, es sind ja nicht die Alleinerziehenden, die betroffen sein werden. Nur weil man anderen etwas gibt, nimmt man nicht den Alleinerziehenden etwas weg. Wenn wir beschlössen, dass sie mir persönlich etwas geben, was einen sozialen Akt darstellen würde, dann nähmen wir ihnen etwas weg. Aber ansonsten mit den Alleinerziehenden - denjenigen, die es nötig haben - zu argumentieren ist hier wirklich kreuzfalsch. Ich muss Ihnen zugestehen, ich bin für Kinderkrippen, den Bedarf kann man heute nicht mehr wegdiskutieren. Ich plane eine Überbauung, und da realisiere ich fünfzig Kinderkrippenplätze, weil das ein Muss ist. Es ist ja heute nicht eine Frage des Wollens oder Nichtwollens. Die meisten Familien müssen heute doppelt arbeiten, doppelt verdienen, damit sie das Leben in dieser teuren Schweiz wirklich erträglich gestalten können.
Jetzt geht es darum, ob man jene, die eine andere Form wählen, auch entlasten soll. Ich meine, das wäre notwendig und wäre ein Akt der Gerechtigkeit. Hier nun aus finanzieller Perspektive gleich den Untergang des Staates heraufzubeschwören ist wirklich fehl am Platz.
Natürlich, Frau Kollegin Karin Keller-Sutter, es ist ein persönlicher Entscheid, das ist Tatsache. Es ist auch tatsächlich so, dass wir für vieles Steuern zahlen, wovon wir nicht profitieren. Gut, ich bekomme Staatsaufträge, aber viele in diesem Land erhalten keine Staatsaufträge und bezahlen trotzdem Steuern. Die können nicht monieren, sie profitierten da und dort nicht. Aber hier geht es um ein kleines Stück Gerechtigkeit, hier geht es um jene, die tatsächlich den Weg wählen, die Kinder zu Hause selber zu betreuen.
Aber den Gedanken, dass die Frauen an den Herd gehören, können Sie nicht allen unterstellen. Ich weiss doch sehr wohl auch, dass jene, die eine gute Ausbildung genossen haben, wie die übrigen anderen auch, mindestens zwei bis drei Tage ihrem Beruf nachgehen wollen, das ist ja logisch. Wenn jemand wieder voll ins Berufsleben einsteigen will, kann er sich nicht dreissig Jahre vom Beruf entfernen. Aber hier würden Sie nichts falsch machen, wenn Sie auch jene berücksichtigen würden, die nun tatsächlich einen anderen Weg wählen. [PAGE 615]
Das mit dem SBB-Generalabonnement zu vergleichen ist kühn. Wenn Sie nämlich die Kinder in die Krippe schicken, dann kostet das den Staat etwas, das ist ja nicht eine Rundumschlaufe à la "Ich zahle an die Krippen so viel, wie es den Staat kostet". Es kostet den Staat tatsächlich viel, und wenn ich die Kinder nicht hinschicke, dann spart der Staat. Das sollten wir fördern. Ich werde mir kein Leid antun, wenn Sie hier anders entscheiden, aber es geht um einen Akt der Gerechtigkeit.