Keller Peter · Nationalrat · 2014-03-18
Keller Peter · Nationalrat · Nidwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2014-03-18
Wortprotokoll
Ich erlaube mir, an dieser Stelle meine Interessenbindung offenzulegen. Ich war Werkstudent und habe keinen einzigen Stipendienfranken bezogen. Wenn ich nun den Initianten Glauben schenke und der linken Ratshälfte zuhöre, dann komme ich zum Schluss, dass es Fälle wie mich eigentlich gar nicht geben dürfte. Ich habe einen handwerklich-bäuerlichen Hintergrund, in der Familie sind weit und breit keine Akademiker auszumachen. Ich bin im Kanton Nidwalden aufgewachsen, einem ländlichen Kanton mit vergleichsweise tiefen Stipendien. Um es mit den Worten von Jean-François Steiert zu sagen: Nach dem Gesetz der sozialen Reproduktion wäre für mich gar kein akademischer Weg vorgesehen gewesen. Fakt ist, dass ich trotzdem ein Studium absolviert habe, und ich bin sogar überzeugt, dass mein Werdegang ohne Stipendien eine positivere Wendung genommen hat. Weshalb? Ich konnte wertvolle Erfahrungen in verschiedensten Tätigkeitsbereichen sammeln, von der Montage bis zur Finanzbuchhaltung. Letztlich hat mir die Arbeit meinen Berufseinstieg ermöglicht, da ich nach einer Stellvertretung an einer Mittelschule eine fixe Anstellung bekommen habe.
Natürlich ist es wesentlich bequemer, Stipendien zu bekommen, die man nicht zurückbezahlen muss. Aber Bequemlichkeit kann nicht der Ansatz sein. Diese Stipendien-Initiative züchtet eine Anspruchsmentalität auf Kosten der Allgemeinheit. Es geht hier um die tertiäre Ausbildung, also um die Ausbildung nach der obligatorischen Schulzeit. Der Besuch einer Hochschule ist ein Privileg. Dieses Privileg wird mit Milliarden von Steuerfranken von einer Mehrheit der Bevölkerung finanziert, die diese Ausbildungsangebote gar nicht in Anspruch nimmt.
Ein paar Beispiele: Laut Bundesamt für Statistik kostet die Ausbildung eines Theologiestudenten rund 39 000 Franken. Jene von Sprach- und Literaturwissenschaftern ist mit rund 24 000 Franken etwas preiswerter. Naturwissenschafter hingegen - wenig erstaunlich, da kommen höhere Forschungsgelder dazu - kommen auf rund 63 000 Franken. Das sind alles stattliche Summen. [PAGE 398]
Die Initiative will nun auch noch wesentlich höhere Stipendien, denn unter Harmonisierung verstehen die Initianten selbstverständlich eine Anpassung nach oben. Vielleicht wäre es einmal eine Alternative, eine Harmonisierung nach unten anzustreben. Wie erklären Sie aber, liebe Initianten, diese Forderungen einer Handwerkerfamilie, die mit ihren Steuern schon jetzt ein Studium ermöglicht, das mehrere Zehntausend Franken kostet?
Wer studiert, investiert in seine berufliche Zukunft - mit der Aussicht, dass sich seine Investition auszahlt, in Form einer qualifizierten Anstellung mit entsprechender Entlöhnung. Dafür sollen der Student und die Studentin nach Möglichkeit ihren eigenen Beitrag leisten. Für alle anderen Fälle haben wir bereits verschiedene Formen der Unterstützung.
Wir lehnen die Stipendien-Initiative entschieden ab.