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Graf Maya · Nationalrat · 2014-06-03

Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2014-06-03

Wortprotokoll

Die Mehrheit der grünen Fraktion beantragt Ihnen, der Minderheit Lohr und somit auch dem Ständerat und dem Bundesrat zu folgen.

Die Mehrheit der Kommission will die Möglichkeit von sogenannten Retterbabys zulassen. Dabei wird die HLA-Typisierung dazu eingesetzt, aus den mittels künstlicher Befruchtung gezeugten Embryonen diejenigen für die Implantation auszuwählen, die immunologisch die gleichen Merkmale mitbringen wie ein erkranktes Geschwisterkind. Die Hoffnung besteht beispielsweise darin, dass eine spätere Transplantation von passendem Knochenmark zur Heilung des Geschwisters beitragen kann. Warum äussert sich die Mehrheit der grünen Fraktion kritisch zu dieser Ausweitung der Präimplantationsdiagnostik?

Beim sogenannten HLA-Matching handelt es sich um eine positive Selektion von Embryonen: Gesunde Embryonen werden verworfen, weil sie nicht immunkompatibel sind, nicht weil sie einen genetischen Defekt haben. Es wird also ein künftiges Kind im Interesse eines kranken anderen Kindes gezeugt. Das ist ethisch problematisch. Und ist es nicht auch eine Instrumentalisierung? Kinder sollten nie zu einem bestimmten Zweck geboren werden. Zudem werden in diesem Verfahren alle anderen Embryonen vernichtet, die keinen Defekt aufweisen, aber bestimmte Gene eben nicht tragen.

Ausserdem ist dieses Verfahren rein medizinisch noch nicht so sicher. Da die Embryonen innerhalb unterschiedlicher Zellen auch unterschiedliche Genomstrukturen aufweisen, kann die untersuchte Zelle andere immunologische Merkmale aufweisen als der Embryo selbst. Dies zeigt sich auch darin, dass die Erfolgsraten nicht sehr hoch sind. Das Verfahren wurde erstmals 2001 in den USA durchgeführt. Im Jahr 2009 war europaweit bei 31 von insgesamt 950 Geburten nach einer Präimplantationsdiagnostik dieses Retterbaby-Verfahren eingesetzt worden. Das Verfahren wird also relativ selten eingesetzt, denn die Suche nach einem kompatiblen Embryo gestaltet sich schwierig. Es bedarf mehrerer IVF-Zyklen, um einen passenden Embryo zu finden, der selbst nicht Träger der Krankheit ist. Das Verfahren ist mit hohen psychischen und physischen Belastungen für die Frau verbunden, die sich einer Hormonbehandlung unterziehen muss. Es ist auch so, dass bis heute leider Daten fehlen bezüglich der psychologischen Auswirkungen auf die betroffenen Kinder, sei es auf das Retterkind selbst oder sein Geschwister, dem geholfen werden sollte oder muss, und auf die Familien.

Aus all diesen Gründen beantragen wir Ihnen mehrheitlich, der Kommissionsmehrheit nicht zu folgen und die Minderheit Lohr zu unterstützen.