Wyss Brigit · Nationalrat · 2011-03-07
Wyss Brigit · Nationalrat · Solothurn · Grüne Fraktion · 2011-03-07
Wortprotokoll
Artikel 4 des Bundespersonalgesetzes regelt die Personalpolitik des Bundes. Dort steht beispielsweise, dass geeignete Massnahmen zu treffen seien zur persönlichen und beruflichen Entwicklung, zur Kaderförderung, für die Chancengleichheit von Frau und Mann und zu deren Gleichstellung, zur Schaffung von Arbeitsbedingungen, die dem Personal erlauben, seine Verantwortung in Familie und Gesellschaft wahrzunehmen. Die Frauenförderung [PAGE 211] vor allem auch beim Kader steht also beim Bund durchaus auf der Agenda. Flexible Arbeitsbedingungen und vor allem die bessere Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben sollen durch Telearbeit, Jobsharing oder etwa das Teilen einer Stelle in einer Führungsposition, das sogenannte Topsharing, gefördert werden.
Trotzdem hat der Bundesrat im März 2010 im Bericht zur Umsetzung der Bundespersonalpolitik 2009 feststellen müssen, dass die Umsetzung seiner Politik zwar in die von ihm vorgegebene Richtung geht und dass der Anteil von Frauen und Lernenden durchaus gestiegen ist. Während aber die Werte in den Lohnklassen 1 bis 11 mit knapp 40 Prozent über dem Soll-Wert liegen, befindet sich der Frauenanteil in den Lohnklassen 24 bis 29 mit nur 23 Prozent deutlich darunter. Diese Zahlen belegen eindrücklich, dass auch beim Bund die gläserne Decke nach wie vor dick ist.
Das Modell der gemeinsamen Führungsverantwortung ist eine Möglichkeit, Frauen in Kaderpositionen zu fördern. Der Bund selber hat sich an entsprechenden Pilotprojekten beteiligt; die Resultate waren gut bis sehr gut. Das Modell der gemeinsamen Führungsverantwortung ermöglicht es Frauen und Männern, sowohl die berufliche Karriere wie auch familiäre und persönliche Aufgaben und Interessen zu verfolgen. Topsharing fördert somit eine geteilte Verantwortung in Beruf, Partnerschaft und Familie und leistet damit einen nachhaltigen Beitrag zur Erhöhung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbs- und Privatleben.
Wir feiern dieses Jahr 40 Jahre Frauenstimmrecht, 30 Jahre Gleichstellungsartikel und 15 Jahre Gleichstellungsgesetz. Wohl auch aus diesem Grund hat das Staatssekretariat für Wirtschaft letzte Woche unter dem Titel "Frauen in Führungspositionen: So gelingt's" eine Sammlung von "good practices" für Wirtschaftskreise - Topsharing gehört dazu - veröffentlicht. Es sei nicht nur möglich, sondern auch im Interesse der Unternehmen, mehr Frauen in Führungspositionen zu haben. Diese Initiative wird vom Schweizerischen Arbeitgeberverband und vom Schweizerischen Gewerbeverband unterstützt.
Der Bundesrat veröffentlicht aber nicht nur Ratschläge für Unternehmen, sondern ist auch bereit, Frauen in Führungspositionen in der Bundesverwaltung nachhaltiger als bisher zu fördern. Er empfiehlt deshalb die vorliegende Motion zur Annahme.
In diesem Sinne bitte ich Sie, der Motion zuzustimmen und damit der erwähnten Initiative des Seco für mehr Frauen in Führungspositionen auch in der Bundesverwaltung Nachachtung zu verschaffen.