Lexipedia

AB 157831

Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2014-06-12

Wortprotokoll

Es ist überhaupt keine Frage, Herr Nationalrat Aebischer, dass es um eine Stärkung der höheren Berufsbildung gehen muss. Sie wissen, dass das ein prioritäres Anliegen meines Departementes ist. Es muss aber gelten: gleichwertig und andersartig; darauf haben wir uns immer wieder geeinigt. Es ist also [PAGE 1020] weder eine Vermischung der Titelstrukturen noch eine Akademisierung der höheren Berufsbildung erwünscht.

Der Bund hat 2013 das Strategieprojekt höhere Berufsbildung lanciert. Gemeinsam mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt sind wir daran, eine verbesserte Finanzierung und Positionierung zu erarbeiten. Zu den vorgeschlagenen Titeln wurde eine Analyse durchgeführt. Das Ergebnis lässt sich in aller Kürze wie folgt zusammenfassen: Ein Prestigegewinn für die Absolvierenden wäre fraglich. Es bestünde sogar das Risiko, dass man sich dem Vorwurf des Etikettenschwindels aussetzen würde oder dass vom Bachelor zweiter Klasse gesprochen würde. Wie gesagt, hätte eine Vermischung der Titelstrukturen eine unerwünschte Akademisierung der höheren Berufsbildung und eine Flut von neuen Titeln zur Folge.

Wir haben in unseren Untersuchungen auch die Unternehmen einbezogen. Die Stellungnahmen der Unternehmen als Hauptabnehmer der Absolventen gehen mehrheitlich dahin, dass eine neue Titelbezeichnung, die im Verdacht der Akademisierung steht, nicht erwünscht ist. Die Qualifikationsrahmen sind bekannt, die Diplomzusätze waren angesprochen - auf dieser Basis wollen wir den Weg finden. Entsprechend hat der Nationalrat am 11. Juni 2012 die Motion Tschümperlin 11.3618 mit analogen Forderungen schon einmal abgelehnt. Zwischenzeitlich wird intensiv gesucht und an einer Lösungsfindung gearbeitet.

Der Bundesrat empfiehlt Ihnen, die Motion Aebischer abzulehnen, verbunden mit der Zusage, dass wir uns der Herausforderung in Bezug auf eine Positionierung der Abschlüsse der höheren Berufsbildung sehr wohl bewusst sind und dass wir dieses Thema auch im Zuge der BFI-Botschaft 2017-2020 dem Parlament zur Diskussion vorlegen werden.