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Fetz Anita · Ständerat · 2011-06-07

Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2011-06-07

Wortprotokoll

Die meisten Leute, hat Kollege Jenny gesagt, haben andere Probleme. Das mag sein, lieber Kollege Jenny, aber ich muss immerhin feststellen, dass Stress am Arbeitsplatz jährlich Kosten in der Höhe von 10 Milliarden Franken verursacht - zulasten der Öffentlichkeit notabene. 20 Prozent der Männer - es sind vor allem Männer aus der Baubranche - beziehen vor der Pensionierung mehrere Jahre lang eine IV-Rente - auf Kosten der Öffentlichkeit. 40 Prozent derjenigen, die sich unfreiwillig vorzeitig pensionieren lassen, tun dies aus gesundheitlichen Gründen. Das sind Zahlen, die man auch nicht vergessen darf. Die Kosten der grösseren Hektik am Arbeitsplatz werden auf die Öffentlichkeit abgewälzt, statt dass man die Leute sich mit mehr Ferien gut erholen liesse. Jetzt kann man natürlich sagen: Ja gut, die Leute können selber für sich sorgen. Fakt ist, dass das nicht getan wird.

Noch eine Zahl: 2007 - die Zahl aus diesem Jahr ist die neueste, die mir bekannt ist - wurden in der Schweiz 186 Millionen Überstunden geleistet. Das entspricht etwa 100 000 Stellen, was heisst, dass x Leute sehr viel mehr gearbeitet haben. Natürlich glaube ich auch, dass in ihrer Lohntasche danach mehr war. Es gibt verschiedene andere Gründe für die Leistung von Überstunden, man leistet z. B. Überstunden aus Solidarität, weil Kollegen krank sind. Aber man kann nicht sagen, dass eine vorgeschriebene längere Ferienzeit unnötig wäre; das kann man nicht sagen. Man kann sich allenfalls auf den Standpunkt stellen, dass man es nicht gesetzlich regeln muss, dass die Betriebe es freiwillig machen können - zum Teil tun sie es schon. Auch das stimmt, aber ich möchte Ihnen einfach noch einen Gedanken mitgeben.

Heute schon haben wir in gewissen Bereichen einen Fachkräftemangel. Aufgrund der demografischen Entwicklung haben wir in zehn bis zwanzig Jahren einen massiven Fachkräftemangel. Es wird dann so sein, dass die grossen Betriebe den Mitarbeitern, die sie haben wollen, grosszügig Ferien geben werden und dass die kleinen Betriebe, von denen vorhin Kollege Jenny gesprochen hat, untergehen werden, weil sie sich diese Zusatzangebote, um an fachlich qualifizierte Leute zu kommen, gar nicht mehr leisten können. Ich denke, aus der Sicht einer KMU kann es durchaus auch einen Wettbewerbsvorteil oder gleich lange Spiesse bedeuten, wenn alle gesetzlich mehr Ferien gewähren müssen und dies nicht nur die Grossen tun, die sich eh alle Zusatzangebote leisten können, wenn sie nur ihre hochqualifizierten Leute bekommen.

Das sind meine Überlegungen, die mich dazu bringen, zu den 6 Wochen Ferien Ja zu sagen.