Forster-Vannini Erika · Ständerat · 2011-06-07
Forster-Vannini Erika · Ständerat · St. Gallen · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2011-06-07
Wortprotokoll
Die Initianten erachten die Forderung ja als gezielte und moderne Antwort auf die aktuelle und auf die zukünftige hohe Belastung der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz. Herr Zanetti, ich gehe mit Ihnen einig, es wird wohl niemand bestreiten, dass die Belastungen am Arbeitsplatz teilweise hoch bis sehr hoch sind. Aber es wird wohl auch niemand bestreiten, dass die Belastungen am Arbeitsplatz nicht überall und vor allem nicht in allen Berufen gleich hoch sind. Sie haben erwähnt, dass die Hektik zum Teil auch auf die Freizeit übergreift. Es ist ja niemandem verwehrt, sich von dieser Hektik in der Freizeit nicht anstecken zu lassen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass es auch ein Statussymbol ist, wenn man in der Freizeit ständig das Natel am Ohr hat.
Die Gesamtarbeitsverträge zeigen, dass sich in den unterschiedlichen Branchen die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmerseite darüber einig geworden sind, dass zusätzliche Ferien für alle gewinnbringend sind. Auch in den Unternehmungen ohne Gesamtarbeitsvertrag werden nach Möglichkeit bereits heute zusätzliche, individuell vereinbarte Arbeits- und Ferienmodelle angeboten. Mir scheint eben, dass das die richtige Antwort ist, und nicht, dass man eine Forderung in die Verfassung aufnimmt. Es soll auch weiterhin den einzelnen Unternehmen und Branchen überlassen sein, soweit möglich gute Arbeitsbedingungen anzubieten. Auch wenn die Überlegungen, die hinter der Initiative stehen, sinnvoll sind, ist es nicht zielführend, die Forderung nach 6 Wochen Ferien in der Bundesverfassung festzuschreiben.
Auch bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie - eine fehlende Vereinbarkeit führt ja gerade bei vielen Frauen zu unhaltbaren Situationen, zu einer Überforderung - sind zusätzliche Ferienwochen nicht unbedingt die Antwort auf das Problem. Es wäre weit besser, flexible Arbeitszeiten verbunden mit guten Kinderbetreuungsangeboten zu haben. Das wäre weit hilfreicher als eine oder zwei zusätzliche Ferienwochen, denn Kinderbetreuungsangebote und flexible Arbeitszeiten helfen weit mehr, Stress zu vermeiden.
In diesem Sinn bitte auch ich Sie, die Initiative nicht zur Annahme zu empfehlen - bei allem Verständnis dafür, dass die Arbeitnehmer heute wirklich stark gefordert sind.