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Bischofberger Ivo · Ständerat · 2012-06-04

Bischofberger Ivo · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · Fraktion CVP-EVP · 2012-06-04

Wortprotokoll

In knapp einem Monat, am 6. Juli 2012, werden nicht wenige unserer Maturae et Maturi zu den Eignungsprüfungen, den sogenannten EMS-Tests, für das Medizinstudium mit Beginn im Studienjahr 2012/13 antreten. Mit einem Schreiben vom 13. März dieses Jahres orientierte die Schweizerische Universitätskonferenz die Rektorate respektive Schulleitungen der Gymnasien über den Stand der Dinge bezüglich der Anmeldungen zu den Zulassungsprüfungen zum Medizinstudium in Humanmedizin und der entsprechenden Aufnahmekapazitäten. Die Zahlen präsentieren sich wie folgt: Uni Basel: 700 Anmeldungen, 130 Plätze Aufnahmekapazität; Uni Bern: 680 Anmeldungen, 180 Plätze Aufnahmekapazität; Uni Freiburg: 293 Anmeldungen, 103 Plätze Aufnahmekapazität; Universität Zürich: 1447 Anmeldungen, 240 Plätze Aufnahmekapazität; Total: 3120 Anmeldungen, 653 Plätze Aufnahmekapazität.

Unsere Aufgabe als Rektoren und Fachlehrer ist alles andere als einfach. Sie war und ist es, die studienwilligen und -fähigen Maturandinnen und Maturanden trotz dieser erschreckenden, ja abschreckenden Zahlen und Prognosen zu motivieren, ein Medizinstudium nach wie vor als positive Perspektive vor Augen zu halten und sich trotz allem positiv auf die Zulassungsprüfungen einzustellen und sich entsprechend vorzubereiten.

Zudem - und auch das ist unseren Studentinnen und Studenten bekannt - wird der Ärztemangel in der Schweiz laut mehrerer Quellen immer akuter. Aktuell arbeiten über 7500 Ärztinnen und Ärzte mit einem ausländischen Diplom in Schweizer Privatpraxen oder Spitälern. Zu Jahresbeginn veröffentlichte das BFM die Zahlen betreffend Einwanderung von Ärzten. Diese zeigen folgendes Bild: Waren es 2005 noch total 864, so steigerte sich die Zahl bis 2009 auf 1323 und in den Jahren 2010 respektive 2011 auf gegen 2000. Dabei stammen über 45 Prozent der Ärztinnen und Ärzte aus unserem Nachbarland Deutschland. Diese Situation ist äusserst unbefriedigend, vor allem mit Blick auf die Tatsache, dass Deutschland seine fehlenden Ärzte aus Polen rekrutiert, Polen seinen Bedarf mit Medizinern aus der Ukraine abdeckt usw. Das dürfen wir einfach nicht akzeptieren.

In ernsthafter Würdigung dieser Tatsachen ist ein Numerus clausus, welcher unseren jungen, talentierten Schweizer Studentinnen und Studenten in unverhältnismässiger Art den Weg zum Medizinstudium versperrt, fragwürdig und nicht mehr zu verantworten. Tatsache ist, dass unser Land ganz allgemein zu wenig Ärztinnen und Ärzte hat, also nicht nur zu wenig Hausärztinnen und Hausärzte ausbildet.

Was ist zu tun? Es wäre sicher zu kurz gegriffen, lediglich die Aufweichung oder gar die Abschaffung der Zulassungsprüfungen zum Medizinstudium zu fordern. Um den Ärztemangel zu lindern, braucht es mehr als eine Massnahme. Problemlösungen sind, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der knappen Ressourcen, auf verschiedenen Ebenen gefordert. Diskutiert werden müssen sicher neue Modelle für das Studium; diskutiert werden müssen die hohen Anforderungen für einen Schweizer Facharzt im Vergleich zum Ausland; diskutiert werden müssen mit Blick auf die zukünftige signifikante Feminisierung des Arztberufes sicher auch neue Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle; diskutiert werden muss schliesslich auch die Forderung, dass die medizinischen Fakultäten der betroffenen fünf Hochschulkantone ihre Studenten auch dann promovieren, wenn sie das Klinikum nicht an einem ihrer Universitätsspitäler, sondern an einem qualifizierten A-Spital, z. B. in Neuenburg, Freiburg, Aarau, Luzern oder St. Gallen, absolviert haben.

Um all diese Fragen umfassend abklären und einer konstruktiven Lösung zugunsten unserer jungen Studentinnen und Studenten zuführen zu können, bitte ich Sie, den Motionen zuzustimmen.