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Teuscher Franziska · Nationalrat · 2009-03-05

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2009-03-05

Wortprotokoll

Heute startet Nationalrat Ueli Giezendanner bei uns im Parlament eine weitere Runde auf seinem Formel-1-Ring. Die Kommissionssprecher haben einen Blick zurückgeworfen: Wir haben am 21. März 2003 im Parlament mit der Diskussion über Formel-1-Rennen begonnen. Heute haben wir den 5. März 2009. Nüchtern betrachtet muss man sagen, die Formel-1-Rennen kommen einfach nicht richtig vom Fleck. Bis anhin habe ich Ueli Giezendanner bei dieser Debatte zu der parlamentarischen Initiative nicht im Saal gesehen; ich werte das als Zeichen dafür, dass auch er die Formel-1-Rennen aufgegeben hat. Ah, da ist er ja, aber er hört mir nicht zu, das ist vielleicht der Fehler.

Ich hoffe, dass wir heute nach der Beratung sagen können: Es war ein Rausch und viel Lärm um nichts. Es gab zwei [PAGE 131] hoffnungsvolle Ereignisse in der Behandlung der Formel-1-Rundstreckenrennen: Der Bundesrat hat für einen ersten Dämpfer gesorgt, als er am 1. Februar 2006 Nichteintreten auf die Vorlage beantragt. Auch der Ständerat hat am 4. Oktober 2007 Nichteintreten beschlossen und damit den Formel-1-Rennen einen weiteren Dämpfer verpasst.

Die Kommissionssprecher behaupteten, das Verbot von Formel-1-Rennen sei überholt. Die Kommissionsminderheit stellt dagegen die Frage, ob in einer Zeit erschreckenden Klimawandels nicht vielmehr Formel-1-Rennen überholt seien. Ich sage: Das Verbot ist heute zeitgemässer denn je.

Für die Kommissionsminderheit gibt es vor allem vier Gründe, warum sie Formel-1-Rennen in der Schweiz nicht zulassen will:

1. Der Klimaschutz: Ein Formel-1-Rennen ist immer klimabelastend. Zum einen tragen die Rennautos selber zum CO2-Ausstoss bei, viel belastender aber ist der zusätzliche Autoverkehr, den solche Rennen nach sich ziehen. Da nützt auch das Argument nichts, das der Kommissionssprecher vorgebracht hat, wonach wir die Zahl der Fahrten reduzieren würden, weil dann alle interessierten Schweizer und Schweizerinnen mit ihrem Auto nicht mehr ins Ausland fahren würden.

2. Die Raumplanung: Eine Rundstrecke wie der Nürburgring benötigt 20 Quadratkilometer. In der Schweiz, wo jede Sekunde ein Quadratmeter Land unter Beton verschwindet, haben Formel-1-Strecken schlichtweg keinen Platz.

3. Der Gesundheitsschutz: Rundstreckenrennen verursachen einen tosenden Lärm. Sowohl die Rennautos wie der Zubringerverkehr verwandeln die Gegenden rund um eine Rennstrecke in eine lärmige Hölle. In einem Land, das so dicht besiedelt ist wie die Schweiz, will wohl niemand eine Rundstrecke vor seiner Haustüre.

4. Die wirtschaftlichen Überlegungen: Es ist absurd, dass die Kommissionssprecher behaupten, Rundstreckenrennen hätten ein wirtschaftliches Potenzial. Die Kommissionsminderheit bezweifelt, dass eine Randregion mit einer Formel-1-Rundstrecke einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben würde. Werfen wir hier einen Blick über die Landesgrenze: In Belgien machte man sich mit dem Bau einer Formel-1-Strecke ähnliche Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung, doch anstatt des erwarteten Geldsegens hatte man dann ein Fass ohne Boden. Viele europäische Strecken haben je länger, je mehr Mühe, sich gegen die internationale Konkurrenz durchzusetzen. Wenn die Kommissionssprecher und insbesondere auch Herr Giezendanner etwas für die Wirtschaft in der Schweiz und für die Innovation in unserem Land machen wollen, dann sollen sie lieber mithelfen, im Rahmen der Konjunkturmassnahmen ein Programm zu starten, durch das Ingenieurinnen und Ingenieure ausgebildet werden, die dann Technologien für den ressourcenschonenden Einsatz von Energie entwickeln können. Da wäre ich sofort mit von der Partie.

Bei den Formel-1-Rennen geht es doch vor allem um einen Kult der Raserei. Es geht in vielen Fällen um ein sensationelles Spiel mit dem Tod; die Formel-1-Rennen sind der Circus Maximus der Neuzeit.

Deshalb bitte ich Sie: Beenden wir heute unser parlamentarisches Formel-1-Rennen; treten wir auf diese Vorlage nicht ein.