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Schenk Simon · Nationalrat · 2009-03-05

Schenk Simon · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2009-03-05

Wortprotokoll

Die Formel 1 geht in die nächste Runde. Ich rekapituliere hier kurz den bisherigen Rennverlauf: Am 22. September 2004 hat der Nationalrat die parlamentarische Initiative Giezendanner mit 88 zu 75 Stimmen gutgeheissen. Die nationalrätliche Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen hat am 22. November 2005 einen Entwurf zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes bezüglich der Aufhebung des Verbots von Rundstreckenrennen in der Schweiz verabschiedet. Diesem Vorschlag hat unser Rat im Juni 2007 zugestimmt. Der Ständerat hat darauf, im Oktober 2007, mit 22 zu 21 Stimmen Nichteintreten auf die parlamentarische Initiative beschlossen. Die KVF-NR hat jedoch am 30. Oktober 2008 an ihrem ursprünglichen Entscheid festgehalten und dem Vorhaben auch in der zweiten Beratung mit 13 zu 9 Stimmen bei 1 Enthaltung zugestimmt - ein relativ klares Abstimmungsergebnis.

Im Namen der Kommissionsmehrheit bitte ich Sie, diesen Entscheid zu unterstützen und der parlamentarischen Initiative erneut zuzustimmen.

Wie bereits in der Kommission wollen wir hier nicht noch einmal eine ausführliche Grundsatzdiskussion führen, sondern vor allem die wichtigsten Argumente im Kurzverfahren durchgehen, weil ja nicht alle Ratsmitglieder bei der ersten Beratung dabei waren. Das Wichtigste vorweg: Es trifft zu, dass der Titel der Initiative vielleicht nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Es geht nämlich nicht in erster Linie um die Formel 1. Erst in zweiter, dritter oder vierter Linie könnte man die Formel 1 ins Spiel bringen - falls sie in der Schweiz überhaupt einmal ein Thema sein sollte. Im vorgeschlagenen Gesetzestext geht es insbesondere darum, dass das längst überholte Verbot von Rundstreckenrennen in der Schweiz aufgehoben wird. Erst wenn dieses Verbot aufgehoben würde, hätten private Investoren die Möglichkeit, in der Schweiz eine Rundstrecke zu bauen. Wenn dann irgendwann einmal in der Schweiz eine solche Rundstrecke existieren würde, wäre es immer noch ein weiter Weg, bis man - wenn überhaupt - über ein Formel-1-Rennen in der Schweiz diskutieren könnte.

Tatsache ist, dass das bestehende Verbot von Rundstreckenrennen in der Schweiz heute überholt ist. Es geht nämlich zurück auf einen schlimmen Unfall in Le Mans mit 80 Toten im Jahr 1954. In der Zwischenzeit sind jedoch die Sicherheitsvorkehrungen bei Autorennen um Welten verbessert worden. Die Sicherheit für die Rennfahrer ist heute so gross, dass es kaum mehr schlimme Unfälle gibt. Eine Fahrt auf der Autobahn A1 zwischen Zürich und Bern im Stossverkehr ist wahrscheinlich gefährlicher als das Bestreiten eines Formel-1-Rennens. Die Formel 1 und die mit ihr zusammenhängenden Testfahrten auf geschlossenen Rennstrecken haben für die Sicherheitstechnologie des Strassenverkehrs Vorbildcharakter. Eine solche Strecke ist also nicht in erster Linie eine Rennstrecke, sondern ein wichtiges Element bei der Verbesserung der Sicherheit, aber auch bei der technischen Weiterentwicklung der Motoren, und ganz besonders ist sie auch ein wirtschaftlicher Faktor.

Bei Testfahrten auf einem geschlossenen Rundkurs kann u. a. die Technologie der Motoren verfeinert und ausgebaut werden. Wenn unsere Autoindustrie weitere umweltfreundliche Fahrzeuge entwickeln will, sind Testfahrten auf derartigen Rundstrecken unerlässlich. Beim Stichwort "umweltfreundlich" muss auch erwähnt werden, dass heute sämtliche Rennen der Schweizer Meisterschaft und auch die Trainings dazu auf ausländischen Rundstrecken ausgetragen werden müssen, da in der Schweiz keine Rundstrecke existiert. Es ist nicht umweltfreundlich, wenn der ganze Tross der Autorennfahrer inklusive Zuschauer nach Hockenheim, Le Mans oder Le Castellet fährt, um dort die Läufe zur Schweizer Meisterschaft auszutragen. Da wäre es doch auch umweltpolitisch viel sinnvoller, wenn diese Rennen zum Teil in unserem Land ausgetragen werden könnten.

Schliesslich muss gerade in der heutigen Zeit auch berücksichtigt werden, dass eine solche Anlage auch wirtschaftlichen Nutzen bringt. Der Bau einer Rundstrecke hätte grosse private Investitionen zur Folge. Die Anlässe, die darauf stattfinden würden, könnten für eine bestimmte Region zur Goldgrube werden. Es ist, gelinde ausgedrückt, fahrlässig, wenn man in der heutigen Zeit durch das Festhalten an einem längst überholten Verbot ein derartiges wirtschaftliches Potenzial aus unserem Lande verbannt.

Nicht zuletzt sei hier erwähnt, dass die Schweiz mit Leuten wie Jo Siffert, Clay Regazzoni, Marc Surer, Peter Sauber, Tom Lüthi, Randy Krummenacher und anderen schon wichtige Kapitel im internationalen Motorsport geschrieben hat und immer noch schreibt. Da wäre es doch nichts als recht, wenn man solchen Leuten ermöglichen würde, ein nächstes Kapitel vielleicht irgendeinmal auch in der Schweiz zu schreiben.

Aus sportlichen, umweltpolitischen und insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen bitte ich Sie, an unserem früheren Entscheid festzuhalten und erneut auf die parlamentarische Initiative einzutreten.

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