Walter Hansjörg · Nationalrat · 2012-06-07
Walter Hansjörg · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2012-06-07
Wortprotokoll
Wenn wir in den Saal schauen, in Richtung FDP-Liberale Fraktion, dann vermissen wir unseren Ratskollegen Otto Ineichen. Wir sehen an seinem Platz Blumen, die uns an ihn erinnern.
Der überraschende Tod von Otto Ineichen kurz vor seinem 71. Geburtstag reisst zuallererst eine äusserst schmerzhafte Lücke in seine Familie, er reisst aber auch eine grosse Lücke in unseren Rat und in die Schweizer Politik.
Otto Ineichen wurde 2003 für die Luzerner Freisinnigen in den Nationalrat gewählt. Er war zu dieser Zeit auf nationalem Parkett kein Unbekannter, hatte er sich doch als erfolgreicher und volksverbundener Unternehmer bereits einen Namen gemacht.
Als Quereinsteiger in die Politik ärgerte er sich gelegentlich über die Trägheit unseres politischen Systems. Otto Ineichen war ein Macher, einer, der Probleme sah und sie lösen wollte, und zwar möglichst subito. Er war einer, der anpackte und nie um klare Aussagen verlegen war. Diese unternehmerischen Qualitäten setzte er auch in der Politik ein. So, wie er ein volksverbundener Unternehmer war, wurde er bald auch zum volksverbundenen Politiker. Die Schweizer Wirtschaft und vor allem deren Hauptstütze, die kleinen und mittleren Unternehmen, waren ihm ein zentrales Anliegen; für sie setzte er sich mit grossem Engagement ein. Unvergessen, wie er hier vorne immer wieder stand und laut und deutlich die Position der KMU, aber auch der entsprechenden Leute verteidigte; zum letzten Mal in der Frühjahrssession bei der Swissness-Vorlage. Aber wie es sich für einen echten Patron gehört, nahm er keine einseitigen Positionen ein; ihm war klar, dass die Sicht des Unternehmers immer auch die Interessen der Arbeitnehmer und der gesamten Gesellschaft berücksichtigen muss.
Die Integration von Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, von jungen Leuten, die den Sprung ins Erwerbsleben nur mit Schwierigkeiten schaffen, war für ihn eines der grossen Themen. Mit Vorstössen, mit Voten im Rat und mit seinem Engagement in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur versuchte Otto Ineichen immer wieder, zu helfen und zu wirken: für die Weiterbildung, für die Berufsbildung und für die Wiedereingliederung Erwerbsloser.
Er beschränkte sich aber - das war so typisch für ihn - nicht nur auf die politische Ebene: Otto Ineichen schuf mit grossem persönlichen Einsatz die Stiftung Speranza, die mithilft, Unternehmen zu animieren, Ausbildungsplätze für Jugendliche zu schaffen. Und auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehörte zu den Themen, derer er sich nicht nur politisch, sondern auch praktisch annahm.
Otto Ineichen war ein wahrer Liberaler, ein offener Mensch, ein selbstständiger und kreativer Kopf. Im Pensionsalter vertrat er die Anliegen der Jungen, als Arbeitgeber Bedürfnisse der Arbeitnehmer und als überzeugter Patriot die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des wirtschaftlichen Erfolgs der Schweiz. Mit Otto Ineichen konnte man immer über alles diskutieren; er vertrat seine Ideen mit [PAGE 997] Feuer und Flamme, war aber stets auch bereit, die Argumente anderer aufzunehmen. So war er nicht nur Unternehmer, Politiker und Macher, sondern auch noch etwas ganz anderes, etwas ganz Einfaches: ein guter Mensch und ein guter Freund. Wir alle werden Otto Ineichen vermissen.
Seiner Familie möchte ich unser herzliches Beileid ausdrücken.
Ich bitte Sie, sich in Erinnerung an Otto Ineichen zu erheben und seiner schweigend zu gedenken.
[VS]
Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen
L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt
[VS]
Präsident (Walter Hansjörg, Präsident): Eine Delegation des Nationalrates und des Ständerates wird an der Trauerfeier für Otto Ineichen teilnehmen. Diese findet statt am Montag, 11. Juni 2012, um 10.30 Uhr, in der Pfarrkirche St. Georg in Sursee.