Aebischer Matthias · Nationalrat · 2012-06-07
Aebischer Matthias · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-06-07
Wortprotokoll
Die nationalrätliche WBK ist sich der Wichtigkeit der Sportförderung in der Schweiz bewusst. Sie erhöhte, wie bereits erwähnt, den Gesamtbeitrag von 50 Millionen auf 70 Millionen Franken, dies mit einer klaren Mehrheit: Es waren 12 zu 5 Stimmen. Wie der Beitrag von 87 auf 50 Millionen Franken via Baspo und Bundesrat gesenkt wurde und dann wieder durch die nationalrätliche WBK auf 70 Millionen Franken erhöht wurde, haben wir jetzt ausführlich geklärt.
Was war die Folge der Senkung des Beitrags? Diese hatte zur Folge, dass die Erstellung eines Spitzensportzentrums ganz gestrichen wurde und bei vielen Projekten wie dem Ruderzentrum in Luzern, dem Velodrom in Grenchen oder auch dem Tenniszentrum in Biel die Gelder gekürzt wurden. Diese massive Reduktion wollen wir nun teilweise rückgängig machen.
Bei unserer Entscheidfindung in der WBK wurden vor allem zwei Fragen länger diskutiert; auf diese will ich zu sprechen kommen.
1. Bringt die Investition in den Spitzensport auch dem Breitensport etwas? Das ist eine grundlegende Frage. Zwei aktuelle Beispiele zeigen diesen Zusammenhang explizit. Seit Roger Federer im Jahr 2004 zum ersten Mal die Nummer 1 im Tennis wurde, sind die Mitgliederzahlen des Schweizerischen Tennisverbandes nicht mehr rückläufig, im Gegenteil, vielmehr haben sie zugenommen. Zurzeit zählt der Tennisverband 170 000 Mitglieder. Weitere 400 000 Menschen spielen in der Schweiz ohne Lizenz Tennis. Das sind rund 600 000 Personen, die sich nicht zuletzt dank den Erfolgen von Roger Federer regelmässig, Woche für Woche, körperlich betätigen. Dasselbe Bild zeigt sich auch beim Langlauf mit Dario Cologna. Seit vier Jahren steigt die Zahl der Loipenpässe an. Knapp 35 000 Loipenpässe wurden im letzten Winter verkauft. Zudem hat der neu ins Leben gerufene "Fun Parcours" für Kinder in diesem Winter 7000 Kinder auf die Loipe gebracht. 7000 Kinder mit einem Animationsprogramm auf die Langlaufski zu bringen - vor zehn Jahren hätte man das nicht für möglich gehalten.
2. Ich komme zur zweiten Frage, die in der Kommission zu reden gab - wie wir es von einigen Vorrednerinnen und Vorrednern schon gehört haben -, zum scheinbaren Paradoxon, nationale Verbände mit Bundesgeldern zu unterstützen, deren internationale Dachverbände jährlich Milliarden umsetzen und im Geld schwimmen. So wurde etwa diskutiert, ob es legitim sei, ein nationales Fussballzentrum zu unterstützen. Im Wissen darum, dass die Unterscheidung zwischen unterstützungswürdigen und nicht unterstützungswürdigen Projekten eine wohl zu grosse Herausforderung darstellen würde, entschied sich die Mehrheit der Kommission gegen den Ausschluss einzelner Projekte. Dies geschah auch deshalb, weil die Mehrheit glaubte, dass wohl eher die Falschen bestraft würden, nämlich Juniorinnen und Junioren, die auf dem Weg nach ganz oben sind, oder eben, wie Frau Fässler vorhin gesagt hat, der Frauenfussball.
Den Schweizer Sport im Rahmen von Nasak 4 mit 70 Millionen Franken zu unterstützen, erachtet eine klare Mehrheit der Kommission als sinnvoll. Die Mehrheit der WBK-NR empfiehlt Ihnen deshalb, ihrem Antrag zuzustimmen und den Minderheitsantrag abzulehnen.