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Flückiger-Bäni Sylvia · Nationalrat · 2015-03-12

Flückiger-Bäni Sylvia · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-03-12

Wortprotokoll

Damit alles rechtens ist, gebe ich Ihnen meine Interessenbindungen bekannt: Ich bin Präsidentin der Lignum Schweiz, des Dachverbandes der Holzwirtschaft.

Meine Motion vom März 2013 ist wegen neuen Ergebnissen des Landesforstinventars und wegen der jüngsten Frankenaufwertung noch aktueller geworden, und es ist für den Schweizer Wald sehr wichtig, dass sie angenommen wird. Die neuen Zahlen des Landesforstinventars zeigen, dass der vielerorts nicht nachhaltige Waldaufbau grosses Augenmerk verdient. Die Anteile überalterter Bestände und unverkäuflichen Starkholzes - das ist Rundholz mit 50 Zentimeter Durchmesser und mehr - haben weiter zugenommen. Auch die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft sagt, dass es mehr Jungwald als heute brauche, wenn der Wald nachhaltig genutzt werden solle. Das ruft nach einer eigentlichen Waldverjüngungskampagne, nach gezielter Investition in den Wald der Zukunft, einen Wald, der auch gegen jegliche Einflüsse des Klimawandels besser gewappnet ist, einfach weil er jünger, besser durchforstet und folglich fitter ist.

Der Forstdienst wirkt der Überalterung des Waldes nicht entgegen. Während im Alpenland Österreich Baumdurchmesser von höchstens 50 Zentimeter angestrebt werden, haben wir in der Schweiz immer mehr Fichten, Tannen und Buchen, die diese 50 Zentimeter überschreiten. Diese starken Bäume, die weder für die Klima-Fitness noch für die Holzverarbeitung interessant sind, werden aber in der offiziellen Forstpolitik - aktuell etwa in der Revision des Waldgesetzes - noch nicht als Problem thematisiert.

Ich habe bereits vor zwei Jahren in einer Motionsbegründung (13.3248) erwähnt, dass der Bund die Situation der Wald- und Holzwirtschaft anders einschätzt als die Betroffenen selber. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Aus diesem Grund reduzieren die Forstbehörden den Nadelholzanteil im Mittelland munter weiter, wie die Zahlen des Landesforstinventars zeigen - ausgerechnet im Gebiet mit der besten Wuchsleistung, guter Erschliessung und tiefsten Holzerntekosten.

Merkwürdig, dass die Interessen der Wald- und Holzwirtschaft nicht berücksichtigt werden; das muss sich ändern. Es ist jetzt an der Zeit, Wirtschaft und Ökologie in einen für beide Seiten gerechten und vernünftigen Rahmen zu stellen und die Mittel entsprechend zu verwenden. Die Mittellandkantone sollten nun die Laubholzförderung stoppen; es wurde dafür mehr als genug getan. Was wir jetzt brauchen, sind Nadelholzprogramme. Ich erinnere daran, dass die Fichte schon immer der Brotbaum der Holzindustrie war und immer noch ist. Betreffend Klimaanpassung habe ich schon vor zwei Jahren erwähnt, man müsse jetzt Weichen stellen und im Wald vor allem handeln. Ein jüngerer, regelmässig durchforsteter Wald ist viel besser gegen alle möglichen Klimaphänomene gewappnet als der jetzt immer stärker vergreisende Schweizer Wald. [PAGE 328]

Der Bundesrat verweist in seiner Stellungnahme zu meiner Motion auf Forschungsergebnisse, die Ende 2015 vorliegen sollen. Es sind da alles andere als einfache Rezepte zu befürchten, eher noch mehr Tipps in Richtung "Gartenbau im Wald" und eine Verteuerung der Waldbewirtschaftung.

Geschätzte Frau Bundesrätin, Sie können im Bereich Biodiversität viel Geld sparen, ohne zu schaden, und dieses in die Erschliessung und in den Wirtschaftswald investieren. In der Schweizer Forstpolitik dominieren die Forstbehörden von Bund und Kantonen zu stark; das widerspiegelt sich in der Schwerpunktsetzung und Mittelzuteilung. Wir brauchen einen viel stärkeren Einbezug der Betroffenen und einen gemeinsamen Plan, in dem vorzusehen ist, welche Weichen für die Zukunft wir jetzt pragmatisch stellen müssen - eben die Wald-Agenda 2030. Weil die jüngste Frankenaufwertung den enormen Druck auf die Waldbewirtschaftung und Holzverarbeitung noch erhöht, ist das Anliegen jetzt noch dringender geworden.

Ich bitte Sie, meine Motion anzunehmen. Das wäre auch ein wichtiges Zeichen seitens des Parlamentes, dass es die Sorgen der Waldbesitzer und Holzverarbeiter ernst nimmt und sich damit auch um diese Arbeitsplätze sorgt.