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Gadient Brigitta M. · Nationalrat · 2001-11-27

Gadient Brigitta M. · Nationalrat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2001-11-27

Wortprotokoll

Eine grosse, aktuelle und dauernde Herausforderung ist es im Bereich der ganzen Berufsbildung, diese so zu gestalten, dass sie für alle Jugendlichen einen vielversprechenden Weg für den Eintritt ins Erwerbsleben darstellt. Wichtige Schritte wurden bereits gemacht, um vom Sackgassen-Image wegzukommen - Stichworte: Berufsmatura, Fachhochschulen.

Aber nun brauchen wir noch einen weiteren Modernisierungsschub, nämlich die inhaltliche und organisatorische Anpassung der Berufsbildung an die heutigen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes.

Der vorliegende Gesetzentwurf wird diesem Anspruch gerecht, und seine besondere Qualität ist es insbesondere auch, dass er als Gesamtpaket von allen beteiligten Kreisen mitgetragen wird. Wesentlichste Punkte dieser Reform sind der Übergang zu einem Rahmengesetz für eine moderne, den sich ständig wandelnden Bedürfnissen angepasste und [PAGE 1554] sich anzupassende Berufsbildung, das dazu auch die nötige Flexibilität gibt. Eine grosse Herausforderung bildet der Einbezug der bisher in der Kompetenz der Kantone gelegenen Bereiche Gesundheit und Soziales, die durch die neue Verfassung der Regelungskompetenz des Bundes unterstellt wurden.

Die Qualifizierungsangebote der Berufsbildung sollen dabei weiterhin über eine Kombination von Theorie und Praxis bereitgestellt werden. Das bewährte duale System hat sich als ideale Voraussetzung für den Einstieg in die Arbeitswelt und für wirksames Lernen erwiesen und soll deshalb zentraler Pfeiler der schweizerischen Berufsbildung bleiben. Die geänderten Anforderungen rufen aber nach neuen Angeboten bzw. Ergänzungen, und hier bringt das neue Berufsbildungsgesetz flexiblere Bildungsmöglichkeiten; dies insbesondere auch mit Blick auf die steigenden Anforderungen an die kognitiven Fähigkeiten, die für Begabte einerseits und für Lernschwächere andererseits nach neuen Lösungen verlangen.

Der Gesetzentwurf legt sodann - das ist für mich ein Grundsatz, der zu einer Kernidee unserer Bildungskultur werden muss - grossen Wert auf lebenslanges Lernen. Vorgesehen ist in der Berufsbildung neu eine breite Grundausbildung, um so einerseits den Jugendlichen bessere berufliche Zukunftsperspektiven offen zu halten - ein wichtiger Beitrag zur Attraktivitätssteigerung dieser Ausbildung - und um anderseits ein gutes Fundament für möglichst viele Zusatz- oder Weiterbildungen zu bieten; dies nicht zuletzt auch als Antwort auf die Umbrüche der Arbeitswelt, die zu vermehrten Arbeitswechseln führen werden und ständige Weiterbildung verlangen.

Wichtig ist sodann, dass die Berufsbildung, insbesondere auch bei der Finanzierung, die gleich langen Spiesse erhält wie die anderen Ausbildungswege. Dies ist umso mehr gerechtfertigt, als in kaum einem anderen europäischen Land der Berufsbildung ein so hoher Stellenwert zukommt wie bei uns und immerhin rund zwei Drittel aller Jugendlichen diesen Weg einschlagen. Dafür braucht es aber die nötigen Mittel - auch dies eine wichtige Voraussetzung für die Steigerung der Attraktivität der Berufsbildung. Unabdingbar ist deshalb sicher auch unsere Bereitschaft, in unsere Jugend zu investieren.

Ich bitte Sie deshalb, in diesem wichtigen Punkt der finanziellen Beteiligung des Bundes der Kommissionsmehrheit zu folgen, die sich im Sinne eines Kompromisses für eine Lösung "25 plus" entschieden hat: 25 Prozent Kostenbeteiligung des Bundes plus zusätzlich 10 Prozent davon für besondere Leistungen und Innovationen.

Wir setzen mit dieser Reform ein Zeichen für eine zukunftsgerichtete Berufsbildung. Ich bitte Sie, dieser zuzustimmen.